RFA One

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RFA One
Typ leichte Trägerrakete
Land Deutschland Deutschland
Betreiber Rocket Factory Augsburg AG
Hersteller Rocket Factory Augsburg AG
Startkosten ca. 3 Millionen €[1]
Aufbau
Höhe 30 m[2]
Durchmesser 2 m
Stufen 3
Stufen
1. Stufe
Typ Flüssigkeitsraketentriebwerk
Triebwerk 9 × Helix
Treibstoff RP-1/LOX
2. Stufe
Typ Flüssigkeitsraketentriebwerk
Triebwerk 1 × Helix
Treibstoff RP-1/LOX
3. Stufe
Typ Flüssigkeitsraketentriebwerk
Triebwerk 1 × Orbital Stage Engine
Treibstoff nicht spezifizierter Flüssigtreibstoff
Starts
Status in Entwicklung
Erststart Juli 2023 (geplant)[3]
Startplatz Andøya Space Center
Raumfahrtzentrum Guayana
Nutzlastkapazität
Kapazität LEO 1600 kg (ISS-Orbit)
Kapazität GTO 450 kg[4]
Kapazität SSO 1300 kg (500-km-Orbit)
Kapazität Mond 150 kg

Die RFA One ist eine in Entwicklung befindliche, dreistufige Trägerrakete des deutschen Raumfahrtunternehmens Rocket Factory Augsburg.[5] Sie ist für den Transport von Klein- und Kleinstsatelliten in niedrige Erdumlaufbahnen vorgesehen. Ein erster Flug wurde für frühestens Juli 2023 angekündigt.[3]

Aufbau und Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prototyp der zweiten Raketenstufe der RFA One
Mock-up des geplanten Helix-Triebwerks der RFA One

Die RFA One ist als dreistufige Rakete geplant, die bis zu 1600 kg Nutzlast in eine erdnahe Umlaufbahn in einer Höhe von etwa 400 km bringen kann. Bei einer Zielhöhe von 700 km in der Polarbahn reduziert sich die Nutzlast auf 1200 kg und für die geostationäre Transferbahn ist eine Nutzlast von 450 kg vorgesehen.[6] Die Rakete soll etwa 30 Meter lang werden.[7]

Technologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Stufe soll von neun Triebwerken angetrieben werden, die jeweils eine Schubkraft von 100 kN aufweisen.[8] Die zweite Stufe nutzt eine fürs Vakuum modifizierte Variante desselben Triebwerks.[2] Als Treibstoff sollen RP-1 und flüssiger Sauerstoff dienen.[7] Die Triebwerke sollten ursprünglich nach dem Gas-Generator-Verfahren arbeiten;[9] im Laufe des Jahres 2020 wechselte man jedoch zu einem gestuften Verbrennungszyklus. Dabei wird der teilweise unverbrannte Treibstoff aus der ersten Brennkammer in die Hauptkammer geführt, was zu einem höheren Wirkungsgrad führt. Diese Triebwerkstechnologie kam bisher bei europäischen Raketen noch nicht zum Einsatz.[10] Verschiedene Komponenten des Triebwerks wie beispielsweise die Turbopumpe kauft RFA bei dem ukrainischen Unternehmen Juschmasch ein, um die Entwicklungszeit zu verkürzen.[11]

Die dritte Stufe, auch Orbitalstufe genannt, soll gleichzeitig als Orbital Transfer Vehicle (Raumschlepper) fungieren, das mehrere Satelliten im gewünschten Orbit platzieren kann. Da sich das Triebwerk des Raumschleppers wiederholt zünden lässt, ist dieser in der Lage innerhalb eines Flugs verschiedene Orbits zu erreichen. Das OTV wird ein bisher unspezifiziertes, nicht-hydrazin-basiertes Triebwerk nutzen.[2][1]

Im März 2021 führte RFA einen achtsekündigen Triebwerkstest durch,[12] im August einen kryogenen Drucktest[13] der ersten Stufe.[2] Mitte 2022 fanden in Kiruna (Schweden) erste Tests eines Helix-Triebwerks mit insgesamt 74 Sekunden Brenndauer statt.[14]

Zudem gewann RFA beim „Microlauncher-Wettbewerb“ der Deutschen Raumfahrtagentur 11 Millionen Euro.[15]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rakete soll in Serienproduktion gefertigt werden und möglichst viele Off-the-shelf-Komponenten enthalten, wodurch die Produktionskosten und somit die Startkosten sinken sollen. Zentrale Komponenten der Triebwerke der ersten beiden Stufen sollen 3D-gedruckt werden. Bei späteren Flügen soll die erste Stufe geborgen und wiederverwendet werden, dafür gibt es jedoch noch kein öffentliches Konzept.[2][1]

Hersteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rocket Factory Augsburg wurde 2018 gegründet.[16] Strategischer Investor ist das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB,[7] Finanzinvestor ist die Apollo Capital Partners GmbH aus München[17] (mit Hans Steiniger, Geschäftsführer von MT Aerospace,[18] als Managing Partner[19]).

