Robinien

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Robinien
Alte Gewöhnliche Robinie  (Robinia pseudoacacia) in Waterloo (Belgien)

Alte Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia) in Waterloo (Belgien)

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Tribus: Robinieae
Gattung: Robinien
Wissenschaftlicher Name
Robinia
L.

Die Robinien (Robinia) sind eine Pflanzengattung in der Unterfamilie Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Die Gattung umfasst etwa vier (bis zehn) aus Nordamerika oder Mexiko stammende Arten. In Europa findet man häufig die aus Nordamerika eingeführte Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia).

Beschreibung[Bearbeiten]

Robinien-Arten sind sommergrüne Bäume oder Sträucher. Sie bilden häufig Wurzelsprosse. Die häufig etwas kantigen Zweige besitzen eine glatte, borstige oder klebrige Rinde. Die Knospen sind klein und nackt und in den Blattnarben geborgen, Endknospen fehlen. Die Laubblätter sind wechselständig angeordnet. Die Blattspreite ist unpaarig gefiedert. Die Blättchen sind kurz gestielt und ganzrandig. Die Nebenblätter sind häufig borstig oder zu Dornen umgewandelt.[1][2]

Die Blüten stehen in seitenständigen, hängenden traubigen Blütenständen zusammen. Die Tragblätter sind häutig und fallen früh ab. Die fünf Kelchblätter stehen glockenförmig zusammen, die zwei oberen Kelchzipfel sind schwach zu einer Kelchlippe verwachsen. Die Blütenkrone ist weiß, lila oder purpurrosa. Die fünf Kronblätter sind gestielt, die Fahne ist breit und zurückgebogen, die Flügel sind gebogen, das Schiffchen ist nach innen gebogen und stumpf. Von den zehn Staubblättern sind neun zu einer offenen Röhre verwachsen, eines steht frei. Die Staubbeutel sind alle gleich und öffenen sich mit einem Längsschlitz. Der gestielte Fruchtknoten enthält zahlreiche Samenanlagen. Der Griffel ist pfriemlich und im oberen Bereich behaart. Die Narbe ist klein und endständig.[1][2]

Die sich zweiklappig öffnenden Hülsenfrüchte sind 5 bis 10 Zentimeter lang, stark abgeflacht, schmal länglich bis riemenförmig und zwischen den Samen mehr oder weniger eingeschnürt. Die braunen Samen sind bei einer Länge von 4 bis 5 Zentimeter schief eiförmig bis nierenförmig. Es ist keine Strophiole vorhanden.[1][2]

Giftigkeit[Bearbeiten]

Laut Poisonous Plants List [3]sind alle Teile der Robinien generell als sehr giftig einzustufen.[4]

Verbreitung[Bearbeiten]

Eine kultivierte Robinia pseudoacacia in Priverno, Italien

Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt in Nordamerika und reicht südlich bis nach Mexiko.[5]

Systematik[Bearbeiten]

Die Gattung Robinia gehört zur Tribus Robinieae in der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae).[6] Die Gattung Robinia wurde 1753 von Carl von Linné in seinem Werk Species Plantarum erstveröffentlicht.[2] Der Gattungsname Robinia wurde von Linné für die aus Nordamerika stammende Art Robinia pseudacacia gewählt, die zuvor als Acacia Americana Robini bekannt war. Der Gattungsname ehrt den französischen Hofgärtner und Direktor des Jardin des Plantes in Paris Jean Robin (1550–1629), der die Art Robinia pseudacacia von Amerika nach Frankreich gebracht haben soll. Wahrscheinlicher ist, dass sein Sohn Vespasien Robin (1579–1662) diese Art aus Samen gezogen hat, die er aus Amerika erhalten hatte.[7]

Es sind vier Arten anerkannt:[8]

Illustration eines Zweiges der Borstigen Robinie (Robinia hispida) mit Blütenstand und Blättern
  • Borstige Robinie (Robinia hispida L.): Dieser 1,5 bis 3 Meter hohe Strauch ist in den Vereinigten Staaten, von Virginia bis Kentucky beheimatet.[5]
Blütenstand und Blätter der Neumexiko-Robinie (Robinia neomexicana)
  • Neumexiko-Robinie (Robinia neomexicana A.Gray): Dieser bis 2 Meter hoher Strauch kommt aus New Mexico.[5]
  • Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia L.), auch Falsche Akazie, Silberregen genannt: Sie kommt ursprünglich aus den östlichen USA. Es ist ein 20 bis 25 m hoher, sommergrüner Laubbaum, der Bienenweide ist.[5]
  • Klebrige Robinie (Robinia viscosa Vent.): Dieser bis 12 Meter hohe Baum kommt aus dem Osten der USA.[5]

Es gibt mehrere Hybride, darunter:

  • Robinia ×ambigua Poir., Eltern sind R. pseudoacacia und R. viscosa, eine natürliche Kreuzung mit Verbreitungsgebiet von North-Carolina bis Alaska.
  • Robinia ×holdtii Beissn., aus R. neomexicana und R. pseudoacacia entstanden.[9]
  • Robinia ×margaretta Ashe, aus R. hispida und R. pseudoacacia entstanden.[5]

Verwendung[Bearbeiten]

Eine besondere Eigenschaft des Robinienholzes ist seine Witterungsbeständigkeit, die sogar jene der einheimischen Eiche übersteigt. Deshalb wird Robinienholz für Weidepfosten, Brücken- und Stegebau und für Konstruktionen im Außenbereich verwendet. Hervorragend sind auch seine Klangeigenschaften (Xylophone).

Die üppig blühenden Bäume werden als Zierpflanzen in Gärten und Parks verwendet. Die Blüten sind sehr reich an Nektar, einige Arten werden daher als Bienenweide gepflanzt.[1] Außerdem finden Robinien Anwendung in der Homöopathie.[10]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Roloff u. a.: Flora der Gehölze. S. 543.
  2. a b c d Robinia. In: Flora of China. Band 10, S. 320.
  3. Poisonous Plants List Poisonous Plants List
  4. Handbook of poisonous and injurious plants. 2. Auflage. Springer, 2006, ISBN 0-387-31268-4, S. 33.
  5. a b c d e f Roloff u. a.: Flora der Gehölze. S. 544–546.
  6. Robinia. In: Germplasm Resources Information Network (GRIN). United States Department of Agriculture, abgerufen am 9. Juni 2012 (englisch).
  7. Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. S. 540.
  8. Robinia in Suchmaske eingeben.
  9. Eintrag bei IPNI.
  10. Robinia Abgerufen am 4. Dezember 2012.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 10: Fabaceae, Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 2010, ISBN 978-1-930723-91-7, S. 320.
  •  Andreas Roloff, Andreas Bärtels: Flora der Gehölze. Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5614-6, S. 543–546.
  •  Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3. Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7, S. 540.
  • Max Georg Eiselt, Rudolf Schröder: Laubgehölze. Neumann-Neudamm, Melsungen/ Basel/ Wien 1977, ISBN 3-7888-0256-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Robinien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien