Rahmentrommel

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Spielerin der orientalischen dāīre (dāyera). Der erkennbare Schellenkranz an der Innenseite macht die Rahmentrommel zur dāyera zangī. Ölmalerei aus Persien, 19. Jahrhundert.
Mari Boine mit einer Schamanentrommel der Samen (runebomme)

Eine Rahmentrommel ist eine Trommel mit einem flachen Rahmen, der meist einseitig, in seltenen Fällen beidseitig mit einem Fell bespannt ist. Nach der Definition der Hornbostel-Sachs-Systematik ist die Rahmenhöhe geringer als der Felldurchmesser. Dieses Merkmal der Bauform unterscheidet Rahmentrommeln von Zylindertrommeln. Der Rahmen ist meistens kreisrund, er kann auch rechteckig sein oder eine andere Form haben. Der Ton wird durch Schlagen mit der Hand, den Fingern oder einem Schlägel auf die Membran erzielt. Bei manchen dieser Membranophone sind zusätzlich zu den Idiophonen gehörende Schellen, Zimbeln, Glöckchen oder Metallringe wie bei einem Schellenring am Rahmen befestigt.

Herkunft und Verbreitung[Bearbeiten]

Zuweilen wird die Rahmentrommel als ältester Trommeltyp bezeichnet. Auf Darstellungen aus Mesopotamien ist sie im 3. Jahrtausend v. Chr. nachweisbar. Die frühen mesopotamischen Abbildungen zeigen Frauen, die eine zweifellige Rahmentrommel mit beiden Händen vor der Brust halten. Es handelte sich vermutlich um mit Körnern gefüllte kleine Rasseltrommeln. Sie könnten bei Fruchtbarkeitskulten verwendet worden sein, die für eine Muttergöttin abgehalten wurden. Man kann einfellige Rahmentrommeln auf mit Tierhaut bezogene Arbeitsgeräte (Rahmensiebe) zurückführen.

Sie ist fast überall auf der Welt zu finden, beispielsweise als Schamanentrommel in Nordeuropa, Sapmi („Lappland“), Asien und Nordamerika oder als mit den Fingern gespieltes Begleitinstrument im Orient: tar, bendir, riq, daf (duff), daire, mazhar, tamburello.

In der Bibel wird die meist von Frauen gespielte Rahmentrommel tof der alttestamentlichen Prophetin Mirjam erwähnt.

Nach Südamerika (pandeiro) gelangte sie durch die spanischen und portugiesischen Konquistadoren.

Die bajiao gu ist eine achteckige zweifellige Rahmentrommel, die in der chinesischen Musik zur Gesangsbegleitung verwendet wird.[1] In jeder Seite ist ein Zimbelpaar (tong bo) aus kleinen beweglichen Metallscheiben in einer Aussparung befestigt. Die acht Seiten sollen die Acht Banner symbolisieren.[2] Ebenfalls achteckig ist die einfellige ghera, die in der Volksmusik von Rajasthan mit einem Stöckchen geschlagen zur Gesangsbegleitung dient.[3]

Die Namensgebung der Rahmentrommeln ist uneinheitlich, da viele Namen nicht eindeutig einer bestimmten Variante zuzuordnen sind, sondern regional unterschiedliche Typen bezeichnen. Bendir kann eine spezielle Variante aus Marokko mit Schnarrsaiten bezeichnen. In Frankreich, Griechenland, der Türkei und anderen Ländern ist bendir der Oberbegriff für alle großen Rahmentrommeln ohne Schellen. Rahmentrommeln gehören zu den Dhikr-Zeremonien mancher Sufiorden.

Durch Musiker wie Glen Velez wurden die in diversen Kulturen vorhandenen Spieltechniken miteinander verknüpft und so die Rahmentrommel zu einem modernen, facettenreichen und in vielen musikalischen Stilen einsetzbaren Instrument weiterentwickelt. Damit verbunden ist die Entwicklung von Spannsystemen. Traditionell wurden Rahmentrommeln meist nur durch Erwärmen des Fells am Feuer gespannt. Später gab es verschiedene Entwicklungen mit Stimmschrauben. Die jüngste Entwicklung ist ein Stimmsystem mit Luftdruck.

Kleinere Rahmentrommeln mit Durchmessern um 25 cm haben in den letzten Jahrzehnten Eingang ins Orff-Schulwerk gefunden und sind seither in Grund- und Musikschulen weit verbreitet, sowie zunehmend auch in heimischen Kinderzimmern. Die Rahmentrommeln dieser Bauart werden sowohl mit der Hand als auch mit einem Schlägel gespielt.

Beispiele:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heide Nixdorff: Zur Typologie und Geschichte der Rahmentrommeln. (Baessler-Archiv. Beiträge zur Völkerkunde. Neue Folge, Beiheft 7) Dietrich Reimer, Berlin 1971

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bajiao gu. The Metropolitan Museum of Art (Abbildung)
  2. Martin Gimm: Shengguan tu („Tafel der Beamtenkarriere“), eine makkaronische Volksballade aus der mittleren Qing-Zeit. In: Oriens Extremus 44, 2003, S. 214 (Fußnote 18)
  3. Gallery of Musical Instruments. Sangeet Natak Akademi, Museum of Performing Arts, S. 17