Rathaus Treptow

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Rathaus Treptow
Rathaus Treptow, Juni 2014

Rathaus Treptow, Juni 2014

Daten
Ort Berlin-Plänterwald
Architekt Georg Süßenguth,
Heinrich Reinhardt
Bauherr Landgemeinde Treptow
Baustil Neorenaissance
Baujahr 1909–1910
Grundfläche 1761 m²
Koordinaten 52° 29′ 1″ N, 13° 28′ 47″ OKoordinaten: 52° 29′ 1″ N, 13° 28′ 47″ O
Besonderheiten
Putzbau im Neorenaissancestil mit hohem spitzen Dach und Uhrenturm

Das Rathaus Treptow befindet sich in der Neuen Krugallee 4 im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick, Ortsteil Plänterwald.

Das im Stil der Neorenaissance gehaltene Baudenkmal wurde von 1909 bis 1910 für die damalige Landgemeinde Treptow nach Entwürfen der Architekten Georg Süßenguth und Heinrich Reinhardt am Rande des Treptower Parks erbaut und umfasst eine Grundfläche von 1761 m².

Das Rathaus Treptow war von der Eingemeindung Treptows 1920 in Groß-Berlin bis zur Bezirksfusion mit Köpenick zum Bezirk Treptow-Köpenick am 1. Januar 2001 Sitz der Bezirksverwaltung und der Bezirksbürgermeister des Berliner Bezirkes Treptow.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Treptower Amtsgebäude von 1876
Hauptteil des Rathauses mit BVV-Saal im 2. Geschoss
Foyerbereich 1. Stock vor dem alten Bürgermeisterzimmer
Foyerbereich 2. Stock vor dem BVV-Saal
Innenaufnahme des BVV-Saals

Im Jahr 1876 wurde an der Neuen Krugallee 8 ein Amtsgebäude für die junge Landgemeinde Treptow errichtet, das sich heute noch direkt neben dem Rathaus befindet. Durch die steigende Einwohnerzahl, die sich von 1895 bis 1907 versechsfachte, wuchsen auch die Gemeindeaufgaben und damit die Zahl der Gemeindeangestellten. 1898 wurde das Gebäude um ein Stockwerk aufgestockt und eine Dienstwohnung des Bürgermeisters eingerichtet.

Im Jahr 1907 fasste die Gemeindevertretung den Beschluss für ein neues Rathausgebäude. Die architektonische Planung übernahm 1908 die in dem Bereich erfahrene Architektensozietät Süßenguth und Reinhardt.

Beide Charlottenburger Architekten zeichneten bereits im heutigen Gebietsumfang Berlins für den Bau des Rathauses Steglitz und Rathauses Charlottenburg verantwortlich und übernahmen danach das Rathaus Spandau. Darüber hinaus befindet sich in der Nähe im Ortsteil Baumschulenweg die Kirche zum Vaterhaus als ein weiteres Bauwerk. Das Baugelände gehörte zuvor dem Großbauer und Gastwirt August Weinhold, der an dieser Stelle ein Tanzlokal mit Biergarten betrieben hatte.

Die Planung sah ein dreigeschossiges Verwaltungsgebäude mit weiteren Räumen im Dachgeschoss vor. Im südlich angeordneten Seitenflügel befand sich eine Dienstwohnung des Bürgermeisters. Kernstück des Gebäudes sollte ein repräsentativer Ratssaal mit Balkon werden. Darüber wurde auf dem Dach ein Turm mit der Rathausuhr angeordnet.

Am 3. Oktober 1909 erfolgte durch den damaligen Bürgermeister Paul Schablow die Grundsteinlegung, am 26. Oktober 1910 nach nur einjähriger Bauzeit bereits die Einweihung des Rathauses Treptow. Die Baukosten betrugen ohne Architekten- und Bauleitungshonorare 736.000 Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 4 Millionen Euro). Für die Innenausstattung mussten nochmals 105.000 Mark aufgewendet werden.

Im Grundstein eingemauert wurden eine Urkunde mit der Ansprache Schablows, Verzeichnisse über die Mitglieder der Gemeindekörperschaften, die Ehrenbeamten, die besoldeten Beamten, die bei der Feier anwesenden Gäste sowie eine Sammlung von Ortsstatuten und Polizeiverordnungen, ein Plan von Treptow sowie je ein Stück des damals umlaufenden Geldes.

Ursprünglich war es vorgesehen den Haupteingang an die Westseite (zur heutigen Bulgarischen Straße hin) zu legen. Da sich jedoch zu diesem Zeitpunkt dort noch eine Straßenbahnwendeschleife befand, die sich nicht zeitnah verlegen ließ, wurde dieser an der Neuen Krugallee angesiedelt.

An jener Westseite befindet sich seit 1925 ein Brunnen mit der Figur Stralauer Fischer (auch Fischerbrunnen genannt) nach einem Entwurf von Reinhold Felderhoff.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Rathaus geringfügige Schäden insbesondere im Dachbereich.

Im Jahr 1995 war eine Erweiterung des Rathauses Treptow durch einen modernen Anbau zum Hof hin geplant. Die Umsetzung des bereits beschlossenen Entwurfs des Architektenbüros Lambea-Venzke-Voigt sollte 1996 mit 4500 m² Bürofläche und Kosten von rund 25 Millionen Mark begonnen werden. Dabei wäre der L-förmige Baukörper zu einem um den Rathaushof angeordneten Rechteck umgewandelt worden. Dies wurde nicht realisiert, weil zunächst eine Haushaltsnotlage der Stadt Berlin vorlag, anschließend vom Abgeordnetenhauses die Bezirksfusion beschlossen wurde, der Bezirk Treptow damit seine Eigenständigkeit verlor und kein eigenes Rathaus mehr benötigte. Durch die Verwaltungsreform sollten Kosten für Personal und Bauten der Bezirke gespart werden.

Vor dem Rathauseingang wurde 1998 die Skulptur Karpfenjule aufgestellt, die fiktive Figur einer Fischerin, die symbolisch den Bezirk Treptow verkörpern sollte. Mit ihr wurde im Vorfeld der Bezirksfusion ein Pendant zu dem vor dem Rathaus Köpenick als Skulptur stehenden Hauptmann von Köpenick versucht.

Im Jahr 2006 wurde der historische Bezirksverordnetensaal (Ratssaal) nach Unterlagen des Denkmalschutzes weitgehend rekonstruiert. Auf die Wiederherstellung der alten Deckenkonstruktion wurde dabei aus Kostengründen zugunsten der Lösung aus den 1950er Jahren verzichtet. Bis zum hundertjährigen Jubiläum des Rathauses Treptow sind weitere Rekonstruktionsarbeiten geplant.

Architektonische Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um einen Putzbau im Neorenaissancestil mit hohem spitzen Dach und einem Uhrenturm auf einem winkelförmigen Grundriss. Über dem Haupteingang symbolisieren allegorische Figuren des Bildhauers Johann M. Bossard die Bürgertugenden Fleiß, Gerechtigkeit, Starkmut (Stärke) und Weisheit. Pilasterschmuck und halbrunde Erker sollen der Fassade Vornehmheit und Würde verleihen. Der Haupteingang wird von Putten verziert, die ein Wappenmedaillon halten.

Den nördlichen Giebel ziert die (heute schwer lesbare) Inschrift:

„Herr segne dies Haus, schütz’ gnädig es vor Brand, Sturm, Wind und Wassernoth.
Lass lieber Gott die ganze Gemein’ in Gnaden dir befohlen sein.“

Rechts vom Haupteingang gehörte ein Ratskeller zum Souterrain, der seit 1991 nicht mehr als solcher genutzt wird.

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rathaus Treptow ist heute Sitz und Tagungsort der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Treptow-Köpenick und beheimatet Teile des Bezirksamtes, im Wesentlichen das Hochbauamt, das Umweltamt, die Dienstgebäudeverwaltung und die Kopfstellen der Bezirksstadträte für Bildung, Bürgerdienste und Sport sowie Umwelt, Grün und Immobilienwirtschaft.

Das repräsentative, frühere Bürgermeisterzimmer wird seit 2007 durch den Bezirksverordnetenvorsteher (derzeit: Siegfried Stock) wieder genutzt.

Darüber hinaus ist im Rathaus eine Galerie ansässig.

Bürgermeister im Rathaus Treptow[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Bis Name Partei
1921 1933 Julius Grunow USPD/SPD
1933 1945 Julius Koehne (NSDAP)
1945 1945 Paul May KPD
1945 1946 Paul Donner KPD/SED
1946 1948 Erwin G. Bennewitz SPD
1948 1951 Paul Ickert SED
1951 1952 Elfriede Dallmann NDPD
1952 1959 Paul Gräfe SED
1959 1961 Joachim Hoffmann SED
1961 1963 Walter Sack SED
1963 1965 Fritz Strutzke SED
1965 1967 Horst Stranz SED
1967 1974 Walter Sack SED
1974 1977 Franz Stengl SED
1977 1981 Günter Scheel SED
1981 1986 Günther Manow SED
1986 1989 Günter Polauke SED
1990 1998 Michael Brückner SPD
1998 2000 Siegfried Stock SPD

Seit der Bezirksfusion 2001 sind die Bezirksbürgermeister im Rathaus Köpenick ansässig.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]