Kiew

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Dieser Artikel befasst sich mit der Hauptstadt der Ukraine. Andere Bedeutungen siehe Kiew (Begriffsklärung).
Kiew
(Київ/Kyjiw)
Wappen von Kiew Kiew in der Ukraine
Basisdaten
Oblast: Stadt Kiew
Rajon: Kreisfreie Stadt
Höhe: 179 m
Fläche: 839 km²
Einwohner: 2.868.700 (2014)
Bevölkerungsdichte: 3.419 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 01xxx-04xxx
Vorwahl: +380 44
Geographische Lage: 50° 27′ N, 30° 30′ O50.4530.5179Koordinaten: 50° 27′ 0″ N, 30° 30′ 0″ O
KOATUU: 8000000000
Verwaltungsgliederung: 10 Rajone
Bürgermeister: Halyna Hereha
Adresse: Вул. Хрещатик 36
01044 м. Київ
Website: http://kievcity.gov.ua/
Statistische Informationen
Kiew (Ukraine)
Kiew
Kiew
i1

Kiew (ukrainisch Київ/Kyjiw [ˈkɪjiu̯]; russisch Киев/Kijew) ist die Hauptstadt und größte Stadt der Ukraine sowie Verwaltungssitz der Oblast Kiew, der sie jedoch nicht angehört. Sie liegt am bis hierhin für kleinere Seeschiffe befahrbaren Dnepr und hat etwa 2,85 Millionen Einwohner im Stadtgebiet (2013),[1] die Agglomeration umfasst etwa 4,07 Millionen Einwohner (Stand 12. November 2011).

Kiew gilt als wichtiger Bildungs- und Industriestandort und bildet darüber hinaus den wichtigsten Verkehrsknotenpunkt des Landes. Aufgrund ihrer historischen Bedeutung als Mittelpunkt der Kiewer Rus trägt die Stadt oft den Beinamen Mutter aller russischen Städte. Wegen der vielen Kirchen und Klöster und seiner Bedeutung für die orthodoxe Christenheit wird Kiew seit dem Mittelalter außerdem als Jerusalem des Ostens bezeichnet. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt Kiew die Auszeichnung einer Heldenstadt.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Nach der offiziellen Volkszählung in der Ukraine lebten im Jahr 2001 in Kiew etwa 82.2 % Ukrainer und 13.1 % Russen, wobei Menschen gemischter russisch-ukrainischer Herkunft als Ukrainer gezählt wurden. Daneben gibt es noch kleine Minderheiten anderer Nationalitäten und Volksgruppen (Weißrussen, Polen, Armenier, Juden und andere).


Demografische Entwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung in den vergangenen tausend Jahren:

Quellen: 1897:[3], 1939,1961:[4], 1970:[5], 1979-2012:[6]

Sprache[Bearbeiten]

Die Sprachensituation Kiews hat sich im Laufe der Geschichte mehrfach radikal verändert. Heute ist Kiew eine zweisprachige Stadt, in der sowohl Ukrainisch als auch Russisch verbreitet sind.

Zur Zeit der Kiewer Rus wurde in der Stadt das Altostslawische gesprochen, aus dem sich das heutige Ukrainisch (sowie das Russische) entwickelten. Unter dem Einfluss Polen-Litauens hielt die polnische Sprache spätestens ab dem 16. Jahrhundert Einzug in Kiew und wurde noch Anfang des 19. Jahrhunderts von einem großen Teil der Kiewer Stadtbevölkerung gesprochen[7]. Bereits im 17. Jahrhundert wurde Kiew jedoch Teil des Russischen Reichs, parallel dazu wurde das Russische von staatlicher Seite eingeführt, das allmählich zur dominierenden Sprache Kiews avancierte. Mit Ausnahme einiger kurzer Unterbrechungen wurde auch in der Sowjetunion das Russische gegenüber dem Ukrainischen bevorzugt und das Ukrainische immer weiter verdrängt. In den 1980er Jahren war Kiew fast ausschließlich russischsprachig.

