Hochstaufen

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Hochstaufen
Blick auf den Hochstaufen von Bayerisch Gmain aus

Blick auf den Hochstaufen von Bayerisch Gmain aus

Höhe 1771 m ü. NN
Lage Bayern, Deutschland
Gebirge Chiemgauer Alpen
Dominanz 2,4 km → Zwiesel
Schartenhöhe 331 m ↓ Roßkarscharte
Koordinaten 47° 45′ 19″ N, 12° 50′ 55″ OKoordinaten: 47° 45′ 19″ N, 12° 50′ 55″ O
Hochstaufen (Bayern)
Hochstaufen
Normalweg Bad Reichenhall (Padinger Alm) – Bartlmahd – Reichenhaller Haus – Hochstaufen

Der Hochstaufen (1771 m ü. NN) ist ein markanter Felsberg und bekannter Blickfang, der sich zwischen Bad Reichenhall, Piding und Anger (Berchtesgadener Land) erhebt. Er gehört zum Gebirgsstock des Staufen und ist der östlichste Berg in den Chiemgauer Alpen. Vom Gipfel hat man einen guten Rundblick, vor allem zu den Berchtesgadener Alpen.

Knapp unter dem höchsten Punkt steht auf der Südseite in exponierter Lage das Reichenhaller Haus, eine im Sommer bewirtschaftete Unterkunftshütte des Deutschen Alpenvereins. Sie ist die höchstgelegene Hütte der Chiemgauer Alpen.[1] Von dort aus kann man den Sonnenuntergang über dem Chiemsee beobachten, Richtung Osten sieht man auf Salzburg mit seinem Flughafen, auch nachts durch die Beleuchtung gut zu erkennen.

Der Name Staufen kommt aus dem Mittelhochdeutschen („stouf“) und bedeutet „steil aufragender Fels“. Über den Grat verlief von ca. 1350 bis 1810 die Landesgrenze zwischen Bayern und Salzburg. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde Bergbau betrieben, der bekannteste Stollen war der Doktor-Oswald-Stollen, der sich nur 60 Meter unter dem Gipfel befand. Abgebaut wurden Blei und Zink.

Routen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Besteigung des Staufens sind über tausend Höhenmeter zu überwinden. Obwohl es durchaus Routen zum Gipfel gibt, die technisch nicht anspruchsvoll sind, sind für alle Wege zum Gipfel eine gute bis sehr gute körperliche Kondition sowie ein entsprechendes Maß an Erfahrung in alpinem Gelände Grundvoraussetzung.

  • Bad Reichenhall (Padinger Alm) – Bartlmahd – Reichenhaller Haus – Hochstaufen (Normalweg, leicht)
  • Bad Reichenhall (Padinger Alm) – Buchmahd – „Steinerne Jäger“ – Reichenhaller Haus – Hochstaufen (anspruchsvoll)
  • Bad Reichenhall (Padinger Alm) - Goldtropfsteig (anspruchsvoll, nicht ausgeschildert)
  • Piding (Urwies oder Mauthausen) – Mairalm – „Steinerne Jäger“ – Reichenhaller Haus – Hochstaufen (anspruchsvoll)
  • Piding (Urwies oder Mauthausen) – Mairalm – Pidinger Klettersteig – Hochstaufen (sehr schwierig, nur mit entsprechender Ausrüstung und Erfahrung)
  • Piding oder Aufham bei Anger – Steiner Alm – Nordflanke - Hochstaufen (mittel)
  • Inzell bzw. Gasthaus Adlgaß - Frillensee - Steiner Alm - Nordflanke - Hochstaufen (mittel)
  • Übergang von Zwiesel – Zennokopf – Mittelstaufen – Reichenhaller Haus – Hochstaufen (anspruchsvoll)
  • Übergang von Zwieselalm – Barthlmahd – Reichenhaller Haus – Hochstaufen (leicht)
  • Übergang von Fuderheuberg – „Steinerne Jäger“ – Reichenhaller Haus – Hochstaufen (anspruchsvoll, ohne Ortskenntnis besteht höchste Absturzgefahr)

Der Pidinger Klettersteig wurde 2003 neu eröffnet und ist einer der schwierigsten Klettersteige Deutschlands.

