Festes Haus

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Maison forte in Camarsac, 14. Jh. (Rekonstruktion von Viollet-le-Duc)

Als Festes Haus wird in der Burgenforschung ein bedingt wehrhaftes Gebäude mit relativ starken Mauern bezeichnet, das – ähnlich wie der Wohnturm – dem adligen Besitzer zu Wohn-, Wehr- und Repräsentationszwecken diente. Das so bezeichnete Gebäude kann Teil einer größeren Burg sein oder einzeln stehen. Das Feste Haus ist spätestens seit dem 10. Jahrhundert nachweisbar. In der Frühen Neuzeit (16. und 17. Jahrhundert) kam ein vergleichbarer Haustyp wieder vermehrt in Gebrauch, der als leicht bewehrter Adelssitz genutzt wurde.

Feste Häuser im Früh- und Hochmittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Templerhaus (Amorbach), 1291 in die erhaltene Form umgebaut

Der Bautyp des Festen Hauses lässt sich spätestens ab der Mitte des 10. Jahrhunderts nachweisen.[1] Es handelte sich dabei um ein freistehendes Gebäude mit längsrechteckigem Grundriss und bis zu drei Geschossen. Der Eingang befand sich meistens im Erdgeschoss (im Gegensatz zum zeitgleichen Wohnturm, der meist einen Hocheingang hatte). Das Feste Haus war oft in Steinbauweise (meist aus Feldsteinen) errichtet. Der wehrhafte Charakter zeigt sich unter anderem an den nur kleinen Fensteröffnungen oder Lichtschlitzen im Erdgeschoss. Die Obergeschosse konnten in Blockbau- oder Fachwerkbauweise oder ebenfalls in Stein ausgeführt sein. Es kommen aber auch komplette Holz-Lehmbauten auf Steinschwellen in Ständerbauweise vor. Da die erhaltene Bausubstanz oft nicht über die Grundmauern hinausgeht, ist eine genaue Rekonstruktion der frühmittelalterlichen Festen Häuser oft schwierig.

Häufig waren sie von einer Gräfte oder einem Trockengraben und/oder einer Palisade (manchmal auf Erdwällen) bzw. einer Feldsteinmauer umgeben. Sie besaßen dadurch einen (wenn auch meist nur bescheidenen) Verteidigungs- und Repräsentationswert, jedenfalls im Vergleich zu Bauernhäusern, die meist nur in Holz oder Holz-Lehm errichtet und nicht befestigt waren. Meist verfügten sie auch über einen nicht oder nur leicht befestigten Wirtschaftshof (Vorburg). Als Vorgänger der Bauform kann die frühmittelalterliche germanische Halle gelten, ein in Holzbauweise errichtetes Wohngebäude mit längsrechteckigem Grundriss, das manchmal auch zum Wohnstallhaus erweitert wurde, aus dem sich dann das bäuerliche Hallenhaus entwickelt hat. Das früh- und hochmittelalterliche Feste Haus hat sich, im Gegensatz zu anderen Formen der repräsentativen adligen Wohnarchitektur, somit aus einfachen Gebäuden entwickelt.

„Kastralmotte“ bei Doué-la-Fontaine

Die Festen Häuser des 10. und 11. Jahrhunderts waren oft Bestandteil einer Burganlage und bildeten ihren Kern, der häufig in späterer Zeit durch Umbauten und zusätzliche Gebäude ergänzt wurde. Ein Beispiel ist ein in karolingischer Zeit um 900 errichtetes Steinhaus in Doué-la-Fontaine (Département Maine-et-Loire, Frankreich), das nach einem Brand um 940 mindestens zweigeschossig aufgestockt wurde und dann um 1000 zusätzlich noch im bisherigen Erdgeschossbereich „eingemottet“, d. h. mit einem aufgeschütteten Erdhügel (Motte) umgeben wurde, der im ursprünglichen Eingangsbereich heute wieder abgetragen ist. An Beispielen wie diesem zeigt sich, dass durch spätere Aufstockungen eine Umwandlung in einen Wohnturm stattfinden konnte, sofern die Mauerstärke ausreichte. Der Wohnturm unterscheidet sich zunächst rein formal durch seine größere Höhe vom Festen Haus. Der Übergang zwischen den beiden Bauformen kann im Einzelfall fließend sein. Dies trifft auch für einige französische Donjons und englische Keeps zu, die mit ihrer gedrungenen Form nicht den vertikal betonten Charakter eines typischen Turmbaus haben.