Nach dem Fall der Sowjetunion und seit der Unabhängigkeit der Ukraine ist jedoch wieder eine Tendenz zum Ukrainischen erkennbar, da es zunehmend die Unterrichtssprache in den Schulen ist und viele Ukrainer, die ihre Eigenständigkeit gegenüber Russland betonen möchten, nun die ukrainische Sprache bevorzugen. Im alltäglichen Gebrauch dominiert in Kiew aber weiterhin das Russische.

Bei einer öffentlichen Befragung 2005 haben insgesamt 64 % der Kiewer Ukrainisch und 34 % Russisch als ihre Muttersprache genannt.[8] Diese Zahlen sind jedoch nur bedingt aussagekräftig und geben nur teilweise Aufschluss über die im Alltag bevorzugte Sprache, da viele Ukrainer unter dem Begriff Muttersprache einfach nur ihre nationale Sprache verstehen und nicht Muttersprache im linguistischen Sinn.

Eine Studie aus demselben Jahr, mit anderer Fragestellung, ergab für Kiew davon abweichende Zahlen.[9] Dabei erklärten 41,2 % der Befragten, sowohl Russisch als auch Ukrainisch im Alltag zu nutzen, 39,9 % der Befragten bedienten sich ausschließlich des Russischen und 18,1 % sprachen in der Regel nur Ukrainisch.

Religion[Bearbeiten]

Kiew ist Sitz eines kanonischen russisch-orthodoxen Metropoliten und eines nicht kanonischen ukrainisch-orthodoxen Patriarchen. Die Kiewer Sophienkathedrale ist die zweitälteste ostslawische Kathedrale nach der Verklärungskathedrale in Tschernihiw. Der Großerzbischof der mit der römisch-katholischen Kirche unierten griechisch-katholischen Kirche hat 2005 seinen Sitz von Lwiw nach Kiew verlegt. Auf dem Kiewer Stadtwappen ist der Patron von Kiew Erzengel Michael abgebildet. In Kiew gibt es eine jüdische Minderheit. Dort befindet sich auch das Islamische Institut und die Geistliche Verwaltung der Muslime in der Ukraine.

Geografie[Bearbeiten]

Topografie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt zu beiden Seiten des breiten Dnepr, der nach Süden dem Schwarzen Meer entgegen fließt. Das rechte, westliche Flussufer mit dem historischen Stadtzentrum ist von zahlreichen, ursprünglich bewaldeten, kleinen Hügeln des Prydniprovska Hochlands geprägt. Ein ständiges Auf und Ab sowie Kastanienbäume sind typisch für die Kiewer Innenstadt. Die Hügel fallen hier steil zum Fluss ab. Weiter im Norden – im Stadtteil Podil – besteht aber ein flacher und breiter, bebauter Uferstreifen.

Das linke, östliche Flussufer wurde erst im 20. Jahrhundert erschlossen. Im Gegensatz zur gegenüberliegenden Seite ist es flach und von Waldsteppe geprägt. Hier finden sich auch zahlreiche Seen. Der Dnepr verzweigt sich im Stadtgebiet in zahlreiche Wasserläufe. Die Truchaniw-Insel und weitere größere Inseln, die kaum bebaut wurden, dienen als Naherholungsgebiete.

Klima[Bearbeiten]

Kiew liegt im nördlichen Teil der Ukraine. Die Sommer sind warm mit Durchschnittstemperaturen von 19,3 bis 25,3 °C in den Monaten Juni, Juli und August. Die kältesten Monate sind Dezember, Januar und Februar mit Durchschnittstemperaturen von −4,6 bis −1,1 °C. Am 31. Juli 1936 wurde die Rekordhöchsttemperatur von 39,4 °C gemessen. Die tiefste gemessene Temperatur war −32,2 °C am 9. Februar 1929. Kiew war üblicherweise von Mitte November bis Ende März mit Schnee bedeckt, wobei dies in den letzten Jahren rückläufig ist.

Kiew
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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-8
 
 
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51
 
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0
 
 
52
 
0
-5
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: Ukrainian Hydrometeorological Center, Daten: 1961–1990[10]; wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Kiew
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −2,6 −1,1 4,3 13,6 20,5 23,5 24,5 24,0 19,1 12,3 4,8 0,1 Ø 12
Min. Temperatur (°C) −8,2 −6,8 −2,1 4,8 10,7 13,8 15,1 14,4 10,0 4,8 0,0 −4,6 Ø 4,4
Niederschlag (mm) 47,7 46,0 38,9 48,3 52,5 72,5 88,0 69,2 46,7 35,1 51,3 51,7 Σ 647,9
Sonnenstunden (h/d) 1,4 2,3 3,6 5,4 8,3 9,1 9,3 8,1 6,3 4,0 1,7 1,0 Ø 5,1
Regentage (d) 16,7 14,2 12,9 11,6 11,8 13,1 13,3 10,8 10,2 9,9 14,8 17,4 Σ 156,7
Luftfeuchtigkeit (%) 87 85 79 67 59 62 63 67 70 77 87 89 Ø 74,3
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
−2,6
−8,2
−1,1
−6,8
4,3
−2,1
13,6
4,8
20,5
10,7
23,5
13,8
24,5
15,1
24,0
14,4
19,1
10,0
12,3
4,8
4,8
0,0
0,1
−4,6
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
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47,7
46,0
38,9
48,3
52,5
72,5
88,0
69,2
46,7
35,1
51,3
51,7
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Ukrainian Hydrometeorological Center, Daten: 1961–1990[10]; wetterkontor.de

Geschichte[Bearbeiten]

Von der Gründung bis zum Mittelalter[Bearbeiten]

Denkmal für die Kiewer Stadtgründer Kyj, Schtschek, Choriw und Lybiddie

Laut Nestorchronik wurde Kiew von den drei Brüdern Kyj, Schtschek und Choriw sowie ihrer Schwester Lybid aus dem Stamm der Poljanen gegründet, die auf drei Anhöhen Dörfer bauten. Sie errichteten noch eine Festung, die sie nach dem ältesten Bruder benannten („Kiew“ = ‚Stadt von Kyj‘, ukrainisch: Kyjiw). Dies soll spätestens am Anfang des 6. Jahrhunderts geschehen sein, da der Name des ostslawischen Fürsten Kyj in dieser Zeit in byzantinischen Chroniken erwähnt wurde.

Einigen westlichen, aber auch einigen ukrainischen Historikern (Kevin Alan Brook, Omeljan Pritsak) zufolge soll Kiew stattdessen um 840 von muslimischen Söldnern im chasarischen Heer als chasarische Garnison im Poljanenland gegründet worden sein, der Name der Stadt sei wie diese Söldner ostiranischen Ursprungs. Erst um 930 sollen Slawen und Waräger die Stadt erobert haben.[11] Diese Theorie widerspricht jedoch Biografien warägischer Herrscher aus dieser Periode.

Die Stadt hatte eine strategische Lage am Handelsweg von den Warägern zu den Griechen. Mitte des 9. Jahrhunderts herrschten in ihr die warägischen Fürsten Askold und Dir, bevor sie von Ruriks Feldherrn Oleg von Nowgorod 882 getötet wurden. Dieser vereinigte den gesamten Herrschaftsbereich der Waräger (Rus) entlang des Handelsweges und machte Kiew zur fürstlichen Residenz der Kiewer Rus. 988 initiierte der Großfürst Wladimir I. den Übertritt der bis dahin heidnischen Kiewer Rus zum orthodoxen Christentum byzantinischer Prägung. Dieser Akt war durch eine Massentaufe der Kiewer im Dnepr und den Sturz der alten Götzen in den Fluss gekennzeichnet. Unter Wladimirs Sohn Jaroslaw dem Weisen wurde Kiew stark ausgebaut. Neben zahlreichen neuen Kirchen und Klöstern wurde hier die erste ostslawische Bibliothek gegründet. Die aktive Heiratspolitik und der Ausbau der Stadt machte sie in ganz Europa bekannt. Damit erreichte Kiew im 11. und 12. Jahrhundert den Höhepunkt seiner Entwicklung und wurde mit etwa 50.000 Einwohnern eine der größten Städte Europas. Nach dem Tod Jaroslaws begannen Erbfolgekämpfe, die sich auf die Stadt negativ auswirkten und zu wiederholten Eroberungen und Zerstörungen führten. So wurde Kiew 1169 durch Fürst Andrei Bogoljubski von Wladimir-Susdal erobert. Statt sich dort niederzulassen, nahm er den bis dahin an Kiew gebundenen Großfürstentitel mit nach Norden in seine Residenz bei Wladimir. Damit setzte sich der Zerfall des Kiewer Reichs fort. Dass Kiew nicht mehr Sitz des Großfürsten war, bedeutete noch nicht den Untergang der Stadt, da die Metropoliten noch bis Ende des 13. Jahrhunderts in Kiew residierten.

