Purcells Traum von König Artus

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Purcells Traum von König Artus ist ein Theaterstück von Tankred Dorst frei nach Purcells HalboperKing Arthur“. Das Stück wurde am 23. Oktober 2004 unter der Regie von David Mouchtar-Samorai im Hessischen Staatstheater Wiesbaden uraufgeführt.[1]

Die Abrissbirne macht vor einem verfallenden Opernhaus[A 1] nicht Halt. Die in dem Gemäuer hausenden „schrägen Vögel“ mit dem verschreckten Operngeist König Artus an der Spitze müssen notgedrungen weichen.

Henry Purcell versus Tankred Dorst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Purcells Halboper liebt der britische König Artus die junge, blinde kornische Prinzessin Emmeline. Tankred Dorst macht aus der Schwerbehinderten eine reiche Investorin. Bei Purcell kämpft König Artus gegen den Sachsenkönig Oswald von Kent. In der Halboper ist Oswald zudem Artus' Nebenbuhler. Folgerichtig kämpft der Operngeist König Artus bei Tankred Dorst nicht gegen die Sachsen, sondern gegen die Gruppe der Investoren. Einer dieser Kapitalanleger – der junge Geschäftsmann Franky Frank – gewinnt die Liebe der blinden Investorin. Gleich und Gleich gesellt sich gern. König Artus zieht den Kürzeren.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Investoren betreten die Ruine des Opernhauses. Die junge Investorin Emmeline lässt sich von dem Gesang des schönen Knaben Purcell – Tankred Dorst nennt ihn den Orpheus Britannicus[2] – betören. Fasziniert fällt die Blinde fast in den Orchestergraben. Von dem zaubrischen Gesang werden die schlafenden Operngeister König Artus, der Magier Merlin, fünf Shepherds (das sind grobschlächtige Schafhirten), der Zauberlehrling Filidel – ein Luftgeist[3] – und zwei Nymphen wach. König Artus entsteigt – mit Krone und Schwert – einem Müllberg. In den Investoren erkennt der Herrscher Sir Bedivere, Sir Agravaine[4] und Sir Gawain. Die Herrschaften, lediglich mit Mobiltelefon, Laptop und Terminplaner bewaffnet, sind fürbass erstaunt. Einer der Investoren hat eine gute Idee. Das Einkaufscenter, dem die Oper weichen muss, soll „Camelot“ heißen. Die findige Namensgebung muss allerdings erst mit der PR-Firma „abgeklärt“ werden.

Emmeline, in Artus verliebt, will den König sehen. Auf Befehl des Herrschers gibt Merlin dem Mädchen das Augenlicht. Emmeline, sehend geworden, erkennt den Geliebten nicht. Enttäuscht gesteht sie sich ihren schönen Wahn ein.

Für die oben genannten schrägen Vögel ist auf einer künftigen Baustelle kein Platz. Also ziehen die Investoren gegen die Operngeister zu Felde. Die Wachmänner der Investoren unterliegen der Zauberkraft des Lehrlings Filidel. Allerdings hat Artus seine Emmeline im Getümmel des Scharmützels verloren.

Auf einmal ist der Zauber vorbei. Emmeline, ihres Augenlichts wiederum beraubt, geht hübsch am Arm Franky Franks. Die Abrissbirne macht Purcells Gesang ein jähes Ende. Die Operngeister lösen sich in Luft auf.

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ficken und fressen... ist das ganze Leben.“[5]

Form[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tankred Dorst gibt sich in seinem „Capriccio[6] aus 21 Szenen polyglott: Die Operngeister König Artus, die fünf Shepherds in seinem Gefolge, der Zauberlehrling Filidel und die zwei Nymphen singen über weite Strecken sehr umfangreiche Passagen in Englisch. Der Interessierte kann jeden Vers wortwörtlich in John Drydens Libretto[7] nachschlagen.

Inszenierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 27. Juli 2012: Theaterruine St. Pauli Dresden. Regie: Jörg Berger. Mit Yvonne Dominik als Purcell, Frank Weiland als König Artus, Ingrid Schütze als Emmeline, Karl Michael Weber als Merlin, Katja Röder/Tobias Schmidt als Zauberlehrling Filidel und Jens Döring als Franky Frank.[8]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Textausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tankred Dorst und Ursula Ehler ließen ihre Theatergeister in Gedanken durch „die Ruine eines alten Theaters in Palermo“ (Nachbemerkung des Autors in der verwendeten Ausgabe, S. 107, 12. Z.v.u.) huschen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verwendete Ausgabe, S. 414, zweiter Eintrag. Siehe auch Suhrkamp. Theater & Medien. Bühnenstück
  2. Nachbemerkung des Autors in der verwendeten Ausgabe, S. 108, 3. Z.v.o. siehe auch eng. Orpheus Britannicus
  3. Nachbemerkung des Autors in der verwendeten Ausgabe, S. 108, 7. Z.v.o.
  4. eng. Agravain
  5. Verwendete Ausgabe, S. 85, 15. Z.v.o.
  6. Nachbemerkung des Autors in der verwendeten Ausgabe, S. 108, 5. Z.v.u.
  7. Libretto der Halboper in englischer Sprache
  8. theaterruine.de
  9. Suhrkamp. Theater & Medien. Hörspiel. Siehe auch HörDat-Eintrag