Protobothrops flavoviridis

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Protobothrops flavoviridis
Protobothrops flavoviridis.jpg

Protobothrops flavoviridis

Systematik
ohne Rang: Toxicofera
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Vipern (Viperidae)
Unterfamilie: Grubenottern (Crotalinae)
Gattung: Protobothrops
Art: Protobothrops flavoviridis
Wissenschaftlicher Name
Protobothrops flavoviridis
(Hallowell, 1861)

Protobothrops flavoviridis (Syn.: Trimeresurus flavoviridis), zuweilen auch als Habu-Schlange oder Okinawa-Habu bezeichnet, ist eine in Asien vorkommende Schlangenart aus der Unterfamilie der Grubenottern. Die Trivialnamen werden nur selten verwendet, um Verwechselungen mit der Okinawa-Habuschlange (Ovophis okinavensis) zu vermeiden. Der Artname leitet sich von den lateinischen Worten flavus und viridis mit den Bedeutungen „gelb“ und „grün“ ab und bezieht sich auf die Färbung der Schlange.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgewachsene Individuen von Protobothrops flavoviridis erreichen eine Länge zwischen 100 und 130 (maximal 230) Zentimetern. Sie sind damit die größten in Japan vorkommenden Schlangen. Der Körper ist schlank. Die Oberseitenfärbung zeigt olivgrüne bis gelbbraunen Tönungen. Der Rücken ist mit dunkelbraunen rautenförmigen Flecken überzogen. Diese Flecke zeigen grünliche oder gelbliche Ränder und sind gleichfarbig gekernt. Die Unterseite der Schlange ist weißlich, am Rand verdunkelt. Jungtiere haben das gleiche Zeichnungsmuster wie die Erwachsenen.

Ähnliche Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mamushi (Gloydius blomhoffii) ist kleiner, überwiegend bräunlich gefärbt und mit Streifen statt Rauten versehen.

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Protobothrops flavoviridis kommt endemisch in Japan auf den Ryūkyū-Inseln, in erster Linie auf Okinawa Hontō und den Amami-Inseln vor. Auf Kume-jima ist sie durch die Unterart Protobothrops flavoviridis tinkhami vertreten.[1] Sie hält sich gerne an Felsen, in Gräbern und Höhlen sowie auf Zuckerrohr-Plantagen und weiteren landwirtschaftlich genutzten Flächen auf.

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Protobothrops flavoviridis ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv und gelangt bei der Nahrungssuche oft in die Häuser der Menschen. Sie ernährt sich vorwiegend von Ratten und Mäusen sowie von kleinen Reptilien, Lurchen oder Vögeln sowie von deren Brut. Sie jagt auf Bäumen wie auch am Boden. Die Art pflanzt sich durch Oviparie (eierlegend) fort, die Paarung findet im Frühjahr statt.

Giftigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Warntafel vor einer Schule in Japan

Jeder Biss durch die Schlange muss als potentiell lebensgefährlich eingeschätzt werden. Von den Bissen ereignen sich die meisten auf den Feldern während der Arbeit, doch auch innerhalb von Wohnhäusern gibt es zahlreiche Vorfälle. Da Protobothrops flavoviridis leicht reizbar und angriffslustig ist, wird vor Schulen zuweilen mit einem Schild vor der Schlange gewarnt. Viele Bisse nehmen einen schweren Verlauf und es treten in jedem Jahr zahlreiche Todesfälle auf. Übelkeit, Erbrechen, abdominelle Schmerzen, Schwindel, Kreislaufstörungen bis zum Kollaps, lokale Nekrosen, teilweise mit großer Ausdehnung, schwere Störungen der Muskulatur, arterieller Blutdruckabfall, Schock und Blutgerinnungsstörungen bis zur Ungerinnbarkeit des Blutes können auftreten. Bei der Behandlung darf die Pressure/Immobilization Technique nicht angewendet werden, da es dadurch zu schwerwiegenden Folgeschäden kommen kann. Gemäß japanischer Angaben wird Habu Antivenom (Kaketsuken) als Antivenin verwendet.[2] Das Gift von Protobothrops flavoviridis wurde anhand der Massenspektrometrie untersucht. Dabei ergab sich, dass mehr als die Hälfte des Giftes aus verschiedenen Phospholipasen A2 besteht. Darüber hinaus enthält fast ein Drittel des Gesamtgifts verschiedene Metalloproteine und Disintegrine. Außerdem wurden mehrere geringfügig vertretene Toxine nachgewiesen.[3]

Verwendung in der Getränkeindustrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Habushu-Schlangenschnaps mit eingelegtem Exemplar von Protobothrops flavoviridis

Vor dem 20. Jahrhundert hatte Protobothrops flavoviridis kaum natürliche Feinde. Heute wird sie auf Okinawa und anderen Inseln aus der Natur entnommen, in Awamori-Likör eingelegt, in Flaschen abgefüllt und als Schlangenschnaps unter dem Namen Habushu verkauft. Das Schlangengift wird durch den Alkohol weitestgehend neutralisiert. In vielen asiatischen Ländern herrscht der Glaube vor, dass durch das Getränk die „besonderen Fähigkeiten“ der Schlange übertragen werden. So soll der Schnaps angeblich bei verschiedenen Krankheiten oder Libidoproblemen hilfreich sein. Aus Arten- und Tierschutzgesichtspunkten sind diese Einstellung und das Töten der Schlangen außerordentlich fragwürdig und der Schlangenschnaps darf deshalb in vielen Ländern nicht eingeführt werden.

Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz der endemischen Verbreitung auf lediglich einigen japanischen Inseln sowie der Verwendung vieler Exemplare in der Getränkeindustrie, wird Protobothrops flavoviridis von der Weltnaturschutzorganisation IUCN als „Least Concern = nicht gefährdet“ geführt.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Howard K. Gloyd: A new crotalid snake from Kume Shima, Riu Kiu Islands, Bulletin of the Chicago Academy of Sciences, Volume 10, No. 8, 1955, S. 123–134
  2. Giftzentrum München, Stand 22. März 2016
  3. Maik Damm, Benjamin-Florian Hempel, Ayse Nalbantsoy & Roderich D. Süssmuth: Comprehensive Snake Venomics of the Okinawa Habu Pit Viper, Protobothrops flavoviridis, by Complementary Mass Spectrometry-Guided Approaches, molecules, Volume 23, Issue 8, 2018
  4. Red List für Habu – Protobothrops flavoviridis

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Protobothrops flavoviridis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien