Radikalstarter

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Radikalstarter ist ist die Bezeichnung für eine bestimmte Gruppe chemischer Verbindungen, die für einige chemische Synthese von Nutzen sind. Es sind Initiatoren von radikalischen Reaktionen (siehe auch: Chemische Reaktion), die durch thermolytische (schon ab Raumtemperatur) oder photolytische Spaltung entstehen. Sie bilden also jene reaktionsfreudigen Radikale, welche die gewünschte radikalische Reaktion (z. B. Polymerisation) „starten“. Bevorzugte Starter sind Azoverbindungen und Peroxide. Besitzt der Radikalstarter eine Azogruppe (-N=N-), so wird dieser auch als Azostarter bezeichnet.[1]

Bekannte Radikalstarter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bildung der Radikale erfolgt durch homolytische Spaltung erfolgt an einer Heteroatom-Heteroatom-Bindung oder Heteroatom- bzw. Metall-Kohlenstoff-Bindung, nie an einer C-C-Bindung. Radikalstarter sind bei der Herstellung mehrerer wirtschaftlich bedeutender Kunststoffe (wie beispielsweise Polyvinylchlorid oder Polystyrol) unverzichtbar.

Azoisobutyronitril (AIBN)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Azobis(isobutyronitril) zerfällt in zwei Isobutyronitril-Radikale und ein Stickstoffmolekül:

AIBN Zerfall.svg

Dibenzoylperoxid (DBPO)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dibenzoylperoxid DBPO zerfällt in zwei Benzoyloxy-Radikale, wobei die Spaltung der Sauerstoff-Sauerstoff-Bindung thermolytisch oder photolytisch erfolgen kann:

Dibenzoylperoxide Reaction V.1.svg

Die Bildung von Benzoyloxy-Radikalen ist eine technisch wichtige Radikalstart-Reaktion bei der Herstellung von Polymeren.

Anorganische Peroxide[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anorganische Peroxide wie Peroxodisulfate zersetzen sich beim Erwärmen unter Bildung von Sulfatradikalen:

Zersetzung des Persulfations

Polystyrol kann beispielsweise durch Initiierung mit Peroxodisulfat hergestellt werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernd Grunwald, Karl-Heinz Scharf: Elemente Chemie. Unterrichtswerk für Gymnasien. Klett, Stuttgart 1998, ISBN 3-12-759900-5.