Richard Crashaw

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Richard Crashaw (* 1613 in London; † 25. August 1649 in Loreto, Italien) war ein englischer Dichter.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Titelseite der Steps to the Temple von Richard Crashaw, 1646

Richard Crashaw wurde in London als Sohn eines puritanischen Geistlichen geboren und studierte an der Universität Cambridge. 1644 verließ er England, trat 1645 in Frankreich zur römisch-katholischen Kirche über und ließ sich anschließend in Italien nieder. In blumigem, gefühlsbetontem Stil schrieb er Liebes- und religiöse Dichtung. Er gilt als einer der Hauptvertreter der metaphysischen Dichtung, wird jedoch zugleich als der „unenglischste“ und am schwersten zugängliche unter den Metaphysical Poets des 17. Jahrhunderts angesehen.

Crashaw studierte Theologie in Cambridge und wurde 1634 Fellow von Peterhouse, einem Zentrum der hochkirchlichen Fraktion. Im selben Jahr veröffentlichte er eine Sammlung lateinischer Epigramme zu geistlichen Themen. 1639 wurde er zum Pfarrer von Little St. Mary's berufen und pflegte ebenso intensive Kontakte in der befreundeten anglikanischen Gemeinschaft von Little Gidding. In dieser ihn prägenden Zeit fühlte er sich in besonderem Maße von der Schönheit und Würde religiöser Rituale angesprochen. Sein Übertritt zum römischen Glauben als anima naturaliter catholica folgte als Reaktion auf die Reinigung mehrerer Cambridger Kirchen vom angeblich abergläubischen Bildschmuck durch eine Parlamentskommission in der Auftaktphase des englischen Bürgerkrieges 1643. In Paris erhielt Crashaw auf Vermittlung der exilierten Königin Henrietta Maria eine Stelle im Umfeld des Kardinals Palotto. Nach einem längeren Aufenthalt in Rom wurde Crashaw 1649 Subkanonikus an der Kathedrale des Heiligen Hauses in Loreto. Dort verstarb er kurze Zeit später.[1]

Dichterisches Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner ersten Gedichtsammlung Steps to the Temple (1646), dessen Titelwahl bewusst auf George Herberts The Temple (1633) anspielt, ist Crashaws poetischer Stil durch den flamboyanten Barock der Gegenreformation geprägt. Die Wahlverwandtschaft zu Herbert zeigt sich ebenfalls in Crashaws Passionsepigrammen mit ihren Blut-und-Wunden-Concetti wie auch in seinen bekannten Langgedichten The Weeper mit seinem Bezug auf die Bußtränen der Magdalena bezieht, und The Flaming Heart mit seinem Bezug auf die Ekstase der Heiligen Teresa. Charakteristisch für diese Gedichte sind ihren virtuosen Metaphernketten und ihre Verbindung des Erotischen und des Sakralen.[2]

Ungeachtet seiner Anspielungen auf die religiöse Dichtung Herberts unterscheidet Crashaw sich dennoch in seiner religiösen und ästhetischen Sensibilität erheblich von seinem Vorbild, auch wenn er in seiner barock-katholischen Vorstellungen auf eine Verkörperlichung oder gar Verfleischlichung der Präsentation religiöser Erfahrung drängt. So stellt er vor allem in seinen Gedichten The Flaming Heart und Hymn to Saint Theresa die mystischen Entrückungen oder auch Verzückungen der spanischen Karmeliter-Nonne in einer sinnlich inbrünstigen Weise dar, die sie zum geistlichen Pendant von Donnes erotischer Extasie werden lässt. Im Vergleich dazu erscheint die zeitgenössische erotische Dichtung der Cavaliers geradezu fleischlos.

Crashaws gegenreformatorische Versinnlichung und Erotisierung des Religiösen bricht durchaus radikal mit den zeitgenössischen heimisch-englischen Traditionen. Sein lyrisches Schaffen wurde vor allem inspiriert durch die kontinentaleuropäische Emblematik, die neulateinische Dichtung der Jesuiten und die Concetti des Giambattista Marino.[3]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Stufen Aus dem Englischen und mit einem Vorwort von F. Löhrer. Friedrich Verlag, Bad Pyrmont 1952.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Werner von Koppenfeld: Marvell, Andrew. In: Metzler Lexikon Englischsprachiger Autorinnen und Autoren. 631 Porträts – Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hrsg. von Eberhard Kreutzer und Ansgar Nünning, Metzler, Stuttgart/Weimar 2006, ISBN 3-476-02125-4, S. 138.
  2. Vgl. Werner von Koppenfeld: Marvell, Andrew. In: Metzler Lexikon Englischsprachiger Autorinnen und Autoren. 631 Porträts – Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hrsg. von Eberhard Kreutzer und Ansgar Nünning, Metzler, Stuttgart/Weimar 2006, ISBN 3-476-02125-4, S. 138f.
  3. Vgl. dazu beispielksweise Manfred Pfister: Die frühe Neuzeit von Morus bis Milton. In: Hans Ulrich Seeber (Hrsg.): Englische Literaturgeschichte. 4., erweiterte Auflage, Metzler, Stuttgart und Weimar 2004, ISBN 3-476-02035-5, S. 46-154, hier S. 111f.