Rahel-Bildungsprojekt

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Das Rahel-Bildungsprojekt (engl.: Student Initiative Rahel (SIR)) des Instituts für Weltkirche und Mission der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt-Sachsenhausen unterstützt im Rahmen eines Stipendienprogramms Jugendliche – meist junge Frauen – in Adigrat im Norden von Äthiopien, die aus verschiedenen Gründen benachteiligt sind, und begleitet sie während ihres Studiums an einer Hochschule oder ihrer Ausbildung finanziell und ideell. Das Projekt wird im Wesentlichen von aktuellen und ehemaligen Studierenden der Hochschule getragen.[1] Als Non-Profit-Organisation wird es weitgehend durch Spendenaktionen finanziert.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Idee für das Bildungsprojekt entstand 2010 durch eine Forschungsreise zum Thema AIDS, die der damalige Leiter des Instituts für Weltkirche und Mission, Albert-Peter Rethmann, im Rahmen eines Forschungsprojektes der Deutschen Bischofskonferenz nach in Adigrat in der Region Tigray im Norden Äthiopiens unternahm. In dieser Region haben viele Jugendliche mangels familiären Rückhalts keinen Zugang zu höherer Bildung, viele sind AIDS-Waisen. Junge Frauen sind von dieser Situation durch Diskriminierung besonders betroffen. Eine Initiative des Adigrat Diocesan Catholic Secretariat (ADCS) des Bistums Adigrat unterstützte bereits zehn Jugendliche mit Mikro-Stipendien bei der Erlangung der Hochschulreife und mindestens einem Bachelor-Studium im eigenen Land. Eine der geförderten Studierenden war die AIDS-Waise Rahel Hailay.[3]

Das Ergebnis der aus der Reise resultierenden Überlegungen war eine im Zeitalter der Globalisierung als Gesamtprojekt international agierende Initiative von Studierenden für Studierende.[3][4][5]

Zielsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Projekt unterstützt durch die finanzielle Förderung der Mikro-Stipendien aus Gründen der Armut oder Geschlechtszugehörigkeit benachteiligte vorwiegend weibliche Jugendliche in dieser Region, denen der gleichberechtigte Zugang zur Bildung fehlt.[6] Die Stipendiaten werden während ihres Studiums bzw. ihrer Berufsausbildung begleitet. Namensgeberin ist Rahel Hailay, die durch das Projekt ein Studium der Biologie und Zoologie an den Universitäten in Aksum und Mekelle von 2009 bis 2014 absolvieren konnte.[7][8][9][10] Bis 2015 konnte die Ausbildung von 47 jungen Äthiopierinnen und Äthiopiern ermöglicht werden, gleichzeitig ist heute die Förderung von 40 jungen Menschen möglich. Neben der finanziellen Unterstützung liegt ein wichtiger Aspekt auch in der Förderung der Vernetzung der Stipendiaten untereinander und der Förderung ethischen Verhaltens in christlichem Sinne. Durch Frauen, denen durch dieses Projekt eine höhere Ausbildung ermöglicht wird, sollen wiederum andere auf die Idee gebracht werden, ebenfalls einen höheren Bildungsgrad zu erreichen.[11]

Diese Entwicklungszusammenarbeit soll den Geförderten die Freiheit geben, ohne materielle Not selbstbestimmt und eigenverantwortlich ihr Leben zu gestalten. Wichtig für eine nachhaltige Wirkung ist insbesondere die eigene Motivation der Betroffenen, die für sich selbst diese Entwicklung wollen. Zentral ist daher Förderung der Eigenständigkeit und Eigeninitiative der Stipendiaten im Sinne der katholischen Soziallehre. Die Initiative der Studierenden aus Deutschland kann für die Studierenden in Äthiopien als Vorbild funktionieren. Möglich ist, dass sich das Projekt in Zukunft zu einem äthiopischen Alumni-Projekt entwickelt, bei dem Absolventen, die sich in Arbeit befinden andere junge Menschen bei ihrer Ausbildung unterstützen.[12]

Als Nebeneffekt sind Ausbildungsprogramme wie das Rahel-Projekt mittel- bis langfristig auch ein Beitrag zur Bekämpfung von Fluchtursachen aus Gründen mangelhafter Bildung und daraus resultierender Armut.[13]