1240 wurde Kiew im Zuge der mongolischen Invasion der Rus nach fast zehnwöchiger Belagerung von den Truppen Batu Khans erobert. Fast alle Einwohner wurden getötet und nahezu alle Gebäude niedergebrannt. Es wurde berichtet, dass von der großen und dichtbesiedelten Stadt nur noch 200 Häuser gestanden haben sollen. Nach einer erneuten Vernichtung der Stadt verließ der griechische Metropolit 1299 Kiew und zog nach Wladimir. 1320/65 kam Kiew infolge der Schlacht am Irpen an Litauen und 1569 wurde es zu einer polnisch-litauischen Provinzhauptstadt (Woiwodschaft Kiew).

Vom 16. Jahrhundert bis 1920[Bearbeiten]

Denkmal für den Kosakenhetman Bohdan Chmelnyzkyj, den Anführer des großen Aufstandes gegen die polnische Herrschaft

Nach der 1596 erfolgten Kirchenunion von Brest wurde Kiew zum Schauplatz eines konfessionellen Kampfes zwischen den Katholiken bzw. den Unierten einerseits und den Orthodoxen andererseits, die eine oktroyierte Unterordnung unter den Papst ablehnten. Nach dem 1648 begonnenen Chmelnyzkyj-Aufstand und dem ukrainisch-russischen Bündnisschluss von Perejaslaw 1654 wurde die Stadt russisch. In der Folgezeit erlebte die Orthodoxie hier eine Wiedergeburt; zahlreiche Bauwerke wurden erneuert und Schulen gegründet. Im Juli 1811 wütete ein Großbrand im Kiewer Stadtteil Podil, der nahezu das gesamte Stadtviertel vernichtete.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Kiew, als Teil des russischen Reichs, ein wichtiges Handels-, Verkehrs- und Industriezentrum. Um 1900 hatte die Stadt etwa 250.000 Einwohner; die Einwohnerzahl stieg in den nächsten Jahren jedoch weiter massiv an. Im Jahre 1911 wurde in Kiew der russische Ministerpräsident Pjotr Stolypin von einem Anarchisten erschossen. Nach der Russischen Revolution und während der deutschen Besatzung am Ende des Ersten Weltkriegs entstanden hier die kurzlebigen ukrainischen Nationalstaaten: Ukrainische Volksrepublik und Ukrainischer Staat.

Kiew wird Hauptstadt der Ukrainischen Sowjetrepublik[Bearbeiten]

Das ukrainische Parlament, Werchowna Rada, in Kiew

Ab 1920 war Kiew sowjetisch. 1934 wurde die Stadt an Stelle von Charkow Hauptstadt der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik (SSR). Im Verlauf der 1930er Jahre wurden in Kiew viele historische Bauten von den sowjetischen Behörden vernichtet.

Kiew im Zweiten Weltkrieg

Vor dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion zählte die Stadt 350.000 Juden, von denen die meisten rechtzeitig vor dem Einmarsch der Wehrmacht fliehen konnten, so dass beim Einmarsch im September 1941 nur noch 30 % der Juden in der Stadt (ca. 100.000 Juden) lebten. Während der deutschen Okkupation im Deutsch-Sowjetischen Krieg, vom 19. September 1941 bis zum 6. November 1943, wurden von den Besatzern 120.000 bis 160.000 sowjetische Kriegsgefangene und Zivilisten (vor allem Juden) in Kiew ermordet. Mehr als 33.000 Juden fielen allein dem Massaker in Babi Jar bei Kiew zum Opfer. 1942 wurde am Nordrand der Stadt das KZ Syrez errichtet.