Im 11. Jahrhundert gab es im Burgenbau ein Nebeneinander der beiden Bauformen Festes Haus und Wohnturm, beide fanden sich beispielsweise auch als Hauptgebäude auf den Motten der Zeit. Der bruchstückhafte Baubestand macht eine Zuordnung dabei oft schwer, zumal in dieser Zeit öfter auch Feste Häuser durch zusätzliche Geschosse zu Turmbauten aufgestockt wurden. Als Anschauung mag die Bachritterburg Kanzach dienen, die Rekonstruktion eines auf Steinsockel errichteten hölzernen Wohnturms des 13. Jahrhunderts, auf niedriger Motte mit Graben und Flechtzaun sowie durch Erdwall und Palisade leicht befestigtem Wirtschaftshof.

Ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts begann in Mitteleuropa eine neue Entwicklung in der Burgenarchitektur, bei der Wohn- und Wehrfunktion zunehmend voneinander getrennt wurden: Es entstand die Bauform des wehrhaften und üblicherweise unbewohnten Bergfrieds auf der einen Seite, und auf der anderen Seite der Palas oder ähnliche Saalbauten, die sich durch zahlreiche größere Fenster, Bauschmuck und höheren Wohnkomfort deutlich vom früheren Festen Haus unterschieden. Die Zusammenfassung und kompakte Konzentration von Wohn- und Wehrfunktion entsprach nicht mehr den Ansprüchen der adligen Burgherren dieser Zeit.

Burgmannenhöfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Burgmannshof.

Edelhöfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Edelhöfe sind ursprünglich mittelalterliche Rittersitze, meist des niederen Adels oder von Burgmannen (Analogie zum Burgmannenhof!), oft im Stile eines Festen Hauses befestigt mit einem Wassergraben – als kleine Wasserburg. Sie wurden innerhalb von Städten, in Dörfern oder als eigenständiges Anwesen außerhalb von Ortschaften errichtet. Meist waren sie bzw. ihre Eigentümer steuerlich befreit, mussten keine Frondienste leisten und waren rechtlich mit Sonderrechten oder eigener niederer Gerichtsbarkeit ausgestattet als sogenannter Freihof. Die Besitzer waren Adlige oder Edelfreie (davon leitet sich der Begriff Edelhof ab) die – auch innerhalb von Städten – nur der Gerichtsbarkeit ihres eigenen Lehnsherrn unterstanden.

Burgartige Edelhöfe sollen bereits in fränkischer Zeit errichtet worden sein und waren im Frühmittelalter offenbar sehr verbreitet. Der erhaltene „Edelhof“ in Großliebringen, auch als Wasserschloss bezeichnet, mit Fachwerkobergeschoss, einem vermauerten romanischen Fenster und teilweise erhaltenem Wassergraben gilt als die älteste erhaltene Wasserburg Thüringens. Mindestens bis ins 18. Jahrhundert war der Begriff „Edelhof“ auch für noch in der Neuzeit errichtete Herrenhäuser des Adels üblich.

Wehrhöfe mittelalterlicher Städte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

wasserburgartiger Wehrhof Kühhornshof (um 1860, vor dem Abriss), burgartige Anlage mit Wohnturm, Wassergraben und Zugbrücke, Frankfurt-Nordend, Hessen
Kühhornshof im Jahre 1855, Julius Hülsen nach C.T. Reiffenstein

Viele mittelalterliche Städte unterhielten sogenannte Wehrhöfe, wehrhafte Gehöfte, außerhalb des Stadtgebietes. Es handelte sich dabei teilweise um burgartige Anlagen, die mit Wällen, Trockengräben oder Wassergräben und Zugbrücke befestigt waren und meistens einen Wehrturm, Wohnturm oder Wartturm enthielten. Die Größe solcher Anlagen variierte offenbar von einem einzelnen Haus mit zugehörigem runden oder eckigen Wartturm bis hin zu einer burgartigen Anlage, die sich um einen Hof gruppierte, aus mehreren Gebäuden, Torhaus und massivem Wohnturm bestand und mit einem Wassergraben umgeben war. Ab dem 17. Jh. bis zum Ende des 19. Jh. wurden solche Bauwerke meist abgerissen, weswegen sie heute ein kaum erforschtes Gebiet mittelalterlicher Wehrbauten darstellen. Oft hat sich örtlich nur der Begriff Wehrhof umgangssprachlich erhalten. Oder es blieben nur einzelne Gebäude oder der Wartturm erhalten.

