Quendel-Ehrenpreis

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Quendel-Ehrenpreis
Quendel-Ehrenpreis (Veronica serpyllifolia)

Quendel-Ehrenpreis (Veronica serpyllifolia)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Gattung: Ehrenpreis (Veronica)
Art: Quendel-Ehrenpreis
Wissenschaftlicher Name
Veronica serpyllifolia
L.

Der Quendel-Ehrenpreis (Veronica serpyllifolia), auch Quendelblättriger Ehrenpreis oder Thymianblättriger Ehrenpreis genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Ehrenpreis (Veronica) innerhalb der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Sturm
Gestielte Kapselfrucht und haltbarer Blütenkelch

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Quendel-Ehrenpreis ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 5 bis 30 Zentimetern. Die Wurzeln reichen bis in 20 Zentimeter Tiefe. Die Pflanzen bilden eine kriechende Grundachse mit blühenden und nichtblühenden Trieben. Die Stängel sind beblättert und aufsteigend.

Alle Stängelblätter sind ungeteilt und fast ganzrandig. Sie sind kurz gestielt und kahl bis schwach behaart.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der endständige, kurze oder verlängerte, traubige oder ährige Blütenstand ist deutlich vom beblätterten Stängel abgesetzt. Die Tragblätter unterscheiden sich deutlich von den Laubblättern, sie sind kleiner und einfacher, der Übergang von Laubblättern zu Tragblättern erfolgt plötzlich.

Die zwittrigen Blüten besitzen eine doppelte Blütenhülle. Die Blütenkrone ist weißlich bis bläulich mit dunklerer Aderung, eher ausgebreitet-radförmig, häufig fast radiärsymmetrisch. Die Kronröhre ist kürzer als breit.

Die Fruchtstiele sind etwa so lang oder länger als der Kelch. Die Kapselfrucht ist tief ausgerandet und bei einer Länge von bis zu 4 Millimeter sowie einer Breite von bis zu 5,5 Millimeter breiter als lang.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14 oder 28.[1]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Quendel-Ehrenpreis ist ein Hemikryptophyt und ein Wurzelkriechpionier.[1]

Die Bestäubung erfolgt durch Zweiflügler (Diptera), es erfolgt auch Selbstbestäubung. Die Blüten sind proterogyn. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Oktober.[2]

Benetzt eröffnen sich die Kapselfrüchte und die Fruchtklappen spreizen auseinander; dadurch wirken die Kapselfrüchte als Regenballist, d. h. die bikonvexen, bis 0,8 Millimeter langen, und 0,1 mg schweren Samen werden durch Regentropfen aus den Früchten geschleudert und breiten sich als Regenschwemmlinge weiter aus; daneben unterliegen sie der Wasserausbreitung und der Tritt- und Darmausbreitung.[2]

Gebirgs-Quendel-Ehrenpreis (Veronica serpyllifolia subsp. humifusa)

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Quendel-Ehrenpreis ist auf der Nordhalbkugel circumpolar verbreitet. Er wächst in Wiesen, Weiden, Äckern, an Ruderalstellen, Ufern und Wegrändern und in Trittgesellschaften. Er gedeiht am besten auf nährstoffreichen sowie kalkarmen Böden. Er steigt bis in Höhenlagen von 2400 Metern. Er kommt in Mitteleuropa in Gesellschaften der Verbände Cynosurion, Agropyro-Rumicion, Polygonion avicularis oder der Ordnung Arrhenatheretalia elatioris vor.[1]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Veronica serpyllifolia Carl von Linné. Veronica serpyllifolia gehört zur Sektion Serpyllifolia in der Untergattung Beccabunga innerhalb der Gattung Veronica.

Von Veronica serpyllifolia gibt es zwei oder drei Unterarten:[3][4]

  • Gewöhnlicher Quendel-Ehrenpreis (Veronica serpyllifolia L. subsp. serpyllifolia), mit weiß bis blassblauen Blüten und 10 bis 30 Zentimeter hoch und collin bis montan verbreitet. Seine Chromosomenzahl beträgt 2n = 14 oder 28.[1]
  • Niederliegender Quendel-Ehrenpreis oder Gebirgs-Quendel-Ehrenpreis (Veronica serpyllifolia subsp. humifusa (Dicks.) Syme), mit kräftig blau-lila Blüten, 5 bis 8 Zentimeter hoch und subalpin bis alpin verbreitet. Seine Chromosomenzahl beträgt 2n = 14. Er kommt vor in Gesellschaften der Verbände der Milchkrautweiden (Poion alpinae) oder Lägerfluren (Rumicion alpini).[1]
  • Veronica serpyllifolia subsp. trichocaulis Peev: Sie kommt in Bulgarien vor.[4]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv. CD-ROM, Version 1.1. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2002, ISBN 3-494-01327-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 839.
  2. a b Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  3. Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9.
  4. a b Karol Marhold, 2011: Scrophulariaceae: Datenblatt Veronica serpyllifolia In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Quendel-Ehrenpreis – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien