Regierungsviertel (Berlin)

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Blick auf das Berliner Regierungsviertel, 2016

Als Berliner Regierungsviertel bezeichnet man das Gebiet, in dem die wichtigsten Institutionen der Exekutive (Bundesregierung) sowie der Legislative (Deutscher Bundestag) ihren Hauptsitz haben. Im Kern des „politischen Zentrums“ der Hauptstadt liegen das Reichstagsgebäude, in dem der Deutsche Bundestag seinen Sitz hat, und das Band des Bundes im Spreebogen mit Bundeskanzleramt sowie den Abgeordnetenbüros und Sitzungssälen des Bundestages im Paul-Löbe-Haus und im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Regierungsviertel liegt in den Berliner Ortsteilen Tiergarten und Mitte. Dem aktuell für parlamentarische und Regierungszwecke genutzten Territorium liegt keine einheitliche administrative oder geografische Abgrenzung zugrunde. Es erstreckt sich

In diesem Gebiet – östlich und westlich der Wilhelmstraße – liegen die Mehrzahl aller Berliner Haupt- und Nebensitze der deutschen Bundesministerien, Bundesrat und Bundestag einschließlich der Abgeordnetenbüros und der Verwaltung, aber auch ausländische Botschaften, Medienbüros, Wirtschaftsverbände und andere Interessensvertretungen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Regierungsviertel hat sich in dieser Form nach der deutschen Wiedervereinigung zum Ende der 1990er Jahre herausgebildet. Ursprünglich war es vorgesehen, Parlaments- und Regierungsbauten vorwiegend in Neubauten in zwei Gebieten im Spreebogen nördlich des Reichstages sowie auf der Spreeinsel zu konzentrieren. Das Bundeskabinett hatte einen entsprechenden Standortbeschluss im Dezember 1992 gefasst;[1] das Land Berlin wies im Juni 1993 in der Entwicklungsmaßnahme „Hauptstadt Berlin – Parlaments- und Regierungsviertel“[2] zwei entsprechende Gebiete aus.[3] Aus finanziellen Gründen konnte diese Planung nicht aufrechterhalten werden. Der Beschluss, die Kosten des Regierungsumzugs auf ein Volumen von 20 Milliarden Mark zu begrenzen, machte es erforderlich, anstelle von Neubauten für die Regierungsbauten mehrheitlich auf den vorhandenen Baubestand zurückzugreifen.[4] Das heutige Regierungsviertel knüpft damit geografisch und in der Nutzung des Gebäudebestands auch baulich an die Berliner Regierungsviertel sowohl der DDR als auch des Deutschen Reichs an.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hagen Eying, Alexander Kluy, Gina Siegel (Redaktion): Demokratie als Bauherr. Die Bauten des Bundes in Berlin 1991 bis 2000. Hrsg.: Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen. 1. Auflage. Junius Verlag, Hamburg 2000, ISBN 3-88506-290-9.
  • Kaspar Kraemer: Ästhetik des politischen Raumes. Selbstverständnis des Staates im Spiegel der öffentlichen Bauten. In: Otto Depenheuer (Hrsg.): Staat und Schönheit. Möglichkeiten und Perspektiven einer Staatskalokagathie. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005, ISBN 3-531-14768-4, S. 75–87, besonders S. 85–87.
  • Joannah Caborn: Schleichende Wende – Diskurse von Nation und Erinnerung bei der Konstituierung der Berliner Republik. Unrast, Münster 2006, ISBN 3-89771-739-5, Kapitel: Die Staatsarchitektur in Bonn und Berlin. S. 155–211.
  • Klaus von Beyme: Hauptstadtplanung von Bonn bis Berlin. In: Wilhelm Hofmann (Hrsg.): Stadt als Erfahrungsraum der Politik. Beiträge zur kulturellen Konstruktion urbaner Politik. Lit, Berlin 2011, ISBN 978-3-643-10734-3, S. 13–33.
  • Hauptstadt Berlin – Parlaments- und Regierungsviertel – 20 Jahre Entwicklungsmaßnahme, Berlin 2013, DSK, 111 Seiten, ISBN 978-3-00-042350-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ein kapitaler Selbstbetrug. In: Der Spiegel, 5/1993, S. 44–59.
  2. Entwicklungsmaßnahme Hauptstadt Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Berlin 1993 (PDF; 1,6 MB).
  3. Der Entwicklungsbereich wird ausgewiesen, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Berlin.
  4. BMVI, Hauptstadtbeschluss vom 20. Juni 1991, abgerufen am 13. März 2017