Quilow

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Quilow mit Dorfteich, Gut und Wasserschloss

Quilow ist ein Ortsteil der Gemeinde Groß Polzin im Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Quilow liegt nördlich der Peene an der Landesstraße 263, etwa elf Kilometer südöstlich von Gützkow und neun Kilometer nordwestlich von Anklam.

Befestigung Stolpmühl-Quilow 1759 mit Wassermühle

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1172 als „villa Quilowe“, als Herzog Bogislaw I. das Dorf dem Kloster Stolpe übereignete. Der slawische Name wird mit „Wehklage“ gedeutet.[1] 1194 überwies der Siegfried I., Bischof von Cammin, dem Kloster den Bischofszehnten aus Quilow und weiteren Orten.

Dorfkirche Quilow

Die Familie von Owstin, die ihren Stammsitz im gleichnamigen Gut Owstin bei Gützkow hatte, kam Ende des 15. Jahrhunderts in den Besitz des Ortes Quilow. 1485 wurde Quilow in einem Lehnsbrief des Herzogs Bogislaw X. für Hans und Claus von Owstin genannt. 1499 kauften die Owstine vom Kloster Stolpe einen Hof in Quilow. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde in Quilow ein Festes Haus errichtet und mit einem Wassergraben umgeben, das später im Stil der Renaissance schlossartig ausgebaut wurde.

In der Schwedenzeit gehörte Quilow zum Wolgaster Distrikt. In der Beschreibung des Gutes, die 1694 für die Schwedische Landesaufnahme von Vorpommern erfolgte, wurden neben dem Herrenhaus zehn Wohngebäude gezählt. Eine Wassermühle, die, wie der Burggraben, durch einen zur Peene fließenden Bach gespeist wurde, war um 1800 nicht mehr vorhanden. Stattdessen war eine Windmühle errichtet worden, die aber auch noch vor 1880 abgerissen wurde. Die zweite, größere Wassermühle bei Stolpmühl war noch bis nach 1920 in Betrieb. In der Mitte des 19. Jahrhunderts war der Abbau von Torf in den Wiesen des Peenetals eine wichtige Einnahmequelle des Gutes. Jährlich wurden ungefähr 3500 Klafter – circa 11.500 Kubikmeter – Torf gestochen.

Ab 1818 gehörte Quilow zum preußischen Landkreis Greifswald im Regierungsbezirk Stralsund. Nach dem Aussterben der männlichen Linie der Owstins auf Quilow mit August Philipp von Owstin († 1855) kam das Gut nach Erbstreitigkeiten 1858 durch einen Vergleich an dessen dritte Tochter Sophia Carolina Friederike, die Frau des Landschaftsrates Carl Heinrich von Ploetz. Bis zur Enteignung 1945 war Quilow[2] im Besitz der Familie von Ploetz.

Mit dem Gemeindegesetz vom 1. Mai 1935 wurde die Bildung der Großgemeinde (Verwaltungsgemeinschaft) Quilow aus den bestehenden Gemeinden Schlatkow, Lüssow und Quilow mit folgenden Orten: Owstin, Pentin, Lüssow, Paetschow, Vitense, Schmatzin, Groß Polzin, Schlatkow, Groß Jasedow, Quilow, Wolfradshof angeordnet, es gab aber keine Eingemeindungen. Diese Regelung wurde nach 1945 außer Kraft gesetzt.[3]

Das Wasserschloss Quilow, das zu DDR-Zeiten als Wohnhaus, LPG-Kantine und Gemeindebüro diente, wurde 1959 als Denkmal des Mittelalters restauriert. Es drohte nach der Wende und dem Leerzug zu verfallen. 2007 wurde es an eine Stiftung verkauft, die hier ein Modellprojekt zur Restaurierung durchführen wollte, es blieb bislang bei einer teilweisen Gebäudesicherung mittels eines „Stahlkorsetts“. Auch wurden neuzeitliche Anbauten (z. B. LPG-Küche) abgerissen.

Zu Quilow gehört der Ortsteil Stolpmühl, der nur noch aus zwei Gehöften besteht. Dort befand sich an der Straße zur Peene und zur Stolper Fähre eine Wassermühle, die vom 18. Jahrhundert bis nach 1920 betrieben wurde. Oberhalb der Mühle und am Weg zur Peene befanden sich zur Schwedenzeit umfangreiche Schanzenanlagen, die auf einer schwedischen Karte von 1759 eingezeichnet sind.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabplatte der Owstine in Quilow – 16. Jahrhundert

→ Siehe: Liste der Baudenkmale in Groß Polzin

  • Wasserschloss Quilow, Renaissancebau aus dem 16. Jahrhundert, an der Stelle einer älteren Turmhügelburg errichtet
  • Dorfkirche Quilow, neugotischer Backsteinbau aus dem 19. Jahrhundert, aufgebaut auf älterem Vorgängerbau. Innen: Grabplatte aus dem 16., Gedenkplatten aus dem 18. und 19. Jahrhundert, sowie ein Wappenepitaph der Owstine
  • Gutsanlage Quilow
  • Bronzezeitliches Hügelgrab westlich von Quilow
  • "Trabbi-Scheune" in Quilow, Sitz, Schrauberwerkstatt und Museum des Trabant-Vereins Anklam

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Teil 4, Bd. 2, Dietze, Anklam 1868, S. 1064f. (Digitalisat)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manfred Niemeyer: Ostvorpommern. Quellen- und Literatursammlung zu den Ortsnamen. Bd. 2: Festland. (=Greifswalder Beiträge zur Ortsnamenkunde. Bd. 2), Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Institut für Slawistik, Greifswald 2001, ISBN 3-86006-149-6. Seite 108
  2. Landwirtschaftliches Adreßbuch der Provinz Pommern 1939. Verzeichnis von ca. 20000 landwirtschaftlichen Betrieben von 20 ha aufwärts mit Angabe der Besitzer, Pächter und Verwalter, der Gesamtgröße des Betriebes und Flächeninhalt der einzelnen Kulturen; nach amtlichen Quellen. In: H. Seeliger (Hrsg.): Letzte Ausgabe Paul Niekammer. 9. Reprint Klaus D. Becker Potsdam. Facsimile Edition Auflage. Band I f. Ausgabe Pommern, Regierungsbezirk Stettin. Landkreis Greifswald. Verlag von Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1939, ISBN 978-3-88372-229-0, S. 68 (google.de [abgerufen am 24. August 2022]).
  3. Schlossverein Lüssow (Hrsg.): Lüssow. Chronik 1228–1945. (Online, PDF)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Quilow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 53° 54′ N, 13° 34′ O