Finanzierung und Öffentlichkeitsarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Finanziert wird das Bildungsprojekt durch Spenden- und Standaktionen in der Öffentlichkeit, wie auf dem Frankfurter Stadtkirchenfest[14], Kollekten in katholischen Kirchengemeinden und der Meditationskirche Zentrum für christliche Meditation und Spiritualität des Bistums Limburg sowie Erlösen von Festveranstaltungen, wie dem Sommerfest der Hochschule St. Georgen[15] mit äthiopischer Kaffeezeremonie, durch Versteigerungen und andere Einnahmen. Daneben dienen diese Aktionen auch dem Knüpfen neuer Kontakte, der Information und dem Austausch über das Projekt.[2] Darüber existiert ein spezieller Verwendungszweck für das missio-Spendenkonto bei Überweisungen für das Rahel-Projekt.[11] Diese Aktionen werden auch durch das „Netzwerk Frankfurter Eine-Welt-Gruppen“ in Frankfurt am Main unterstützt.[16] Zu Aktionen der Öffentlichkeitsarbeit gehören neben dem Internet auch Medien wie das Radio Horeb.[17]

Das Rahel-Bildungsprojekt wird durch das Cusanuswerk, ein unter Aufsicht der katholischen Deutschen Bischofskonferenz stehendes Begabtenförderungswerk[18] und durch das Zentrum für christliche Meditation und Spiritualität des Bistums Limburg[19] gefördert.

Durchführung vor Ort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bistum Adigrat

