Punktrechnung vor Strichrechnung

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Die Regel Punktrechnung vor Strichrechnung, kurz auch Punkt vor Strich genannt, ist eine Konvention in der Operatorrangfolge der Mathematik. Sie besagt, dass in einem mathematischen Ausdruck, sofern keine Klammern gesetzt sind, Multiplikationen und Divisionen grundsätzlich Vorrang vor Additionen und Subtraktionen haben. Diese Konvention ermöglicht es in vielen Fällen, auf Klammern zu verzichten, was der Lesbarkeit der Ausdrücke zugutekommt.

Die Bezeichnung „Punktrechnung“ bezieht sich dabei auf den einzelnen Punkt  als Multiplikations-Symbol sowie den Doppelpunkt  als Divisions-Symbol. Doch auch wenn andere Symbole wie beziehungsweise oder verwendet werden, die typographisch eher „Strichsymbole“ sind, gelten sie im Sinne der Regel als „Punktrechnung“.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Punkt-vor-Strich-Regel verbietet es, Ausdrücke, in denen Punkt- und Strichrechnung gemischt auftreten, einfach schrittweise von links nach rechts durchzurechnen. Bei den folgenden Beispielen sind jeweils das richtige Ergebnis (Regel wird beachtet) und das falsche Ergebnis (ohne Beachtung der Regel wird schrittweise von links durchgerechnet) aufgeführt:

Ausdruck Rechnung richtiges Ergebnis falsches Ergebnis
Zuerst ist die Multiplikation zu rechnen, was insgesamt den Ausdruck ergibt.
Hier sind zuerst (in beliebiger Reihenfolge) die Multiplikation und die Division zu rechnen, was insgesamt den Ausdruck ergibt, der dann von links nach rechts gerechnet werden kann (nur noch Strichrechnung).
Zuerst werden immer Klammern gerechnet, hier also der Teilausdruck . Das gibt insgesamt den Ausdruck , bei dem als nächstes die Multiplikation zu rechnen ist und als letztes die sich daraus ergebende Subtraktion . Mit Klammern:
Ohne Klammern:

Geschichte der Konvention[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mathematiker der Antike und des Mittelalters formulierten ihre Erkenntnisse als sprachlichen Text, wobei in der Regel keine Missverständnisse über die Gruppierungen auftreten.

Erst in der Neuzeit entwickelte sich die kürzere formelhafte Darstellung mathematischer Sachverhalte mit Zahlen, Bezeichnern und Operatoren. Dabei scheint die Regel „Punkt vor Strich“ von Anfang an vorausgesetzt worden zu sein. Bei René Descartes finden sich Schreibweisen wie , die sowohl, wie auch heute noch üblich, den Multiplikationsoperator einfach weglassen (Juxtaposition) als auch davon ausgehen, dass die Multiplikation Vorrang vor der Addition hat.[1]

Technische Implementation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Computeralgebrasysteme beachten die Punkt-vor-Strich-Regel selbstverständlich, etwa das Open-Source-System Maxima:

(%i1) 1+2*3;
(%o1)                                  7
(%i2) 2*12+6/3-7;
(%o2)                                 19
(%i3) 36-(4+7)*3;
(%o3)                                  3

Bessere Taschenrechner beachten sie ebenfalls schon lange; der 1976 erschienene Schulrechner TI-30 hob sich unter anderem dadurch von Konkurrenzmodellen ab.

Andererseits gab und gibt es auch Rechner, die einfach nach jeder eingetippten Teiloperation sofort ein Zwischenergebnis ausrechnen, ohne in Betracht zu ziehen, dass eine höherrangige Operation folgen könnte. Das führt zu falschen Ergebnissen, etwa im Fall des zweiten Beispiels:

Manche Rechner bieten die Möglichkeit, zwischen „algebraisch“ (Operatorenrangfolge wird beachtet) und „sequenziell“ (Operationen werden in der Reihenfolge der Eingabe ausgeführt) umzuschalten.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. René Descartes: La Géométrie, S. 302