Die Rocket Factory hat ihren Sitz in Augsburg. Sie erreichte im Juli 2020 die zweite Runde des Mikrolauncher-Wettbewerbs des DLR Raumfahrtmanagements.[20] Das Unternehmen hat ca. 100 Mitarbeiter aus 29 Ländern.[21]

Geplante Starts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Flug der RFA One soll 2023 vom norwegischen Andøya Spaceport mit einem ukrainischen Forschungssatelliten starten.[22][23] Weitere Starts sollen vom europäischen Raumfahrtzentrum Guayana aus stattfinden.[24] Im Gespräch sind auch Startplätze in der Nordsee[25][26] und auf den Azoren in Portugal.[7]

Zur Vermarktung der Rakete schloss RFA eine Vereinbarung mit dem deutschen Rideshare-Anbieter Exolaunch.[27] Die schwedische OHB-Niederlassung beauftragte RFA im März 2021 mit dem Start eines Satelliten im Jahr 2024.[28]

Alle unten genannten Termine ab dem zweiten geplanten Start sind veraltet, da die Entwicklung der Rakete sich verzögerte und der Erstflug entsprechend um mehr als ein halbes Jahr verschoben wurde.

Geplante Starts
Datum Startplatz Mission/Nutzlast/Auftraggeber Orbit Anmerkung
Juli 2023[3] Andøya LRS-Forschungssatellit LEO Erstflug[23]
Q3 2023 Neutron Star Systems - SUPREME LEO Rideshare-Mission[29]
Q4 2023 Plus Ultra - Harmony GTO Technologiedemonstrator[30]
2024 OHB
SENER Aeroespacial - E.T.PACK Technologiedemonstrator[31]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Rocket Factory Augsburg AG: German Microlauncher start-up Rocket Factory announces unrivalled low price of EUR 3 million per rocket launch. 12. Februar 2021, abgerufen am 16. November 2021 (englisch).
  2. a b c d e Adrian Beil: German startup Rocket Factory Augsburg successfully performs critical tests ahead of 2022 debut. In: NASASpaceFlight.com. 30. August 2021, abgerufen am 16. November 2021 (amerikanisches Englisch).
  3. a b c RFA One | Lunar Research Service Payload. Abgerufen am 17. November 2022 (englisch).
  4. LAUNCHER – Rocket Factory Augsburg. Abgerufen am 16. November 2021 (amerikanisches Englisch).
  5. Tim Janssen: Trägerraketen aus Augsburg. Hrsg.: Raumfahrt Concret. Nr. 112. Iniplu 2000, Neubrandenburg Juni 2020, S. 22–25.
  6. Informationen zur geplanten Rakete RFA One, abgerufen am 5. Oktober 2022.
  7. a b c d Dieter Sürig: Die Senkrechtstarter aus Augsburg. In: Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 12. August 2020.
  8. Rennen um das Weltall: Neuer Trend in der Raumfahrt: Die Billigrakete vom Fließband. Abgerufen am 12. August 2020.
  9. RFA-Präsentation zum Space Innovation Forum in Kiruna (PDF, 3 MB); 11. März oder 3. November 2020.
  10. https://www.linkedin.com/posts/rfa-space_rocket-factory-rfa-activity-6702548108070395904-5deP
  11. Stellungnahme der Rocket Factory Augsburg. golem.de, 8. März 2021.
  12. 8 Seconds Hot Fire Test - RFA, Video auf youtube.com
  13. Cryogenic Burst Test - RFA, Video auf youtube.com
  14. newsroom, newsroom: RFA Fires Helix Engine for 74 Seconds. In: SpaceQuip Journal. 15. August 2022, abgerufen am 26. Oktober 2022 (amerikanisches Englisch).
  15. DLR – Finale für den Mikrolauncher-Wettbewerb. Abgerufen am 26. Oktober 2022.
  16. Handelsregisterauszug von Rocket-Factory-Augsburg-GmbH aus Augsburg (HRB 32731). Abgerufen am 12. August 2020.
  17. Portfolio – Apollo Capital Partners. Abgerufen am 12. August 2020.
  18. Vorstand & Aufsichtsrat – MT Aerospace. Abgerufen am 12. August 2020.
  19. Profile – Apollo Capital Partners. Abgerufen am 12. August 2020.
  20. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Drei Raketen-Start-ups starten in die 2. Runde des deutschen Wettbewerbs für Mikrolauncher. Abgerufen am 12. August 2020.
  21. ABOUT – Rocket Factory Augsburg. Abgerufen am 16. November 2021 (amerikanisches Englisch).
  22. Rocket Factory Augsburg signs agreement with Andøya Space for maiden flight. OHB-Pressemeldung vom 28. September 2020.
  23. a b Maiden flight of RFA ONE to launch LRS´s mission. Abgerufen am 19. November 2021.
  24. German startup Rocket Factory Augsburg picks Norway for maiden flight of RFA One smallsat launcher. 1. Oktober 2020, abgerufen am 16. November 2021 (amerikanisches Englisch).
  25. Stefan Lakeband: Deutscher Weltraumbahnhof: Pläne für Raketenstarts in der Nordsee. In: Weser-Kurier. Abgerufen am 12. August 2020.
  26. Startseite – German Offshore Spaceport Alliance.
  27. Exolaunch Signs Agreement with Rocket Factory Augsburg to Supply Commercial Launch Services. Exolaunch, 14. August 2020, abgerufen am 2. Oktober 2020.
  28. OHB Sweden unterzeichnet Launch Service Vertrag mit Rocket Factory Augsburg. OHB-Pressemeldung vom 31. März 2021.
  29. Neutron Star Systems and RFA sign agreement for demonstrator mission – Rocket Factory Augsburg. Abgerufen am 22. Januar 2022 (amerikanisches Englisch).
  30. Plus Ultra Space Outpost and RFA sign agreement for GTO launch – Rocket Factory Augsburg. Abgerufen am 22. Januar 2022 (amerikanisches Englisch).
  31. Rocket Factory Augsburg and SENER Aeroespacial sign launch service agreement – Rocket Factory Augsburg. Abgerufen am 22. Januar 2022 (amerikanisches Englisch).