Predigtstuhlbahn

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Pavillonkabine vor der zweiten Stütze
Blick auf Bad Reichenhall und den Hochstaufen vom Gipfel aus

Die Predigtstuhlbahn ist eine denkmalgeschützte Großkabinenseilbahn in Bad Reichenhall auf den Predigtstuhl. Die Bahn nahm 1928 den Betrieb auf und ist damit die älteste im Original erhaltene Großkabinenseilbahn der Welt. Die Welt zählt sie zu den weltweit 10 spektakulärsten Personenseilbahnen.[1]

Errichtung und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Ziel, Bad Reichenhall Ende der 1920er als Kur- und Badeort wieder konkurrenzfähig zu machen, initiierten der Hotelier Alois Seethaler (Axelmannstein) und Kurdirektor Josef Niedermeier die Errichtung einer Seilbahn auf den Predigtstuhl, wofür dann zwischen 1926 und 1927 konkrete Planungen aufgenommen wurden.[2]

Die drei von Otto Streck und Alfred Zenns geplanten „Monumentalstützen“ in Stahlbeton sowie die Berg- und Talstation wurden von der Hochtief AG unter Federführung des Architekten Wilhelm Kahrs im Stil einer vom Heimatstil geprägten[3] Neuen Sachlichkeit ausgeführt.[2]

Die Leipziger Firma Adolf Bleichert & Co. fertigte und montierte zwischen August 1927 und Juni 1928 mit der eigentlichen Seilbahntechnik nach dem System Bleichert-Zuegg das Herzstück der Pendelbahn sowie die beiden synchron berg- bzw. talwärts fahrenden Kabinen vom Typ Pavillon.[2][4] Die Drahtseile wurden von der Firma Westfälische Drahtindustrie aus Hamm geliefert. Alois Zuegg formulierte dabei den Anspruch, das beste und leistungsfähigste Konzept zu realisieren, denn „in Rücksicht auf das anspruchsvolle Kurpublikum von Bad Reichenhall darf es nicht an Eleganz und Bequemlichkeit fehlen.“[2] Am 1. Juli 1928 nahm die Predigtstuhlbahn den Betrieb auf.[2]

Das originale Tragseil aus dem Jahr 1928 ist bis heute im Einsatz.[3] Aus technischen Gründen und um den Sicherheitsanforderungen zu entsprechen, wird das Tragseil zwar alle 12 Jahre um etwa 6 Meter verschoben, kann aber wegen seiner Reserven noch mehrere Jahrzehnte genutzt werden.

Seit 2006 steht die Predigtstuhlbahn als einzige Seilbahn weltweit[3] unter Denkmalschutz.[5]

Zur Feier des 90-jährigen Jubiläums 2018 wurden die renovierten Bereiche der Barlounge, der Gaststube und der Panoramaterrasse auf der Bergstation ihrer Bestimmung übergeben.[6] Zu diesem Jubiläum war auch die Urenkelgeneration der ehemaligen Firma Adolf Bleichert & Co., die damals die Predigtstuhlbahn errichtete, anwesend.[7]

Bergstation mit Restaurant und Hotel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergstation mit Berghotel
Talstation am Südtiroler Platz

Im Umfeld der Predigtstuhlbahn-Bergstation wurde im 6. Oktober 1928 auf 1583 m ü. NN auch ein Restaurant sowie das erste Berghotel Deutschlands eröffnet.

Die Terrasse des Restaurants ermöglicht einen Rundblick auf Bad Reichenhall und Salzburg sowie auf die Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen.

Der Betrieb des Hotels ist jedoch seit 2014 wegen notwendiger Sanierungsmaßnahmen stillgelegt. Um insbesondere für die Umstellung der Abwasserentsorgung von der bestehenden Klärgrube auf einen Kanal mit Zugang in das öffentliche Kanalnetz staatliche Fördermittel erhalten zu können, wurden am 2. Januar 2015 die zwei Flurstücke mit Bergstation und Hotel samt Restaurant unterhalb des Predigtstuhl-Gipfels unter der Bezeichnung „Auf dem Predigtstuhl“ offiziell zum zehnten Ortsteil der Stadt Bad Reichenhall.[8]

Freizeit und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahn stellt einen bequemen Zugang zum Lattengebirge dar und verkürzt damit die Touren zu den einzelnen Gipfeln oder eine Überschreitung des Lattengebirges erheblich. Der Gleitschirmclub Albatros Reichenhall e.V. nutzt die Bahn, um die Startplätze in der Schlegelmulde und am Hochschlegel in kurzer Zeit zu erreichen.

