Ralph Alt

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Ralph Alt, 2011

Ralph Alt (* 16. August 1947 in München)[1] ist ein ehemaliger Staatsanwalt und Richter.

Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alt war Oberstaatsanwalt und später Vorsitzender Richter der Schwurgerichtskammer am Landgericht München II.

Strafprozesse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John Demjanjuk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 30. November 2009 bis 12. Mai 2011 leitete er den Strafprozess gegen John Demjanjuk.[2]

Doppelmörder in Krailling[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2012 führte er den medial beachteten Prozess gegen einen Doppelmörder in Krailling, der seine beiden acht und elf Jahre alten Nichten heimtückisch und grausam aus Habgier ermordet hatte und auch die Ermordung deren Mutter plante, um an das Erbe zu gelangen.[3]

Manfred Genditzki[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem weiteren öffentlich diskutierten Prozess war Manfred Genditzki angeklagt, eine 87-jährige Rentnerin getötet zu haben. Die Strafkammer unter Vorsitz von Ralph Alt verurteilte ihn 2010 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Dieses Urteil wurde vom Bundesgerichtshof aber wegen eines Verstoßes gegen die richterliche Hinweispflicht bei Veränderung des rechtlichen Gesichtspunktes aufgehoben.[4] 2012 wurde Genditzki in jenem Fall von einer anderen Strafkammer des Landgerichts München II erneut zu lebenslanger Haft verurteilt; die Revision gegen dieses Urteil scheiterte am Bundesgerichtshof. Dieser Fall gilt als umstritten; einige Beobachter fordern ein Wiederaufnahmeverfahren.[5][6]

Schneeballsystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiterer von Alt bearbeiteter Fall von öffentlichem Interesse war ein 2008 abgeschlossener Prozess wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs in 27.861 Fällen gegen die vier Manager einer angeblichen Anlage-Firma, die durch in einem Schneeballsystem begangene Straftaten einen Schaden in Höhe von mehr als 50 Millionen Euro verursacht hatte.[7]

Schachfunktionär[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ralph Alt, 2011 bei den Deutschen Schachmeisterschaften in Bonn

Alt war bis Juni 2019 Bundesturnierdirektor und Vorsitzender der Bundesspielkommission des Deutschen Schachbunds. Nach seiner Amtszeit wurde er zum Ehrenmitglied ernannt.[8] Er ist Bundesrechtsberater und Ehrenmitglied des Bayerischen Schachbunds.[9]

Als Schachschiedsrichter ist Alt seit 1998 Träger des Titels Internationaler Schiedsrichter[10] und war unter anderem ein Senior Arbiter der Schacholympiade 2008[11] und einer von 113 Schiedsrichtern der Schacholympiade 2006.[12]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mitgliederdatenbank des Deutschen Schachbunds
  2. Angehörige ermordeter Juden verlangen Bestrafung von Demjanjuk Märkische Oderzeitung, 13. April 2011
  3. Der Doppelmörder von Krailling grinste beim Urteil. 16. April 2012, abgerufen am 16. April 2012
  4. BGH, 12. Januar 2011 - 1 StR 582/10 abgerufen am 5. Mai 2017
  5. Bundesgerichtshof weist Revision zurück ; in: Süddeutsche Zeitung Online vom 2. Oktober 2012. Abgerufen am 26. Mai 2016.
  6. Justizirrtum? - Profiler rollt den „Badewannen-Mord“ von Rottach wieder auf; in: Abendzeitung München vom 24. Juni 2015. Abgerufen am 26. Mai 2016.
  7. Lange Haftstrafen für die Millionen-Abzocker. in: tz Online vom 15. August 2008
  8. Wahlen beim Bundeskongress 2019, Schachbund.de, 3. Juni 2019
  9. schachbund-bayern.de: Präsidium des Bayerischen Schachbunds, abgerufen am 6. Juni 2019.
  10. Profileintrag beim Weltschachverband FIDE, abgerufen am 8. Juli 2015.
  11. Dagobert Kohlmeyer via chessbase.de: Olympiatraining. 20. April 2006, abgerufen am 4. Dezember 2010.
  12. chessbase.com: Interview mit Ralph Alt vom 27. November 2008, abgerufen am 3. August 2010.