Das Projekt wird in allen finanztechnischen Belangen wie der Kontoführung, der Übernahme der Verwaltungskosten oder dem Geldtransfer nach Äthiopien von den Päpstlichen Missionswerken missio unterstützt. In Äthiopien wird das Projekt vor Ort von dem Adigrat Diocesan Catholic Secretariat (ADCS) des Bistums Adigrat unter Schirmherrschaft des Diözesanbischofs Tesfay Medhin[20] im Rahmen des OVC-Projektes (OVC = „Orphans and Vulnerable Children“) betreut. Das OVC-Projekt ist in den Gebieten Adigrat und weiteren besonders von Armut betroffenen Gebieten tätig. Der Projektkoordinator des ADCS, Woldemariam Besirat, wählt die Stipendiaten aus[14] und organisiert im Rahmen persönlichkeitsbildender Jugendarbeit auch religionspädagogische Workshops auf Stipendiatentreffen mit eigenen und externen Dozenten zu Themen wie AIDS, den Folgen der Auswanderung als Flüchtlinge oder zu anderen medizinischen oder ethischen Themen. Neben der finanziellen Unterstützung sind somit die Förderung der Selbständigkeit, des Selbstbewusstseins und des Selbstwertgefühls, Förderung der Eigenverantwortlichkeit, des Verantwortungsbewusstseins und der Gemeinschaftsfähigkeit wichtige Aspekte der Arbeit des OVC-Projektes vor Ort.[3][11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Judith Breunig, Madeleine Helbig, Claudia Berg, Stefanie Matulla, Magdalena Strauch, Marita Wagner, Benedikt Winkler: Rahel - Ein Bildungsprojekt für Adigrat. Festschrift der Studierendeninitiative - Ein Blick durch die Zeit: 2010-2015. Institut für Weltkirche und Mission, Frankfurt am Main Juni 2015.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Judith Breunig, Madeleine Helbig, Claudia Berg, Stefanie Matulla, Magdalena Strauch, Marita Wagner, Benedikt Winkler: Rahel - Ein Bildungsprojekt für Adigrat. Festschrift der Studierendeninitiative - Ein Blick durch die Zeit: 2010-2015. Institut für Weltkirche und Mission, Frankfurt am Main Juni 2015.
  2. a b Stefanie Matulla: Aktionen: Wo kommt das Geld eigentlich her? In: Rahel - Ein Bildungsprojekt für Adigrat - Festschrift der Studierendeninitiative - Ein Blick durch die Zeit: 2010-2015. Institut für Weltkirche und Mission, Frankfurt am Main Juni 2015, S. 10–11.
  3. a b c Judith Breunig: Wie alles begann... oder: Im Anfang war ein Studientag. In: Rahel - Ein Bildungsprojekt für Adigrat - Festschrift der Studierendeninitiative - Ein Blick durch die Zeit: 2010-2015. Institut für Weltkirche und Mission, Frankfurt am Main Juni 2015, S. 8–9.
  4. Rahel – Ein Bildungsprojekt für Adigrat. In: Webseite des Rahel-Bildungsprojektes. Institut für Weltkirche und Mission - Rahel-Bildungsprojekt, abgerufen am 25. September 2016.
  5. Benedikt Winkler: Studentenprojekt 'Rahel' hilft äthiopischen Studenten. In: Online-Magazin kath.net. Rahel-Bildungsprojekt, 18. September 2011, abgerufen am 25. September 2016.
  6. Marita Wagner: Telefa – Die entführten Bräute Äthiopiens. In: Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland Katholisch.de. Abgerufen am 2. Oktober 2016.
  7. Rahel Hailay, Claudia Berg: Report on my life. So oft gesehen, so häufig gehört, doch wer ist Rahel wirklich? In: Rahel - Ein Bildungsprojekt für Adigrat - Festschrift der Studierendeninitiative - Ein Blick durch die Zeit: 2010-2015. Institut für Weltkirche und Mission, Adigrat/Frankfurt am Main 8. Dezember 2014, S. 31–33.
  8. Magdalena Strauch: Rahel – Ein Bildungsprojekt für Adigrat. In: Webseite der Online-Spenden-Plattform betterplace.org. Institut für Weltkirche und Mission - Rahel-Bildungsprojekt, abgerufen am 25. September 2016.
  9. BW Media Mission, Benedikt Winkler: Rahel - Ein Bildungsprojekt für Adigrat. In: YouTube-Kanal. Institut für Weltkirche und Mission - Rahel-Bildungsprojekt / IWM.TV, 6. April 2011, abgerufen am 25. September 2016.
  10. BW Media Mission, Benedikt Winkler: Ein Wiedersehen in Adigrat. In: YouTube-Kanal. Institut für Weltkirche und Mission - Rahel-Bildungsprojekt / IWM.TV, 21. Oktober 2014, abgerufen am 3. Oktober 2016.
  11. a b c Judith Breunig: Wie kommt das Geld nach Adigrat? - missio, unser Freund und Helfer. In: Rahel - Ein Bildungsprojekt für Adigrat - Festschrift der Studierendeninitiative - Ein Blick durch die Zeit: 2010-2015. Institut für Weltkirche und Mission, Frankfurt am Main Juni 2015, S. 12–13.
  12. Magdalena Strauch: Entwicklungszusammenarbeit. Ein Beitrag zur Entwicklung oder Schaffung neuer Abhängigkeitsverhältnisse. In: Rahel - Ein Bildungsprojekt für Adigrat - Festschrift der Studierendeninitiative - Ein Blick durch die Zeit: 2010-2015. Institut für Weltkirche und Mission, Frankfurt am Main Juni 2015, S. 40–41.
  13. Bekämpfung von Fluchtursachen. In: Webseite des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, abgerufen am 12. Oktober 2016.
  14. a b Jonas Göcke FR: Stadtkirchenfest Frankfurt - Mit dem Schiff zum Gottesdienst. In: FR-Online. 28-08-2016, abgerufen am 7. Oktober 2016.
  15. Redaktion FNP: Hochschule St. Georgen öffnet zum Sommerfest die Türen. In: fnp.de. 15. Juni 2013, abgerufen am 10. Oktober 2016.
  16. Doris Wiese-Gutheil: Netzwerk Frankfurter Eine-Welt-Gruppen. Kath. Stadtkirche Frankfurt des Bistums Limburg, abgerufen am 25. Oktober 2016.
  17. Internationale Christliche Rundfunkgemeinschaft (ICR) e.V.: Radio Horeb Tagesprogramm. In: Webseite Radio Horeb. 7. Dezember 2014, abgerufen am 3. Dezember 2016.
  18. Judith Breunig: Rahel - ein Bildungsprojekt für Adigrat, Äthiopien. In: Webseite der Initiative Teilen im Cusanuswerk e.V. Cusanuswerk, abgerufen am 7. Oktober 2016.
  19. Rahel-Team: Rechenschaftsbericht seit Start der Überweisungen. In: Rahel-Bildungsprojekt (Hrsg.): Rahel - Ein Bildungsprojekt für Adigrat - Festschrift der Studierendeninitiative – Ein Blick durch die Zeit: 2010–2015. Institut für Weltkirche und Mission, Frankfurt am Main Juni 2015, S. 16–17.
  20. Marita Wagner: Die 3. Reise nach Äthiopien. Klappe die Zweite: Ein aktueller Spendenfilm muss her. In: Rahel - Ein Bildungsprojekt für Adigrat - Festschrift der Studierendeninitiative - Ein Blick durch die Zeit: 2010-2015. Institut für Weltkirche und Mission, Frankfurt am Main Juni 2015, S. 34–37.

Koordinaten: 50° 5′ 55″ N, 8° 42′ 43″ O