Bis 1994 bestand am Predigtstuhl ein kleines Skigebiet mit zwei fixgeklemmten 1er-Sesselliften aus den Jahren 1957 und 1974. Die Skifahrer wurden mit der Predigtstuhlbahn auf den Berg zum Skigebiet und wieder zurück ins Tal gebracht. Zusätzlich war bei ausreichender Schneedecke auch eine Talabfahrt nach Schneizlreuth zum Baumgarten sowie zur Talstation über die schwierige Nordabfahrt möglich. Bis zur endgültigen Sperrung der Nordabfahrt Ende der 1980er Jahre verunglückten dort neun Skifahrer tödlich.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angaben laut Seilbahnbetreiber:[4]

  • Höhe Talstation 476 Meter (m)
  • Höhe Bergstation 1583 m
  • Höhendifferenz 1107 m
  • Länge 2380 m
  • Größte Spannweite etwa 2000 m
  • Maximale Steigung 75 %
  • Höchste Stütze 32 m
  • Größte Höhe über dem Boden 180 m
  • Geschwindigkeit 18 km/h
  • Gewicht der Tragseile 67,5 t
  • Spanngewichte der Tragseile 104 t
  • Antriebsleistung 150 PS
  • Personen pro Wagen – 25 + 1 Schaffner
  • Fahrzeit – knapp 9 Minuten

Eigentümer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2009 musste die Predigtstuhlbahn Insolvenz anmelden, der Fahrbetrieb wurde jedoch aufrechterhalten. Es kam zu Verhandlungen mit mehreren potentiellen Investoren über den Kauf der Bahn.[9]

Im Dezember 2012 wurde bekannt, dass die Bahn samt Berghotel und der Alm in der Schlegelmulde mit Wirkung zum 1. Januar 2013 von der „Marga und Josef Posch GmbH & Co. KG“ erworben wurde. Der Kaufpreis soll 1 Million Euro betragen haben.[10][11] Erwägungen des Stadtrates, im Rahmen eines vermeintlichen Vorkaufsrechtes die Anlage zu erwerben, blieben ohne Erfolg, da nach Ansicht der Stadtverwaltung kein Vorkaufsrecht bestünde.[12] Die Marga und Josef Posch GmbH & Co. KG gehört zur Unternehmensgruppe Max Aicher.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Lang: Drahtseile zum Himmel. Verein für Heimatkunde Bad Reichenhall, 2007. (Drahtseile zum Himmel - 75 Jahre Predigtstuhlbahn. 2003)
  • Raphaela Kreitmeir, Johannes Lang, Axel Effner, Max Oberwegner: Predigtstuhlbahn – „Die Grande Dame der Alpen“. Ein Predigtstuhlbergführer, 2018.
  • Helmut Lamprecht, Arno Ritter: Architektur und Seilbahnen – von der Tradition zur Moderne. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, »Tiroler Seilbahntag 2000« im Rahmen der Woche »Bühne Wintersport«, 26. März – 2. April 2000, Sonnenplateau Serfaus-Fiss-Ladis, Hrsg. Wirtschaftskammer Tirol, Fachgruppe der Seilbahnen. März 2003. S. 32 f. Online.
  • [13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Predigtstuhlbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Top Ten: Das sind die spektakulärsten Seilbahnen der Welt welt.de, 18. September 2014, abgerufen 12. November 2016.
  2. a b c d e Die Grande Dame der Alpen – älteste Seilbahn der Welt, Geschichte der Seilbahn mit Verweis auf Johannes Lang: Drahtseile zum Himmel (2007), online unter predigtstuhlbahn.de
  3. a b c Fünf Gründe für den Denkmalschutz, online unter predigtstuhlbahn.de
  4. a b Die perfekte Seilschwebebahn, Angaben zur Predigtstuhlbahn, online unter predigtstuhlbahn.de
  5. Baudenkmäler Bad Reichenhall: D-1-72-114-251, Liste vom 19. November 2016, PDF-Datei unter geodaten.bayern.de
  6. BayernWelle – Grande Dame der Alpen, online unter bayernwelle.de
  7. Berchtesgadener Anzeiger – 90 Jahre Predigtstuhlbahn, online unter berchtesgadener-anzeiger.de
  8. xe/redbgl: "Predigtstuhl": Neuer Ortsteil für Reichenhall bgland24.de, 21. Januar 2015.
  9. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven:@1@2Vorlage:Toter Link/ww2.rosenheimer-nachrichten.de Pressemeldung vom 29. Oktober 2009 über den aktuellen Stand der Insolvenzabwicklung
  10. Bad Reichenhall: Predigtstuhl-Bahn verkauft auf ORF-online vom 24. Dezember 2012 (abgerufen am 24. Dezember 2012)
  11. Berchtesgadener Anzeiger, „Familie Posch hat Kauf lange geplant“. Archiviert vom Original am 12. April 2013; abgerufen am 13. Februar 2013.
  12. Predigtstuhl: Stadt hat kein Vorkaufsrecht BGLand24.de vom 16. Januar 2013
  13. Der Predigtstuhl bei Bad-Reichenhall – Kurzinfo über die Predigtstuhlbahn und die anderen Lifte, 32 Bilder.

Koordinaten: 47° 42′ 59,5″ N, 12° 52′ 20″ O