Rennenkampff (Adelsgeschlecht)

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Wappen von 1602
Wappen von 1728

Rennenkampff ist der Name eines europäischen Adelsgeschlechts.

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geschlecht besteht aus der älteren Palloperschen Linie von Rennenkampff und der jüngeren Helmetschen Linie Edler von Rennenkampff. Die Reichsadelsbestätigung und Reichsritterstand mit „Edler v.“ erfolgte durch Kaiser Karl VI. in Wien am 20. Dezember 1728 (für Georg Rennenkampf, auf Helmet, Livland, Kais. russ. Landgerichts-Assessor in Pernau). Die ältere Linie beruft sich auf das Adelsdiplom von Kaiser Rudolf II. aus dem Jahr 1602 und bedient sich des „Edler v.“ nicht. Zweige der Familie bestehen bis heute.

Allgemein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familie wurde wie folgt in den Ritterschaften immatrikuliert: In der Livländischen Ritterschaft am 27. März 1745 sub Nr. 160 - rückwirkend zum Jahr 1714, in der Estländischen am 3. Juli 1752 sub Nr. 273 Klasse II, in der Kurländischen sub Nr. 251 zum 5. März 1801 für den livländischen Landrat Paul Reinhold v. R. auf Kalzenau usw., Livland, und Kuckschen, Kurland, und in der Oeselschen sub Nr. 73 zum 8. Dezember 1845 für Georg Edler v. R. auf Laimjall, bzw. den Landwirt in Werder Woldemar Edler v. R. a.d.H. Sastama bzw. 1896 für Heinrich v. R. a.d.H. Pantifer. Die Aufnahme in den preußischen und reichsdeutschen Adel erfolgte zu Potsdam, Neues Palais, am 2. Februar 1909 durch Seine Majestät Kaiser Wilhelm II. für Karl Otto Woldemar Magnus Ritter und Edler v. Rennenkampff und dessen Bruder Eduard Ernst Ritter und Edler v. Rennenkampff aus dem Haus Sastama.

Das Geschlecht derer v. Rennenkampff ist in seinen sämtlichen Zweigen überwiegend evangelisch-lutherisch, d. h. alt-lutherischen oder augsburgischen Bekenntnisses. Eine Ausnahme hiervon sind das Haus Alexandrowka, der Professor Woldemar Edler v. Rennenkampff (Selgs) und seine Nachkommen, die Familie des Generals Paul Edler v. Rennenkampff (Konofer) und des Geheimrats Nicolaus Edler v. Rennenkampff (Kosch) und einzelne Mitglieder der Familie, die infolge Ehe mit Russen bzw. Russinnen sich zum griechischen, katholischen oder orthodoxen Glauben bekennen.

Militärdienste nahmen die Rennenkampffs in österreichischen, französischen, holländischen, preußischen, polnischen, schwedischen und vorherrschend natürlich russischen Armeen und Marinen und brachten es zu höchsten Rängen und erhielten viele hohe Auszeichnungen (vier Ritter des preußischen Ordens „Pour le mérite“)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geschlecht stammt aus dem Stift Münster in Westfalen und erscheint zuerst mit Johann Remenkampe aus Ventrup bzw. Telgte im Amt Wolbeck 1491 urkundl., u. mit Joachim Renenkamp, Ältermann des Schneideramtes in Riga, 1519 urkundl. Während die Stammreihe mit Jürgen, urkundl. 1563-1602, 1612 tot, Tuch- u. Detailhändler in Riga, beginnt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familien v. Rennenkampff führen nach dem Diplom vom 20. Dezember 1728 folgendes Wappen: „Ein von grün und rot quer geteiltes Schild, dessen oberer Teil zur rechten ein gelb oder goldfarben zum Grimme geneigter Löwe mit rot ausgeschlagener Zunge und aufgewundenem Schwanz mit den Pranken ein blosses Schwert, dessen Gefäß oder Kreuz gelb oder goldfarben, aufrecht haltend bis auf die Hälfte hervorragend zeigt. Zur linken Seite aber ein weiß oder silberfarben, gegen den Löwen zum Streit gerichteter Greif mit erhobenen Flügeln, rot ausgeschlagener Zunge, in den Pranken ein Messer, dessen Schachten gelb oder goldfarben, aufrecht haltend bis auf die Hälfte zu ersehen ist. Über dem Schild erscheinen zwei gegeneinanderstehende, blauangelaufene, mit anhängenden Kleinodien gezierte freyoffene adelige Turnierhelme, zur rechten mit grün und gelb oder golden, zur linken Seite mit grün und weiß oder silbernen vermischten herabhängenden Helmdecken. Jeder Helm mit gelben oder goldfarbenen königlichen Kronen geziert, aus deren rechte Seite der im Schilde beschriebene Löwe bis auf die Hälfte, auf dem linken Helm und Krone auch der ebenfalls im Schilde beschriebene weiß oder silberfarbene Greif bis an die Hälfte hervorgeht.“

Güterbesitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 18. Jahrhundert sind 20 Güter mit einer Gesamtfläche von rund 94.000 Hektar nachweisbar. Der größte Besitz Kalzenau umfasste etwa 15.000 Hektar. Im 19. Jahrhundert gehörten der Familie 33 Güter mit rund 97.000 Hektar, Borkholm mit etwa 12.000 Hektar als größter Besitz. Anfang des 20. Jahrhunderts, d. h. bis zur Enteignung 1919, besaß die Familie in Estland 21 Güter mit 44.000 Hektar und zwei Güter, Samarka und Scheremetjewa, mit etwa 25.000 Hektar beiderseits der Newa zwischen St. Petersburg und dem Ladogasee.

Das Geschlecht besaß in Livland vorübergehend die Güter Schloss Helmet mit Wrangelshoff, Palloper, Duckershof, Fölck, Wollust, Kiddijerw, Walguta, Alt- und Neu Kalzenau, Klein- und Groß Kamby mit Maydellshof, Uelzen, Felix, Waimastfer mit Tirmast, Moiseküll, Kürbelshof, Jexi mit Pallawa, Warbus, Alt- und Neu Pigast, Karstemois, Kokenberg, Neu-Kusthof und Loeweküll. In Estland gehörten zeitweilig folgende Güter in den Besitz der Familie: Kono, Konofer, Kosch, Finn und Selgs, zur Zeit der Güterenteignung verlor sie einen bedeutenden Grundbesitz in den Gütern: Pantifer, Schloss Borkholm, Tammik, Wack, Schloss Wesenberg, Jerwajöggi, Paenküll, Gr. Ruhde, Tuttomäggi, Sastama, Layküll, Moisama, Fersenau und Raeküll.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Edler v. Rennenkampff, 1854–1918, deutsch-baltischer Offizier, erhielt zu Beginn des Ersten Weltkrieges das Kommando über die 1. Russische Armee, die zur Invasion Ostpreußens bestimmt war. Generaladjutant von Zar Nikolaus II.
  • Constantin Edler v. Rennenkampff, 1826–1896, Wirklicher Geheimrat, Staatssekretär im Innenministeriums, Direktor der höchsteigenen Kanzlei Sr. Majestät Alexander III., Mitglied des Staatsrats, Ritter aller hohen russischen Orden einschließlich des Alexander Newski Ordens mit Brillanten.
  • Alexander Edler v. Rennenkampff, 1783–1854, Kaiserlich russischer Rittmeister, Major der Kavallerie, Hofrat, später großherzoglicher holstein-oldenburgischer Oberkammerherr im Range eines Vizeoberhofmeisters, 1836 Ritter des griechischen „Erlöser Ordens“, Gründer des Naturhistorischen Museums in Oldenburg, seit 1802 Freimaurer (1842-1849 Meister vom Stuhl in der Loge „Zum goldnen Hirsch“), Schriftsteller.
  • Alexander Reinhold Edler von Rennenkampff, 1787–1869, Mitglied des Corps Curonia Heidelberg, livländischer Gutsbesitzer der Güter Kürbelshof, Alt-Pigant und Uelzen sowie Landrat.
