John Donne

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Dieser Artikel behandelt den englischen Schriftsteller John Donne. Für den walisischen Adligen John Donne siehe John Donne (walisischer Adliger)
John Donne (um 1616)

John Donne (* 22. Januar 1572 in London; † 31. März 1631 ebenda)[1] war ein englischer Schriftsteller und der bedeutendste der metaphysischen Dichter. Sein Werk umfasst Predigten, religiöse Gedichte, Übersetzungen aus dem Lateinischen, Epigramme, Elegien, Lieder und Sonette.

Donne in der Pose des Melancholikers (Porträt von 1595 in der National Portrait Gallery)

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Donne wuchs in einer katholischen Familie auf und studierte sowohl in Oxford (am Hertford College) als auch in Cambridge. Als junger Mann bereiste er Europa und begleitete von 1596 bis 1597 den Grafen von Essex auf dessen Reisen nach Cádiz und auf die Azoren. Zurückgekehrt, wurde er Sekretär des Lordhüters des Großen Siegels Sir Thomas Egerton (ab 1603 Lord Ellesmere, ab 1616 Viscount Brackley) und begann sich als Dichter einen Namen zu machen. Zu den Werken aus dieser Zeit zählen viele seiner Lieder und Sonette, deren realistischer und sinnlicher Stil bemerkenswert ist. Donne schrieb auch viele satirische Verse, die eine zynische Weltanschauung zeigen.

1601 schloss Donne eine geheime Ehe mit Anne More, Nichte der zweiten Ehefrau von Baron Ellesmere; daraus entwickelte sich ein öffentlicher Skandal, der Donnes Ruf ruinierte; seine Werke nahmen einen ernsteren Ton an. Zwei Anniversaries („Jahresfeiern“) – An Anatomy of the World („Anatomie der Welt“) von 1611 und Of the Progress of the Soul („Vom Vorankommen der Seele“, 1612) – zeigen, wie erschüttert sein Glaube an die Ordnung der Dinge im vorrevolutionären England war, in einer Zeit wachsenden Zweifels in der Politik, Wissenschaft und Philosophie. Seine Satire von 1611 Ignatius his Conclave war wahrscheinlich das erste englischsprachige Werk, in dem Galileo Galilei erwähnt wurde.

Nach langer finanzieller Unsicherheit und Not, während der er zweimal Mitglied des Parlaments war (1601 und 1614), befolgte Donne schließlich den Wunsch seines Königs Jakob I. und ließ sich 1615 zum anglikanischen Priester weihen. Nach dem Tod seiner Frau im Jahr 1617 wurde der Ton seiner Dichtung dunkler, besonders in den Holy Sonnets.

Nach seiner Priesterweihe schrieb Donne eine Reihe religiöser Werke, so seine Devotions (1624) und verschiedene Predigten, von denen einige zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurden. Er galt auch als einer der gewandtesten Prediger seiner Zeit. 1621 wurde Donne zum Dekan von St Paul’s (London) ernannt und hatte dieses Amt bis zu seinem Tod im Jahr 1631 inne.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde John Donne in der durch T. S. Eliot initiierten Diskussion[2] detailliert untersucht. Dabei konzentrierte sich die Debatte auf die Interpretation der einzelnen Gedichte und ließ die historischen sowie biographischen Bedingungen John Donnes fast völlig außer Acht.

Charakteristisch für Donnes Lyrik ist insbesondere seine Sakralisierung des Erotischen und die damit verbundene Entwicklung einer aus literaturgeschichtlicher Sicht provozierenden neuen Form der Liebeslyrik, in der insbesondere das körperliche Begehren und die Sexualität als heiliges Mysterium erscheinen. Neuartig ist dabei nicht so sehr seine Verwendung durchaus unkonventioneller religiöser Bilder oder Metaphern in einem erotischen Diskurs, sondern vor allem die Heiligsprechung der Liebe als körperlich-sexueller Erfahrung in einer Metaphorik und Bildersprache, die ans Blasphemische grenzt.[3]

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Wendungen aus dem Werk Donnes fanden Eingang in die Populärkultur, nämlich das sprichwörtliche „Niemand ist eine Insel“, das Thomas Merton und Johannes Mario Simmel als Buchtitel wählten, und „Wem die Stunde schlägt“ als Titel eines Romans von Ernest Hemingway. Beide stammen aus demselben Absatz in Meditation XVII:

No man is an island, entire of itself; every man is a piece of the continent, a part of the main. If a clod be washed away by the sea, Europe is the less, as well as if a promontory were, as well as if a manor of thy friend's or of thine own were. Any man's death diminishes me because I am involved in mankind; and therefore never send to know for whom the bell tolls; it tolls for thee.
Niemand ist eine Insel, in sich ganz; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinents, ein Teil des Festlandes. Wenn eine Scholle ins Meer gespült wird, wird Europa weniger, genauso als wenn’s eine Landzunge wäre, oder ein Landgut deines Freundes oder dein eigenes. Jedes Menschen Tod ist mein Verlust, denn ich bin Teil der Menschheit; und darum verlange nie zu wissen, wem die Stunde schlägt; sie schlägt dir selbst.“

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moderne Ausgaben
  • Joe Nutt (Hrsg.): John Donne: The Poems (Analysing Text). 1999, ISBN 0-333-74783-6.
  • Phillip Mallet (Hrsg.): York Notes on John Donne: Selected Poems, Study Notes. 1999, ISBN 0-582-41465-2.
Deutsche Übersetzungen
  • Zwar ist auch Dichtung Sünde. Gedichte. Übersetzungen von Maik Hamburger und Christa Schuenke. Leipzig 1982.
  • Alchimie der Liebe. Gedichte. Übersetzungen von Werner von Koppenfels. Zürich 1996.
  • Hier lieg ich von der Lieb erschlagen. Songs and Sonnets – Lieder und Gedichte. Übersetzungen von Wolfgang Breitwieser. Frankfurt a.M. 2000.
  • Erstürme mein Herz. Elegien, Epigramme, Sonette. Übersetzungen von Wolfgang Breitwieser. Frankfurt a.M. 2000.
  • Geh, fang einen Stern, der fällt. Übersetzungen von Werner Vordtriede. Frankfurt a.M. 2001.
  • Nach John Donne. Übersetzungen von Benedikt Ledebur. Wien 2004.
  • Erleuchte, Dame, unsre Finsternis. Songs, Sonette, Elegien. Übersetzungen von Wolfgang Held. Frankfurt a.M. und Leipzig 2009.
  • Schweig endlich still und lass mich lieben!. Ein John-Donne-Lesebuch von Michael Mertes. Bonn 2017.

Gedenktag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  Wikiquote: John Donne – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die kleine Enzyklopädie, Encyclios-Verlag, Zürich, 1950, Band 1, Seite 376
  2. Siehe T. S. Eliots Besprechung des von Herbert J. C. Grierson herausgegebenen Buchs Metaphysical Lyrics and Poems of the Seventeenth Century: Donne to Butler im The Times Literary Supplement, Oktober 1921 (http://www.uwyo.edu/numimage/eliot_metaphysical_poets.htm).
  3. Vgl. ausführlicher Manfred Pfister: Die frühe Neuzeit: Von Morus bis Milton. In: Metzler Lexikon Englischsprachiger Autorinnen und Autoren. 631 Porträts – Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hrsg. von Eberhard Kreutzer und Ansgar Nünning, Metzler, 4. erw. Auflage Stuttgart/Weimar 2006, ISBN 3-476-02035-5, S. 46-154, hier S. 110f.
  4. 31. März im ökumenischen Heiligenlexikon