Großen Schaden nahm die Stadt kurz nach der Schlacht um Kiew durch einen verheerenden Großbrand, der am 24. September 1941 durch ferngezündete sowjetische Sprengsätze ausgelöst wurde und erst am 29. September unter Einsatz der deutschen und einheimischen Feuerwehr durch das Sprengen von Brandschneisen gelöscht werden konnte.[12] Am 6. November 1943 wurde die Stadt von der Roten Armee zurückerobert.

In der Stadt bestand das Kriegsgefangenenlager 62 (bis 1954) für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs, dazu das Kriegsgefangenenhospital 3201. Es gab verschiedene Friedhöfe für Kriegsgefangene, der größte nördlich der Stadt mit etwa 20.000 Toten.[13]

1982 fanden die Feierlichkeiten des 1500-jährigen Bestehens von Kiew statt. 1986 wurde die Stadt vom Tschernobyl-GAU schwer getroffen.

Kiew ab der ukrainischen Unabhängigkeit 1991[Bearbeiten]

Seit 1991 ist Kiew Hauptstadt der unabhängigen Ukraine. In der Folge kam es zur Wiedererrichtung zahlreicher während der Periode des Stalinismus zerstörter Bauwerke, etwa des Michaelsklosters und der Christi-Geburtskirche im Stadtteil Podil. 2004 war die Innenstadt Schauplatz der Massenproteste gegen die Fälschungen bei den Präsidentschaftswahlen der Ukraine, die vom 21. November bis 5. Dezember andauerten und zur Orangen Revolution führten. Von Dezember 2013 bis Ende Februar 2014 war die Stadt Schauplatz des „Euromaidan“, einer Protestbewegung gegen die ukrainische Regierung, was zu deren Sturz führte. Die danach einsetzende Krise führte dazu, das die OSZE am 21. März 2014 Beobachter in die Stadt entsandte.[14][15]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Kiewer Höhlenkloster (11. Jh.)
Das Gebäude der Nationaloper in Kiew

Kiew besitzt eine große Anzahl sehenswerter Kirchen, Museen, Profanbauten und Denkmäler. Als UNESCO-Weltkulturerbe wurde die Sophienkathedrale, das Kiewer Höhlenkloster und die Mariä-Entschlafens-Kathedrale eingestuft. An Straßen sind ist der Chreschtschatyk-Boulevard, der große Hauptstadtboulevard mit Gebäuden im Zuckerbäckerstil und der für sein kulturelles Leben bekannte Andreassteig zu nennen. Nicht zuletzt durch die Orange Revolution und den Euromaidan ist der Majdan Nesaleschnosti, der Hauptplatz der Stadt mit dem Hotel Ukrajina und dem Unabhängigkeitsdenkmal der Ukraine bekannt geworden. Weitere bekannte Denkmale sind das Denkmal der Völkerfreundschaft mit einem monumentalen Bogen mit einem Diameter von 60 Metern und die Mutter-Heimat-Statue, eine 62 Meter hohe Kolossalstatue zum Gedenken an den Sieg im Großen Vaterländischen Krieg. In der Stadt gibt es den Kiewer Zoo mit etwa 400 Tierarten und über 3000 Tieren.

Politik[Bearbeiten]

Verwaltung[Bearbeiten]

Der Marienpalast ist die zeremonielle Residenz des ukrainischen Präsidenten

Das höchste politische Organ der Stadt ist der Kiewer Stadtrat (Київрада; translit. Kyïvrada), deren Mitglieder direkt durch die Kiewer Bevölkerung gewählt werden und deren Vorsitz der Kiewer Bürgermeister hat. Bürgermeisterin ist seit dem 12. Juli 2012 Halyna Hereha, die den Finanzexperten und Privatbankier Leonid Tschernowezkyj ablöste, der seit 2006 im Amt war und sich bei einer vorgezogenen Wahl am 25. Mai 2008 mit einfacher Mehrheit gegen Olexandr Turtschynow und Vitali Klitschko durchgesetzt hatte. Die Neuwahl wurde durch einen Parlamentsbeschluss mit den Stimmen der ukrainischen Regierungskoalition und des Blok Lytwyna angeordnet, die beabsichtigten, eine Ablösung des umstrittenen Amtsinhabers herbeizuführen.[16] Das Vorhaben scheiterte an der chronischen Zerstrittenheit der westlich orientierten Kräfte der Ukraine, die mit zwei Kandidaten (Turtschynow und Klitschko) antraten und so angesichts des Wahlrechts, das eine Entscheidung mit einfacher Mehrheit im ersten Wahlgang vorsieht, chancenlos waren.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Administrativ wird Kiew in die folgenden zehn Verwaltungsbezirke (Rajone) unterteilt:

