REFLEX-Studie

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Die REFLEX-Studie ist ein von der Europäischen Union im Rahmen des Quality of Life and Management of Living Resources−Programms gefördertes und von der Stiftung für Verhalten und Umwelt, einer vom Verband der Cigarettenindustrie gegründeten Stiftung, durchgeführtes Projekt[1] zur Erforschung möglicher Schädigungen des Erbguts durch hochfrequente elektromagnetischer Felder (HF-EMF), wie sie beispielsweise bei der Mobilfunk-Technologie verwendet werden. Diese Studie wurde durchgeführt, da nach Ansicht der Autoren der Studie bei allen vorherigen epidemiologischen und tierexperimentellen Forschungen zu diesem Thema keine Klarheit erzielt werden konnte.[2]

Die Förderung lief bei der EU unter der Bezeichnung QLK4-CT-1999-01574, der Name REFLEX steht für „risk evaluation of potential environmental hazards from low energy electromagnetic field exposure using sensitive in vitro methods“. Die Forschungen wurden in den Jahren 2000–2004 von zwölf Forschergruppen (elf plus das Untersuchungs-führende Institut) aus sieben europäischen Ländern durchgeführt und waren mit Mitteln in Höhe von mehr als 2 Millionen Euro sowie weiteren zusammen rund 1 Million Euro von der Schweizer und der Finnischen Regierung sowie Eigenmitteln der Stiftung für Verhalten und Umwelt ausgestattet[1]. Diese Forschungen liefen im Rahmen des 5. Forschungsrahmenprogramms der EU-Kommission. Eine Nachfolgeuntersuchung eines bereits an den ersten Publikationen der Studie beteiligten Autors konnte die Ergebnisse bestätigen[3], während bei einer vom Humangenetiker Günter Speit geleiteten Wiederholung der Experimente die Ergebnisse nicht reproduziert werden konnten.[4]

Laut Medienberichten gilt die REFLEX-Studie hinsichtlich angeblich festgestellter Strangbrüche im Erbgut als ungültig, da Laborergebnisse offenbar bewusst gefälscht worden sind.[5] Die bewusste Fälschung konnten von zwei unabhängigen Gremien weder belegt noch widerlegt werden: Die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität stellte fest, dass „die Fälschungsvorwürfe nicht verifiziert werden“ konnten, die „Dokumentation der Originaldaten und deren Darstellung“ allerdings nicht der „wissenschaftlichen Praxis“ entsprächen.[4] Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der Rat für Wissenschaftsethik der Medizinischen Universität Wien am 13. August 2008 in seinem Endbericht, in dem die Vorwürfe mangelnder Sorgfalt bei der Dokumentation, der Darstellung der Originaldaten sowie methodischer Mängel (…Dies stellt eine wissenschaftlich nicht vertretbare Vorgangsweise dar…) aufrechterhalten wurden.[6]

Ergebnisse der Studie[Bearbeiten]

Laut der REFLEX-Studie sollen sowohl DCS 1800 als auch GSM 900 bereits unterhalb des gesetzlichen Grenzwertes von 2 W/kg Schädigungen an der Struktur und Funktion der menschlichen Gene verursachen können. Es sollen sowohl bei intermittierender als auch bei kontinuierlicher Exposition verstärkt Einzel- und Doppelstrangbrüche der DNA menschlicher Fibroblasten sowie HL60-Zellen und Granulosazellen von Ratten auf, aber nicht in menschlichen Lymphozyten aufgetreten sein. Ferner soll eine Zunahme von Mikrokernen und Chromosomenaberrationen in menschlichen Fibroblasten sowie Veränderungen der Genexpression in mehreren Zellarten, insbesondere in menschlichen Endothelzellen und embryonalen Stammzellen von Mäusen festgestellt worden sein. Ein bedeutsamer Anstieg der DNA-Strangbrüche war laut Studie in menschlichen Fibroblasten bereits bei dem SAR-Wert von 0,3 W/kg nachweisbar.[7]

Sonstiges[Bearbeiten]

Eine Forschergruppe wollte das Resümee des Projektkoordinators Franz Adlkofer nicht mittragen.[8]

Die Reflex-Studie hatte zunächst scheinbar gezeigt, dass bei extrem starken Feldern ein reproduzierbarer Zusammenhang zwischen alltäglicher elektromagnetischer Strahlung und Zellschädigungen bestehen kann.[1] Diese Laborergebnisse ließen, selbst wenn sie wahr gewesen wären, keinen Schluss auf Krankheiten zu, die durch derartige Strahlung hervorgerufen werden.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c EU-Projekte; REFLEX (Englisch, HTML; 33 KB) Archiviert vom Original am 29. September 2007. Abgerufen am 11. Februar 2010: „A project funded by the EU under the programme „Quality of Life and Management of Living Resources“, Key Action 4 „Environment and Health“: QLK4-CT-1999-01574“
  2. Franz Adlkofer:Ergebnisse aus dem REFLEX-Projekt. Vortrag beim 7. Workshop „Elektromagnetische Felder in der Umwelt“ (PDF; 621 kB); Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW, Düsseldorf; 2. Dezember 2004, S. 2
  3. Schwarz, C. et al., 2008, Radiofrequency electromagnetic fields (UMTS, 1.950 MHz) induce genotoxic effects in vitro in human fibroblasts but not in lymphocytes. Int. Arch Occup Environ Health 81(6), S. 755-767
  4. a b Stellungnahme der österreichischen Kommission für Wissenschaftliche Integrität vom 23. November 2010 (PDF; 289 kB); Abgerufen am 15. Februar 2013
  5. Der Spiegel Heft 22/2008 und Spiegel Online: Beim Tricksen ertappt
  6. Endbericht des Rat für Wissenschaftsethik der MUW vom 13. August 2008 (PDF; 219 kB)
  7. Wirkungen des Mobil- und Kommunikationsfunks, Broschürenreihe der Kompetenzinitiative zum Schutz von Mensch, Umwelt und Demokratie e. V., Heft 3, 2008, ISBN 978-3-9812598-1-0
  8. Neuer Zündstoff für Diskussion über Handy-Gefahr. Elektromagnetische Wellen mit Handy-Intensität verursachten DNA-Veränderungen / Daten einer in-vitro-Studie, Ärzte Zeitung, 29. Juni 2004
  9. Stellungnahme des BfS zur REFLEX-Studie (PDF; 118 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

  • Vortrag von Franz Adlkofer: Ergebnisse aus dem REFLEX-Projekt (PDF; 621 kB), Vortrag beim 7. Workshop „Elektromagnetische Felder in der Umwelt“; Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW, Düsseldorf; 2. Dezember 2004