Reggane

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رقان
ⵔⴻⴳⴳⴰⵏ
Reggane
Reggane (Algerien)
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Koordinaten 26° 42′ N, 0° 10′ OKoordinaten: 26° 42′ N, 0° 10′ O
Lage in der Provinz Adrar
Lage in der Provinz Adrar
Basisdaten
Staat Algerien

Provinz

Adrar
Höhe 217 m
Fläche 124.298 km²
Einwohner 20.402 (2008[1])
Dichte 0,2 Ew./km²
Reggane (2014)
Reggane (2014)

Reggane (arabisch رقان Riqqān; tamazight ⵔⴻⴳⴳⴰⵏ) ist eine Stadt in der Provinz Adrar in der algerischen Sahara.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reggane liegt an der Nationalstraße 6, einer wichtigen Nord-Süd-Route und Verbindung nach Mali. Der Abschnitt südlich von Reggane bis nach Gao wird auch als Tanezrouftpiste bezeichnet. Die Nationalstraße 52 verbindet Reggane mit In Salah. Reggane besitzt außerdem einen Flugplatz mit ICAO-Code DAAN. [2]

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reggane hat ein heißes Wüstenklima mit langen, extrem heißen Sommern und kurzen, sehr warmen Winter. Mit nur 10 mm Niederschlag pro Jahr und einer Durchschnittstemperatur von 28,3 °C gehört Reggane zu den trockensten und heißesten Orten der Sahara. Beides ist Folge der mit 217 m üNN geringen Höhenlage der Stadt. Von der einheimischen Bevölkerung wird das von den drei Städten Adrar, In Salah und Reggane markierte Gebiet wegen der besonders hohen Temperaturen als "Feuerdreieck" bezeichnet.

Militärische Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raketentestbasis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1961 bis 1965 benutzte das französische Centre interarmées d’essais d’engins spéciaux (CIEES) das Plateau Reggane östlich von Reggane (26° 41′ 51″ N, 0° 16′ 17″ O) als Basis für Raketentests.[3][4]

Oberirdische Kernwaffenversuche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa 50 km südwestlich von Reggane beziehungsweise 20 km südlich des Ortes Hamoudia befand sich bis 1965 bei 26° 21′ N, 0° 8′ W ein französisches Kernwaffentestgelände (CSEM - Centre Saharien des Expérimentations Militaires). Dort führte Frankreich am 13. Februar 1960 seinen ersten Kernwaffentest mit einer 70-kT-Atombombe durch, die den Namen Gerboise bleue (nach einer in der Region vorkommenden Springmaus) trug und etwa 4-mal so stark wie die Hiroshima-Bombe war. Am 1. April 1960, 27. Dezember 1960 und 25. April 1961 erfolgten auf dem Gelände drei weitere oberirdische Atombombentests mit jeweils weniger als 5 kT.

Die Sahara im Umkreis von 300 km südwestlich bis 300 km östlich von Hamoudia war seinerzeit praktisch menschenleer. Alle vier Explosionswolken wehten in diese Richtungen.

Mit dem Versuch und seinen Wirkungen beschäftigt sich der 2009 veröffentlichte Dokumentarfilm Gerboise bleue von Djamel Ouahab.[5]

Manöver im Explosionsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie 2010 bekannt wurde [6], hat die französische Armee im Anschluss an den letzten Versuch am 25. April 1961 einen Trupp von 300 Soldaten wissentlich radioaktiver Strahlung ausgesetzt.[7] Bei diesem Versuch sollten laut dem einschlägigen Militärbericht die „physiologischen und psychologischen Wirkungen der Atomwaffe auf den Menschen“ untersucht werden, um die „nötigen Elemente für die physische Vorbereitung und moralische Ausbildung des modernen Kämpfers zu erhalten.“ Zu diesem Zweck mussten sich die Männer bis auf 700 Meter dem Explosionsort nähern. Viele von ihnen leiden bis heute an der Verstrahlung und sind an Krebs erkrankt. (siehe auch Entschädigung von Opfern von Atombombentests)

Heutiger Zustand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Wunsch Algeriens untersuchte die IAEA das Gelände und stellte in einem Bericht von 2005 fest, dass aufgrund der sehr schwachen restlichen Radioaktivität keine Maßnahmen nötig seien. Nur wenn es zu größeren Aktivitäten in der Gegend komme, solle der Zutritt zu den vier Explosionsorten untersagt werden.[8]

Unterirdische Kernwaffenversuche bei In Ekker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im CEMO - Centre d'Expérimentations Militaires des Oasis erfolgten insgesamt 13 unterirdische Tests zwischen dem 7. November 1961 und dem 16. Februar 1966 im Massiv Tan Affela bei In Ekker im Hoggar bei 24° 3′ N, 5° 3′ O bzw. ca. 150 km nördlich Tamanrasset neben der Straße N 1. Beim zweiten Test Béryl hielt der Verschluss des Teststollens nicht stand. Es kam zu einem Ausstoß von radioaktivem Gas und Staub, der in östlicher Richtung geweht wurde. Vom Fallout wurden nach Angaben des französischen Verteidigungsministeriums maximal 230 Menschen betroffen, ohne dass unmittelbar medizinische Folgen festgestellt wurden. Andererseits scheinen eine Reihe von mit dem Test befasster Personen Spätfolgen erlitten zu haben, die Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen in Frankreich waren. Die unmittelbare Umgebung des Teststollens scheint noch stark kontaminiert und nicht wirksam abgeschlossen zu sein.[9]

Nutzung nach der algerischen Unabhängigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Verträgen von Évian vom März 1962, mit denen Algerien die Unabhängigkeit erlangte, wurde Frankreich gestattet, die Testeinrichtungen für Raketen und Kernwaffen noch fünf Jahre zu nutzen.

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohnerzahlen 2008 (Office National des Statistiques). (französisch) (PDF; 83 kB)
  2. ourairports.com
  3. Encyclopedia Astronautica: Reggane (englisch)
  4. Jean-Jacques Serra: The CIEES (Inter-arms Special Weapons Test Center) (englisch)
  5. Informationen zum Film auf imdb.de
  6. durch einen Artikel der Zeitung Le Parisien (16. Februar 2010): Quand les appelés du contingent servaient de cobayes
  7. „Soldaten für Atomtests missbraucht“, Bericht des orf vom 17. Februar 2010
  8. Bericht des fr. Verteidigungsministeriums, in französisch (Memento vom 25. September 2007 im Internet Archive)
  9. Bruno Barrillot: French Nuclear Tests in the Sahara, Science for Democratic Action, April 2008 (PDF)