Name Ukrainische Bezeichnung Bemerkung Fläche in km² Bevölkerung 2001[1] Bevölkerung 2013[1]
Rajon Darnyzja Дарницький - 134 282.359 320.234
Rajon Desna Деснянський nach dem Fluss Desna 148 336.209 362.127
Rajon Dnipro Дніпровський nach dem Fluss Dnepr 66,7 331.618 348.804
Rajon Holosijiw Голосіївський - 156,35 202.993 239.340
Rajon Obolon Оболонський - 110,2 306.173 317.419
Rajon Petschersk Печерський nach dem Kiewer Höhlenkloster 19,55 131.127 144.785
Rajon Podil Подільський nach dem Stadtviertel Podil 34,04 180.424 193.263
Rajon Schewtschenko Шевченківський nach Taras Schewtschenko 27 237.213 230.489
Rajon Solomjanka Солом’янський - 40,04 287.801 351.169
Rajon Swjatoschyn Святошинський - 103 315.410 337.393

Partnerstädte[Bearbeiten]

Kiew unterhält mit folgenden internationalen Städten Partnerschaften (unvollständige Liste):

Stadt Land seit Stadt Land seit
Ankara TurkeiTürkei Türkei 1990 Leipzig DeutschlandDeutschland Deutschland 1961
Athen GriechenlandGriechenland Griechenland 1996 München DeutschlandDeutschland Deutschland 1989
Belgrad SerbienSerbien Serbien 2003 Minsk WeissrusslandWeißrussland Weißrussland
Bratislava SlowakeiSlowakei Slowakei 1969 Peking China VolksrepublikChina Volksrepublik China 1993
Brüssel BelgienBelgien Belgien 1997 Riga LettlandLettland Lettland
Budapest UngarnUngarn Ungarn 1993 Rio de Janeiro BrasilienBrasilien Brasilien
Buenos Aires ArgentinienArgentinien Argentinien 1993 Tiflis GeorgienGeorgien Georgien
Chicago Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1991 Tirana AlbanienAlbanien Albanien
Chișinău MoldawienMoldawien Moldawien 1993 Toronto KanadaKanada Kanada
Edinburgh Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Toulouse FrankreichFrankreich Frankreich 1975
Jerewan ArmenienArmenien Armenien Vilnius LitauenLitauen Litauen
Florenz ItalienItalien Italien Warschau PolenPolen Polen 1994
Helsinki FinnlandFinnland Finnland Wien OsterreichÖsterreich Österreich 1992
Krakau PolenPolen Polen Wuhan China VolksrepublikChina Volksrepublik China
Kyōto JapanJapan Japan Tampere FinnlandFinnland Finnland

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

In Kiew sind alle Ministerien sowie die Hauptverwaltungen der meisten großen Unternehmen der Stahlindustrie, des Maschinen- und Fahrzeugbaus, des Flugzeugbaus (Antonov im Stadtteil Sviatoshyn mit 14.000 Beschäftigten), der Chemieindustrie, der Nahrungs- und Genussmittelindustrie (Roschen), der Solarindustrie, der Gas- und Ölgesellschaften, der Energieerzeuger sowie des Luftverkehrs und der Finanzwirtschaft angesiedelt. Ein Hersteller von optischen und feinmechanischen Geräten ist das Arsenal-Werk.

