Reliefkarte

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Reliefkarte der Sierra Nevada

Eine Reliefkarte ist eine topografische Karte, die das Relief, die dreidimensionale Gestalt der Erdoberfläche in einer zweidimensionalen Darstellung wiedergibt. Bei dieser Art der Kartengestaltung soll eine plastisch wirkende Anschaulichkeit erreicht werden.

In der Geschichte der Kartografie wurde das Problem der Höhendarstellung mit verschiedenen Methoden zu lösen versucht. Bei frühen Karten wie beispielsweise der Tabula Peutingeriana nahm man, um Erhebungen darzustellen, haufenartige Signaturen zu Hilfe.[1] Erst mit den Fortschritten in Geometrie und Kartografie der frühen Neuzeit entwickelte sich auch die Höhendarstellung weiter – unter anderem mit der Schattenplastik. Die noch nicht oder nur unzureichend vermessenen Höhenverhältnisse suchte man zeichnerisch durch annähernde Schattengebung abzubilden.[2] Im 19. Jahrhundert wurden vor allem Schraffen zur anschaulicheren Geländedarstellung verwendet. In den Schulatlanten wurde ab Ende des 19. Jahrhunderts die physische Karte mit Regionalfarben eingeführt.

In den klassischen Landkarten der Kartografie erfolgt die Geländedarstellung dagegen in Höhenlinien, seit Anfang des 20. Jahrhunderts meist ergänzt um eine Schummerung zur Andeutung der relativen Höhenunterschiede. Höhenlinien allein vermitteln dem ungeschulten Betrachter nur wenig die Plastizität der dargestellten Oberflächen. Auf der anderen Seite können Reliefdarstellungen auf Karten zu Vorstellungen führen, die stark vom Gegenstand abweichen.[2]

Plattentektonische Reliefkarte der Erde

Die Bezeichnung Reliefkarte wird im Schulwesen für das Relief betreffende Schulkarten unterschiedlicher Formen und Typen verwandt:

  1. Allgemein-geographische Karten und andere topographische Grundkarten mit betonter und sehr plastisch wirkender Reliefdarstellung (z. B. Haack-Peuckert-Manier, Wenschow-Karten, Schweizer Manier).
  2. Thematische Karten zum Relief (z. B. Relieftypenkarten, Höhenschichtenkarten, morphografische Karten).
  3. Kartografische Reliefs (Hochreliefkarten): In dieser kartenverwandten Darstellung wird die Höhenstruktur eines Gebiets maßstäblich verkleinert aber dreidimensional und in den meisten Fällen überhöht umgesetzt. Verwendete Flächenfarben können Höhenschichten, Vegetation, Bodennutzung oder andere Aspekte veranschaulichen. Zur begrifflichen Abgrenzung von den zweidimensionalen Darstellungen (1. und 2.) wird es mitunter auch als plastische Karte bezeichnet. Derartige Modelle der Erdoberfläche wurden außerhalb der Pädagogik bis ins 20. Jahrhundert ebenfalls als Reliefkarte bezeichnet.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Egon Breetz: Die Reliefdarstellung auf allgemein-geographischen und ausgewählten thematischen Karten für den Geographieunterricht. Potsdamer Forschungen, Reihe C, Heft 12, PH Potsdam 1973.
  • Max Eckert: Die Kartenwissenschaft. Forschungen und Grundlagen zu einer Kartographie als Wissenschaft. Band 1, Walter de Gruyter & Co, Berlin / Leipzig 1921, S. 406: Das Tasten und Suchen nach einer Geländedarstellung im Mittelalter. S. 490 ff.: Die Hochbildkarten. Die Schweizer Reliefkarten oder die Karten in Schweizer Manier. (archive.org).
  • Hans Mirus: Plastische Karten für den Erdkundeunterricht. In: Zt. f. d. Erdkundeunterr., H. 8/9/1966, S. 314–323.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ueber die Darstellung der vertikalen Bodengestaltung auf Karten und Plänen. In: Deutsche Bauzeitung. Berlin 1883, Nr. 1/2, S. 7 – Digitalisat (PDF 9,6 MB, abgerufen am 16. Januar 2013)
  2. a b Franz Heiderich: Schattenplastik und Farbenplastik. In: Mitteilungen der kaiserlich-königlichen geographischen Gesellschaft. XLII, Wien 1899, S. 19 f., Besprechung von Karl Peuckers Kartographische Studien I 1898 (Textarchiv – Internet Archive).
  3. Meyers Großes Konversations-Lexikon. Bei Zeno.org.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]