  • Gustav Edler v. Rennenkampff, 1784–1869, Oberstleutnant, Kirchspielsrichter der Kirchspiele Helmet, Tarwast und Paistel bis 1817, 1818-1826 Mitglied der Kommission zur Einführung der neuen Bauernverordnung, 1826 Kollegienassessor, 1826 Ritter des St. Wladimir Ordens, 1827-1836 Rat in der Oberdirektion der Livländischen Adeligen Güter Kredit-Sozietät, 1828 Direktor der Literärisch praktischen Bürger-Verbindung, 1836 Adelsdeputierter des Kreises Pernau-Fellin, 1847 zum Landrat gewählt, 1833 Mitgründer und 1834-1836 Schatzmeister der Gesellschaft für Geschichte und Alterthümer in Riga, seit 1818 Erbherr auf Schloss Helmet.
  • Paul Edler v. Rennenkampff, 1790–1857, Russischer Generalmajor, 1813 „Pour le mérite“ Orden, 1814 mit dem Orden „Legion d´Honneur“ [Kreuz der Ehrenlegion] ausgezeichnet, 1828 Inhaber des „Goldenen Degen für Tapferkeit“, 1829 vom persischen Schah mit dem Orden „Löwe und Sonne“ 1. Klasse mit Diamanten geehrt, 1831 Ritter des St. Annen Ordens 1. Klasse, 1835 mit dem preußischen Orden „Roter Adler“ mit Stern, dem österreichischen Orden „Eiserne Krone“ 1. Klasse, 1836 dem dänischen „Dannebrog“ Orden 1. Klasse und 1856 mit dem „Weißen Adler“ Orden mit Schwertern ausgezeichnet.
  • Joachim Rennenkampff, 1616–1658, Dr. jur. utr. Nach Beendigung seiner Studien wurde Joachim Lehrer der Rechte am Gymnasium zu Riga und am 27. November 1645 Professor iuris prudentiae und der politica am Rigischen Stadt-Gymnasium. Im Jahre 1657 war Joachim Ratsherr und Oberbauherr, Gerichtsvogt, Assessor des Consistoriums, Inspektor der Ratskanzlei, der Ratsdruckerei, der Stadt-Bibliothek, des Stadt-Gymnasiums und der Ratsapotheke.
  • Nikolai Karlowitsch Rennenkampff, 1832–1899, Dr. jur. Wirklicher Staatsrat, Rechtsanwalt, Verdienter Professor, von 1875 bis 1879 Bürgermeister von Kiew und von 1883 bis 1890 Rektor der St. Wladimir-Universität Kiew.

Einzelnachweis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Baltische Ahnen- und Stammtafeln, Sonderheft 33/ Band I. Herausgegeben im Auftrag der: Deutsch-Baltischen Genealogischen Gesellschaft e. V., Darmstadt 2004
  • Baltisches historisches Ortslexikon. Teil 1. Estland (einschließlich Nordlivland). Köln, Wien 1985
  • Baltisches historisches Ortslexikon. Teil 2. Lettland (Südlivland und Kurland). Köln, Wien 1990

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Genealogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften, Teil Livland, Band II, Seiten 776-785
  • Genealogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften, Teil Estland, Band III, Seiten 192-212
  • Genealogisches Handbuch der Oeselschen Ritterschaft, 1935, Seiten 308-314
  • Genealogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften, Teil Kurland, Band II, Seiten 689-695
  • Genealogisches Handbuch der Baltischen Ritterschaften. (Neue Folge), Band III, Hamburg 2013, Seiten 351–461