Messen und Ausstellungen[Bearbeiten]

In Kiew befinden sich die Messe- und Ausstellungsgelände Expocenter der Ukraine[17] und KiewExpoPlaza.[18] Folgende Messen finden regelmäßig in Kiew statt:

  • AGRO - Internationale ukrainische Leitmesse für Landwirtschaft
  • Animal’EX - Fachmesse für Viehzucht, Tierhaltung und Veterinärmedizin
  • BioFuel - Fachmesse für Erneuerbare Energien
  • Beer & Soft Drinks Industry - Internationale Fachmesse für Bier und alkoholfreie Getränke
  • EquiWorld - Ausstellung für Pferdezucht und Pferdesport
  • Fast Food Industry - Fachmesse für Fastfood
  • FishExpo - Fachmesse für Fischzucht und Fischwirtschaft
  • InAlcoWin - Fachmesse für Wein und alkoholische Getränke
  • Metal-Forum of Ukraine - Internationale Konferenzmesse für Metallurgie und Metall
  • MushroomIndustry - Internationale Fachausstellung für die Pilzindustrie
  • RENEWAL - Messe für gebrauchte und überholte Maschinen und Anlagen

Tourismus[Bearbeiten]

Es gibt (Stand 7. Oktober 2009) noch keine städtische Touristeninformation in der Stadt, am Flughafen oder am Bahnhof. Private Agenturen übernehmen die Vermittlung von Hotelzimmern, Autovermietungen oder Stadtführungen. Aktuell gibt es für Touristen der Europäischen Union keine Visumpflicht. Ein gültiger Reisepass ist jedoch zur Einreise notwendig.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Kiew ist Anziehungspunkt für den Tourismus, wirtschaftliches Zentrum und neben Lemberg und Odessa kultureller Mittelpunkt des Landes. Kiew ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Osteuropas als Schnittpunkt der Verkehrswege Istanbul/AthenSofia–Kiew–Minsk/Moskau und WesteuropaKaukasus. Außerdem hat Kiew einen Hafen am Dnepr.

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Als Hauptstadt bildet Kiew einen Knotenpunkt im ukrainischen Straßennetz. In Kiew kreuzen sich die E40 (Calais/Frankreich nach Ridder/Kasachstan), die E95 (Sankt Petersburg/Russland nach Merzifon/Türkei) und die E101. Außerdem die Fernstrassen nach Weißrussland (M01), Russland (über Charkiw M03), Odessa (M05), Ungarn (über Lemberg M06), Polen (M07), Snamjanka (N01), Sumy (N07) und Dnipropetrowsk (N08). Im Westen leitet der durch die T1027 gebildete Autobahnring den Durchgangsverkehr um die Stadt. Von Osten kommender Verkehr überquert den Dnjepr in der Stadt und wird über die auf der Westseite liegende N01 geleitet.

Eisenbahn[Bearbeiten]

Zahlreiche internationale Eisenbahnverbindungen führen zum Hauptbahnhof in Kiew, unter anderem aus Russland, Polen, Ungarn, Österreich und Deutschland (Berlin). Es gibt einen Hauptbahnhof, (Kiew-Passaschirskij). Kiew hat ferner Zugang zur Transsibirischen Eisenbahn, hier beginnt die vermutlich weltlängste Eisenbahnverbindung Kiew - Wladiwostok.

Flugverkehr[Bearbeiten]

Kiew wird von drei Flughäfen bedient.

Der kleinere und ältere der beiden Passagierflughäfen, Kiew-Schuljany, liegt im Stadtgebiet und wird überwiegend für Privat-Jets genutzt. Aber auch die Firma Wizz Air sowie einige ukrainische Chartergesellschaften bieten Flüge ins In- und Ausland an. In Boryspil, ca. 15 km östlich der Stadtgrenze beziehungsweise 30 km südöstlich des Zentrums, liegt der größere Flughafen Kiew-Boryspil (nach russischer Schreibweise auch als Borispol bekannt), der deutlich mehr Verbindungen hat und von den meisten internationalen Linien angeflogen wird.

Der Flughafen Kiew-Gostomel ist außerdem ein internationaler Frachtflughafen in der nordwestlichen Vorstadt Hostomel (russ. Gostomel).

Innerstädtischer Verkehr[Bearbeiten]

Metro Kiew

Dem innerstädtischen Verkehr dient neben Trolleybussen, Bussen, der Straßenbahn, S-Bahn und Marschrutka (Kleinbus-Linientaxen) die Metro. Letztere besteht aus drei Linien, die die Stadt durchkreuzen. Im Berufsverkehr verkehrt die Metro zum Teil im 90-Sekunden-Takt, sonst alle zwei bis vier Minuten. Abends können es auch acht Minuten sein. Nachts ist die Metro geschlossen. Außerdem verbindet eine Standseilbahn (Funikuler) den Stadtteil Podil am Dnepr-Ufer mit dem Stadtzentrum.