Die Wehrhöfe hatten zusammen mit den Warttürmen mehrere Funktionen:

  • als Signalstellen,
  • „Geleitburg“ zum Schutz der Reisenden und Händler,
  • Unterkunft für die Reisenden bei Nacht und Unwetter,
  • sowie Zollstelle.

Daher lagen die Wehrhöfe direkt oder in unmittelbarer Nähe der Handelsstraße, die zur Stadt führte. Der Wartturm kommunizierte direkt mit den Wachen auf der Stadtmauer/dem Türmer oder indirekt über andere Warttürme. Die Wehrhöfe waren manchmal Teil einer Landwehr, einem (Wasser-)Graben- und/oder Wallsystem, dessen Wälle oft mit dornigen Hecken bepflanzt waren. Die Landwehr schützte die Städte vor plötzlichen Überfallen der zur Stadt gehörenden Dörfer und verhinderte die Umgehung der städtischen Zollstellen zur Einnahme des Wegegeldes durch fahrende Kaufleute. Sie markierte oft auch die Grenze des zur Stadt gehörenden Gebietes. War der Wehrhof Teil einer städtischen Landwehr, so befand er sich in der Regel an dem der Stadt zugewandtem Ende der Landwehr. Hier konnte der Strom der vorbeiziehenden Reisenden effektiv kontrolliert, beschützt und beherbergt werden. Die Wehrhöfe aber auch einzelne Warttürme werden in den Urkunden vieler Städte als „Burgen“ bezeichnet.

Weiherhäuser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Weiherhaus im Wolfegger Hausbuch (um 1480)

Beim Weiherhaus (oft auch in der Verkleinerungsform als Weiherhäuschen bezeichnet) handelt es sich um einen kleinen, leicht befestigten Adels- oder Patriziersitz, der auf einer natürlichen oder künstlichen Insel in einem Weiher oder einem Teich zumeist im Spätmittelalter erbaut wurde. Der Zugang erfolgte über einen Steg mit Zugbrücke. Weiherhäuser gab es vor allem im süddeutschen Raum, in Nürnberg und seinen Vororten haben sich mehrere Weiherhäuser kaum verändert erhalten. Der Bautypus des Weiherhauses ist zu unterscheiden von der größeren und oft auch älteren Wasserburg.

Willibald Pirckheimer beschreibt im Jahre 1521 den Rittersitz Neunhof bei Nürnberg folgendermaßen: "Ferner erhebt sich auf einem höheren Hügel, der nach Norden zu liegt, ein herrliches Schloß, aus Steinquadern erbaut, mit vielen Gebäuden geziert, und überdies mit einem unüberwindlichen Graben und mit Schutzwehren auf eine ausgezeichnete Weise befestigt. Von hier an liegt die Aussicht so offen dar, daß man mit einem Blick die ganze Gegend überschauen kann." Er beschreibt also einen typischen Rittersitz des niederen Adels, eine Turmhügelburg oder ein Weiherhaus auf einem Hügel mit umlaufendem Wassergraben.[2]

Feste Häuser in der Frühen Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Renaissance-Wasserschloss Klaffenbach (eigentlich: Schloss Neukirchen), ab 1616, kleiner Adelssitz mit Wassergraben, Brücke und vorburgartigem Wirtschaftshof, Sachsen
barockes Holzhausenschlösschen mit Wassergraben, Frankfurt-Nordend, Hessen

Am Übergang vom Spätmittelalter in die Frühe Neuzeit verbreitete sich ein neuer Typus des Festen Hauses, der in der Funktion eines leicht bewehrten Adelssitzes im 16. und 17. Jahrhundert noch einmal eine neue Blüte erlebte.[3] Man begann, die ältere vielgliedrige Burg zu reduzieren, verschiedene Gebäude zusammenzufassen und die unterschiedlichen Gebäudefunktionen wieder unter einem Dach zu konzentrieren.[4] Feste Häuser erfüllten für Landadlige bei geringem Bauaufwand – im Vergleich zum größeren Schloss – die Anforderungen an Repräsentation und (wenn auch schwache) Befestigung, die sicher keinem militärischen Angriff mit Feuerwaffen standhalten, aber günstigstenfalls nächtliches Raubgesindel abhalten konnte.

