Regenerative Landwirtschaft

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Als Regenerative Landwirtschaft wird eine Landwirtschaft bezeichnet, die die Regeneration des Bodens insbesondere des Bodenlebens (Mutterboden) und der Biodiversität in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen stellt. Damit wird zum Beispiel die Krümelstruktur und die Fähigkeit des Bodens zur Aufnahme und Speicherung von Wasser verbessert.[1][2]

Grundlegendes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regenerative Landwirtschaft integriert Ideen aus ökologischer Landwirtschaft, Permakultur, Agrarökologie, Agroforstwirtschaft und Renaturierungsökologie.[3] Sie stellt neben weiteren Zielen eine Form des Humus-Managements dar.[4]

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen empfiehlt diese Form der Landwirtschaft, die die Menschheit nachhaltig ernähren und dabei die unersetzliche Ressource Boden auch für die Zukunft erhalten kann.[5]

Als einer der Pioniere des Ansatzes gilt Robert Rodale (1930–1990), der das Konzept in den 1970ern in den USA verbreitete und das von seinem Vater gegründete Rodale Institute auf diesen Zweck ausrichtete.[6]

Der wissenschaftliche und praktisch landwirtschaftliche Ansatz wird in USA mit dem Slogan "Put the carbon back to soil!" umschrieben.(„Bring den Kohlenstoff zurück in den Boden!“) In Deutschland, wo die Methode seit 2014 zum Einsatz kommt, wird dieser Aspekt unter dem Schlagwort "Humusaufbau" diskutiert. Damit ist gemeint, dass der Boden so bewirtschaftet wird, dass der Humus-Anteil im Boden erhalten oder sogar gesteigert wird. Dies ist für eine langfristig stabile Bodenstruktur mit positivem Einfluss auf Pflanzenernährung und Pflanzengesundheit förderlich. In Deutschland werden derzeit etwa 50.000 Hektar[7] nach dem regenerativen Anbauverfahren bearbeitet. In Österreich, in der Ökoregion Kaindorf, wird der erfolgreiche Humusaufbau in Landwirtschaftsbetrieben dokumentiert.[8]

Eine wichtige Rolle im Regenerativen Ackerbau hat die flache Bodenbearbeitung mit Ackerfräse oder Schälpflug, die den dauergrünen Boden flach abschälen und somit eine Flächenrotte erzeugen.

Praktische Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dauerbegrünung des Ackers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtigstes Element des Regenerativen Ackerbaus sind durch Untersaaten und Zwischenfrüchte immergrüne Felder. Während auf einem brachliegenden Acker in der Zeit der Brache keine neue Biomasse entsteht, wird die Zeit in der Regenerativen Landwirtschaft genutzt, um durch Photosynthese weitere Biomasse aufzubauen und gleichzeitig weitere Wurzeln im Boden wachsen zu lassen. Die Optimierung der Fruchtfolge dient dazu, weiteres organisches Material als Nahrungsgrundlage für die Bodenorganismen bereitzustellen und so zur Humusbildung beizutragen. Auf diese Weise wird das ganze Jahr über die größtmögliche Masse organischer Substanz (Kohlenstoff) durch Photosynthese erzeugt und entweder geerntet oder dem Boden zugeführt.

Bodenbearbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gewachsene Struktur des Bodens soll möglichst wenig gestört werden. Dies dient dem Schutz der Bodenlebewesen, da diese als Garant für eine gute Bodenqualität angesehen werden. So erreichen etwa die Röhren tiefgrabender Regenwürmer bis zu drei Meter Tiefe. Die von Regenwürmern gegrabenen Röhren ermöglichen Versickerung und Auffüllung der Grundwasservorräte und dienen den Pflanzenwurzeln mit ihrer nährstoffreichen Wandauskleidung (Regenwurmlosung) als Leitschiene in tiefere wasserreiche Schichten. Die Wurzeln ihrerseits sind lebendes organisches Material, das in die Tiefe vordringt und so den Kohlenstoff in den Boden bringt. Stirbt die Wurzel ab, so dient sie den Bodenlebewesen als Nahrungsgrundlage und wird zu Humus. Daher erfolgt die Bodenbearbeitung nur flach mit Ackerfräse oder Schälpflug. Ziel ist es, die frische organische Masse an der Oberfläche mit der Erde zu mischen und damit die Flächenrotte in Gang zu bringen.