Hochschulen[Bearbeiten]

Nationale Taras-Schewtschenko-Universität

Es gibt insgesamt 99 Hochschulen. Die größten beziehungsweise wichtigsten sind:

Sport[Bearbeiten]

Der bekannteste Sportverein der Stadt und der Ukraine ist der FC Dynamo Kiew. Zudem gibt es weitere Fußballclubs wie Arsenal Kiew und Obolon Kiew, den Basketballverein BK Kiew, den Handballverein Spartak Kiew sowie den ukrainischen Rekordmeister im Eishockey, den HK Sokol Kiew.

Das Nationalstadion der Ukraine, das NSK Olimpijskyj, befindet sich in Kiew. Im August 2007 war Kiew Austragungsort der Weltmeisterschaften im Orientierungslauf. Seit 2008 erfolgte ein Komplettumbau, das Stadion war Austragungsort und Spielort des Finales der Fußball-Europameisterschaft 2012.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Berühmte Söhne und Töchter Kiews sind der Schriftsteller Michail Bulgakow, die Filmregisseurin Maya Deren, die Schauspielerin Milla Jovovich, der Maler Kasimir Malewitsch, die israelische Ministerpräsidentin Golda Meir, der Luftfahrtpionier Igor Sikorski und andere.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Britta Wollenweber, Peter Franke: Kiew. Stadt der goldenen Kuppeln am Dnejpr. 4. Auflage, Wostok, Berlin 2008, ISBN 978-3-932916-41-0.
  • Anatolij Kusnezow: Babij Jar – die Schlucht des Leids. Matthes & Seitz, München 2001, ISBN 3-88221-295-0.
  • Herbert Mühlstädt: Der Geschichtslehrer erzählt. Band 2. 3. Auflage. Volk und Wissen volkseigener Verlag, Berlin 1986, S. 109–133
  • Günther Schäfer: Kiev, Rundgänge durch die Metropole am Dnepr, 3. Auflage, Trescher, Berlin 2011, ISBN 978-3-89794-181-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Kiew – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Kiew – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Kiew – Reiseführer
 Wikinews: Kiew – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Stadtbezirke von Kiew auf citypopulation.de
  2. http://2001.ukrcensus.gov.ua/eng/results/general/nationality/
  3. [1] auf demoscope.ru
  4. Meyers Neues Lexikon, Bibl.Inst. Leipzig, 1962. Band 4, S. 805
  5. Volkszählung der UdSSR 1970 auf webgeo.ru
  6. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[2] [3] Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.deBevölkerungszahlen auf World Gazetteer
  7. Timothy Snyder. (2003). The Reconstruction of Nations. New Haven: Yale University Press. S. 119-122
  8. Стан Громадської Думки Щодо Надання Російській Мові Статусу Другої Державної
  9. Russification Via Bilingualism
  10. Ukrainian Hydrometeorological Center: Klimainformationen Kiew. World Meteorological Organization, abgerufen am 1. Juli 2012.
  11. Andreas Roth: Chasaren - Das vergessene Großreich der Juden, Seiten 60 und 169ff. Melzer Verlag, Neu-Isenburg 2006
  12.  Horst Boog, Jürgen Förster, Joachim Hoffmann, Ernst Klink, Rolf-Dieter Müller, Gerd R. Ueberschär: Der Angriff auf die Sowjetunion. (= Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 4). 2. Auflage. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1987, ISBN 3-421-06098-3, S. 515 (Bei den Sprengtrupps handelte es sich um das Pionierbataillon 99, Teile der 99. Leichten Division und 71. Infanteriedivision, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  13. Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977.
  14. Krim-Krise: OSZE schickt 100 Beobachter in die Ukraine, Spiegel Online am 22. März 2014
  15. OSZE entsendet Beobachtermission in Ukraine, RIA Novosti am 22. März 2014
  16. NEWSru.ua: По данным экзит-пола, на выборах побеждает Леонид Черновецкий с 32% и блок его имени – 25,7%
  17. Webseite Expocenter (ukrainisch)
  18. Webseite KiewExpoPlaza (ukrainisch)