Dieser Typus griff oft die Formensprache der mittelalterlichen Vorgängerbauten des Adels auf, etwa Wassergräben, Türme, Zierzinnen, dekorative Erkerchen, nachgeahmte Pechnasen, Ringmauern, Eckquader oder Quadermalereien, mit denen die Eigentümer auf ihren Adelsstand hinwiesen. Dieser wurde manchmal durch den Bau des Hauses auch erst begründet, so häufig bei den Tiroler Ansitzen, deren Neuerrichtung den landesherrlichen Rechtsakt der Steuerbefreiung bezweckte und die oft mit einer Nobilitierung des Bauherrn einschließlich Aufnahme in den Landtag einherging. Ähnlich mussten in Bayern und Österreich neu geschaffene Hofmarken und im nördlichen Deutschland landtagsfähige Rittergüter durch den Landesherrn genehmigt und von der Ritterschaft immatrikuliert werden.

Die Steinbauweise ist in dieser Zeit natürlich – anders als im Frühmittelalter – kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Die Befestigung erfolgte oft durch Schießscharten für Handfeuerwaffen im Erdgeschoss, einen Wassergraben sowie Wehrerker und Ecktürmchen (Tourellen oder Scharwachttürme) im Dachbereich. Für die Erschließung der Obergeschosse wurde in vielen Fällen ein Treppenturm errichtet. Die Hauptgeschosse waren mit größeren Fenstern ausgestattet und für die standesgemäßen Wohnansprüche des adligen Besitzers ausgelegt. Damit erfüllten die frühneuzeitlichen Festen Häuser freilich nicht die Funktion einer militärischen Befestigung, konnten aber gegen kleinere Überfälle verteidigt werden und entsprachen mit den manchmal auch eher symbolischen Wehrelementen der adligen Repräsentation. Oft erreichen die Festen Häuser durch mehrere Geschosse auch turmartige Proportionen. Die Kleinburg in Kestřany, Okres Písek, Tschechien, verfügte über einen in den Untergeschossen fensterlosen Turm, der vielleicht nur zu Wehr- und Lagerzwecken benutzt wurde. In Frankreich werden die entsprechenden Gebäude als maison forte oder manoir, im englischen Sprachraum als fortified manor house bezeichnet. Sie bildeten oft den Mittelpunkt eines Landgutes und übernahmen dann die Funktion eines Herrenhauses.

Beispiele Fester Häuser:

Grundmauern des "Festen Hauses Göltzsch" (Wasserburg des 13. Jh.) auf der Schlossinsel in Rodewisch, bedeutendste Ausgrabungsstätte eines Festen Hauses in Sachsen

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matthias Barth: Herrenhäuser und Landsitze in Brandenburg und Berlin. Bergstadtverlag, Würzburg 2008, ISBN 978-3-87057-292-1, S. 78.
  • Dieter Barz, Joachim Zeune: Das "Feste Haus". In: Burgen in Mitteleuropa. Ein Handbuch. Band I: Bauformen und Entwicklungen. Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1355-0.
  • Dieter Barz: Das „Feste Haus“ – ein früher Bautyp der Adelsburg. In: Burgen und Schlösser. Jg. 34, Nr. 1, 1993, S. 10–24.
  • Horst Wolfgang Böhme, Reinhard Friedrich, Barbara Schock-Werner (Hrsg.): Wörterbuch der Burgen, Schlösser und Festungen. Philipp Reclam, Stuttgart 2004, ISBN 3-15-010547-1, S. 123.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Horst Wolfgang Böhme u. a. (Hrsg.): Burgen in Mitteleuropa. Darmstadt 1999, S. 257.
  2. Ulrich Schütte: Das Schloss als Wehranlage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1994, S. 273
  3. Horst Wolfgang Böhme u. a. (Hrsg.): Wörterbuch der Burgen, Schlösser und Festungen. 2004, S. 123.
  4. Hans-Joachim Mrusek: Gestalt und Entwicklung der feudalen Eigenbefestigung im Mittelalter. Berlin 1973, S. 125.