Sagen und Legenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Entstehung der Steinernen Jäger, über die ein beliebter, aber anspruchsvoller Weg zum Gipfel führt, erzählt eine Sage, dass es sich um zwei Jäger handelt, die dort zu Stein verwandelt wurden. Anstatt zur Andacht zu gehen, verhöhnen sie die Gläubigen, als sie die Glocke aus dem Tal hören. Doch als die beiden versuchen, einen Gamsbock zu schießen, verwandelt sich dieser in den leibhaften Teufel. Die Jäger versuchen zu fliehen, doch als Nebel aufzieht, hört man nur noch einen erstickten Schrei. Als sich der Nebel verzogen hat, sieht man die beiden Jäger, die zu Stein erstarrt nun auf ewig an den Platz ihrer Frevelei gebunden sind.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein der Staufenfreunde kümmert sich um den Erhalt und die Pflege der Staufenkapelle nahe dem Reichenhaller Haus. Dort wird auch einmal im Jahr die Staufenmesse abgehalten, die von vielen Wanderern und Gläubigen gern besucht wird. Am Vorabend der Messe, einem Samstag um die Sommersonnenwende, werden die Kapelle und der Gipfelgrat mit unzähligen Feuern beleuchtet. Das Material dafür wird von den Vereinsmitgliedern zum großen Teil zu Fuß lange vor der Messe zum Gipfel gebracht.

Am Hochstaufen treten Schwarmbeben auf. Zu ihrer Erforschung sind rund um den Berg Seismometerstationen verteilt.[2] Diese (schwachen) Erdbeben mit einer Herdtiefe von ein bis vier Kilometern sind mit den Regenfällen am Hochstaufen korreliert.[3][4]

Am 3. August 1921 brach am Hochstaufen ein Waldbrand aus, der zwei Wochen lang anhielt. Betroffen waren die Bereiche unter- und oberhalb der Bartelmahd.[5][6]

Nationale Bekanntheit erlangte der Berg, als im September 1993 das Wirtsehepaar des Reichenhaller Hauses bei einem Raubüberfall ermordet wurde.[7]

Das Reichenhaller Haus wurde bis zum Einsatz der Hubschrauber von der Tragtierkompanie aus der Kaserne Bad Reichenhall versorgt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl August Reiser: Geschichte des Blei- und Galmei-Bergwerks am Rauschenberg und Staufen in Oberbayern. Wolf, München 1895 (Digitalisat)
  • Toni Schmidberger: Bad Reichenhall – Naturschutz im Alpenverein. Alpenvereinssektion Bad Reichenhall, Neuauflage von 1992; beinhaltet
    • Die Errichtung des Kreuzes auf dem Hohenstaufen – Bergfahrt und Predigt, Bad Reichenhall 1854
    • Dr. C. C. Hosseus: Flora des Staufens bei Bad Reichenhall, 1911

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reichenhaller Haus. Berchtesgadener Land Tourismus GmbH, abgerufen am 18. Dezember 2013.
  2. Subnetz Reichenhall, Erdbebendienst Bayern
  3. Steter Tropfen hebt den Stein, Newsletter Nr. 03/2007 der Ludwig-Maximilians-Universität München
  4. Artikel über das geophysikalische Observatorium der Ludwig-Maximilians-Universität München
  5. Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Sektion Reichenhall des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Bad Reichenhall 1925, S. 27 (PDF, 3,8 MB)
  6. Ein Jahrhundert Geschichte der Sektion Bad Reichenhall im Deutschen Alpenverein, Bad Reichenhall 1975, S. 11 (PDF, 3,5 MB)
  7. Dieter Dörfler: Der Mord auf dem Hochstaufen bei Bad Reichenhall. In: Traunsteiner Tagblatt 43/2006