Robert Ferdinand Cremer

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Robert Ferdinand Cremer

Robert Ferdinand Cremer, auch Robert Cremer,[1] (* 27. Dezember 1826 in Aachen; † 21. Januar 1882 in Koblenz) war ein deutscher Architekt und Baumeister des Spätklassizismus und der Neorenaissance.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn des Baumeisters Johann Peter Cremer und Bruder des ebenfalls als Architekt und Baumeister tätigen Friedrich Albert Cremer studierte ab 1843 Architektur an der Berliner Bauakademie. Anschließend entschied er sich für eine preußische Beamtenkarriere und war zunächst als Bauführer und schließlich als Baumeister in Bad Oeynhausen tätig. Hier trug er unter anderem für die Planung und Erstellung des Badehauses I die Verantwortung, welches er noch im klassizistischen Stil mit strengen hellenischen Elementen nach dem Vorbild seines Vaters und Schüler Karl Friedrich Schinkels zusammen mit dem Architekten Karl Ferdinand Busse (1802–1868) entworfen hatte.

Etwa 1857/58 wurde Cremer als Landesbaumeister unter dem Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner nach Köln berufen. Hier überwiegend mit Kirchenbauten und Kirchenrestaurierungen betraut, wechselte Cremer seinen bisher angewendeten Stil und setzte nun neoromanische und neugotische Formen und Elemente ein. Im Jahr 1862 zog es ihn schließlich nach Aachen, wo er mit den Planungen und Entwürfen zum Neubau des Hauptgebäudes des Polytechnikums Aachens, der heutigen RWTH-Aachen, betraut wurde. Hierzu legte er zwei Entwürfe vor, einen im italienischen Stil der römischen Schule des 16. Jahrhunderts nach dem Vorbild von Baldassare Peruzzi, einen anderen als frei empfundenen Ziegelsteinrohbau im Stil des 14. oder 15. Jahrhunderts nach dem Vorbild des von Joseph von Egle errichteten Stuttgarter Polytechnikums. Die Bauherren, die Revision in Berlin sowie auch das liberal gesinnte Wirtschaftsbürgertum Aachens sprachen sich schließlich für diese zweite Variante aus.

Von diesen Planungen beflügelt, nahm Cremer noch an den Architekturwettbewerben für den Berliner Dom und das Reichstagsgebäude teil, konnte sich aber diesmal mit seinen Ideen unter mehr als 100 Bewerbern nicht durchsetzen. Nach dem Entwurf für einen Neubau der Strafanstalt Aachen sowie weiteren Profanbauten und Restaurierungsaufträgen wurde Cremer 1873 nach Koblenz versetzt und dort zum Baurat befördert. Hier war er jetzt unter anderem als Mitglied im Preisgericht für die Vergabe von Bauaufträgen zuständig, trat aber selbst als Baumeister kaum noch nennenswert in Erscheinung.

Sein Sohn Wilhelm Cremer wurde ebenfalls ein anerkannter Architekt und gründete mit seinem Partner Richard Wolffenstein das Architekturbüro Cremer & Wolffenstein in Berlin und war für die Planung und Erstellung zahlreicher Geschäftshäuser, gehobener Wohnhäuser sowie des U-Bahnhofes Nollendorfplatz verantwortlich.

Ausgeführte Bauwerke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wettbewerbsteilnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Berliner Dom (1868 - Architektenwettbewerb)
  • Reichstagsgebäude Berlin (1868 - Architektenwettbewerb)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Band 8, S. 79 f.
  • Ferdinand Esser, Robert Cremer: Die polytechnische Schule zu Aachen. Entworfen von Robert Cremer, ausgeführt und herausgegeben von Ferdinand Esser. 1871.
  • Robert Cremer: Die neue Strafanstalt in Aachen. In: Zeitschrift für Bauwesen, 22/1872, Spalte 7–20 und Atlas, Tafel 1–6
  • Herbert Philipp Schmitz: Robert Cremer, Erbauer der Technischen Hochschule und Restaurator des Münsters zu Aachen., Beiträge zur Baugeschichte und Heimatkunst, Aachener Geschichtsverein (Hrsg.), Aachen 1969.
  • Ingeborg Schild: Die Brüder Cremer und ihre Kirchenbauten. Kühlen, Mönchengladbach 1965.
  • Hans Dieter Nägelke: Hochschulbau im Kaiserreich. Kiel 1997, ISBN 3-93359809-5, ISBN 978-3-93359809-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Robert Ferdinand Cremer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Centralblatt der Bauverwaltung, 21. Januar 1882, S. 17 (Digitalisat [PDF; 1,0 MB], abgerufen am 8. Dezember 2012).