Begünstigung der Humusbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Rottelenker dienen Fermente. Es handelt sich hierbei um fermentierte Pflanzenteile aus Acker- und Gartenkräutern sowie den Triebspitzen verschiedener Sträucher. Die Fermente werden beim Einarbeiten des Grünmaterials mit einer Spritze ausgebracht. Weiterer Baustein des Regenerativen Ackerbaus ist der Kompost-Tee, ein Extrakt aus Kompostmaterial, Melasse und Wasser.[9]

Verbesserung der Durchwurzelung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es werden Pflanzensorten mit starker Durchwurzelung des Bodens genutzt (Tiefwurzler). Der Anbau und die Verwendung von Untersaaten dienen der vielfältigen Durchwurzelung und dem Erosionsschutz.

Agroforstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ergänzung der Ackerflächen mit Gehölzen oder Bäumen, dient dem Erosionsschutz, im Sommer zur Beschattung und zur Wasserspeicherung. Dabei gibt es verschiedene Systeme, bei denen auch die Tierhaltung ein grundlegender Bestandteil sein kann (Silvopastorale, silvoarable oder agrosilvopastorale Systeme).[10]

Carbon Farming[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Einbringen von Pflanzenkohle in den Boden kann unter Umständen die Bodenfruchtbarkeit verbessern. Die Praktikabilität ist jedoch für den Einzelfall zu klären und nicht immer sinnvoll. Zudem besteht weiterhin großer Forschungsbedarf bei den Wirkungen von Pflanzenkohle unterschiedlicher Herkunft (aus Holz, Klärschlamm etc.) im Boden.[11] Es gibt Hinweise darauf, dass Pflanzenkohle als Futtermittel positive Wirkungen auf Nutztiere haben kann.[12]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Olaf Christen, Victor Squires, Rattan Lal and Rober J. Hudson (Hrsg.): Interdisciplinary and Sustainability Issues in Food and Agriculture, Band II. S. 388.
  2. Frederick Büks: Wie wir unsere Äcker widerstandsfähig machen können. In: Klimareporter. 14. Januar 2021, abgerufen am 15. Januar 2021 (deutsch).
  3. Regenerative Agriculture. In: regeneration.org. Abgerufen am 25. Oktober 2021 (englisch).
  4. Humus in landwirtschaftlich genutzten Böden Deutschlands. Ausgewählte Ergebnisse der Bodenzustandserhebung (PDF; 11 MB). Johann Heinrich von Thünen-Institut und Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. November 2018, abgerufen am 10. Dezember 2018.
  5. Principles of CA | Conservation Agriculture | Food and Agriculture Organization of the United Nations. Abgerufen am 4. Dezember 2021.
  6. John Pesek: Historical Perspective. In: J. L. Hatfield, Douglas L. Karlen: Sustainable Agriculture Systems. CRC Press, 1993, ISBN 9781566700498, S. 9f.
  7. Jürgen Beckhoff: Regenerative Ackerbau. In: oekolandbau.de. 8. August 2018 (Online [abgerufen am 13. Januar 2021]).
  8. Ökoregion Kaindorf. Abgerufen am 13. August 2018.
  9. Kompost-Tee bringt das Leben zurück an die Wurzeln, auf kompost-tee.de
  10. Arten von Agroforstsystemen. In: Agroforst. Abgerufen am 16. Januar 2022 (deutsch).
  11. Annika Drews-Shambroom: Die Verwendung von Pflanzenkohle im Ackerbau als Bestandteil einer regenerativen Landwirtschaft in Deutschland. Leuphana Universität Lüneburg 22. Mai 2018, S. 164 (PDF).
  12. Dana Carina Schubert: Auswirkungen von Pflanzenkohle als Mischfutterkomponente für Mastferkel und Endmasteber im Hinblick auf Nährstoffverdaulichkeit, Leistungsparameter und Ebergeruch. Hrsg.: Tierärztliche Hochschule Hannover. 2021, S. 99 (PDF).