Romana Ganzoni


Romana Ganzoni (* 18. April 1967 in Scuol;[1] heimatberechtigt in St. Antönien und Celerina) ist eine Schweizer Schriftstellerin.
Leben und Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Romana Ganzoni ist die Tochter von Roman und Luisa Flütsch, geborene Lang. In der Familie wurden zwei deutschbündnerische Dialekte gesprochen. Die Alphabetisierung im rätoromanischen Idiom «vallader» verdankt Ganzoni ihrem ersten Lehrer Chasper Sarott. Hochdeutsch lernte sie ab der fünften Klasse als Fremdsprache. Später kam das rätoromanische Idiom «puter» dazu.
Nach Primarschule in Scuol und Gymnasium am Hochalpinen Institut Ftan studierte Ganzoni an der Universität Zürich Allgemeine Geschichte und Germanistik. Danach unterrichtete sie, unterbrochen von einem einjährigen London-Aufenthalt, 20 Jahre an verschiedenen Gymnasien in Zürich und im Engadin. Literarische Publikationen erfolgten ab 2013 sowie regelmässige Schreibaufenthalte in Genua, Leipzig, London, Paris und Hamburg.
Die mehrfach ausgezeichnete Ganzoni, die gemäss SRF «eine Art Gedankenvulkan»[2] ist, schreibt Erzählungen, Romane, Lyrik, Spoken-Word-Texte, Essays, Kolumnen und Blog-Beiträge sowie für Radio und Bühne[3].
Ausserdem ist sie mit Schreibwerkstätten, Vorträgen und kollektiven Schreibanlässen in der Literaturvermittlung und Leseförderung tätig, sei es für Erwachsene mit ganz verschiedenen Bedürfnissen oder für junge Leute, die ihr Potenzial im freien Erzählen und Schreiben spielerisch entfalten und Selbstwirksamkeit erfahren.
Nebst diversen anderen gesellschaftlichen Engagements ist die Autorin seit 2025 Teil der Initiative Kultur am Bettrand.[4]
Romana Ganzoni ist mit dem Juristen Riet Ganzoni verheiratet und Mutter von drei erwachsenen Kindern. Sie lebt in Celerina und ist Mitglied des Autorenverbandes A*dS, des ZSV, von PEN, ProLitteris sowie Suisa.
Werke (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bücher
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Granada Grischun. Erzählungen. Rotpunktverlag, Edition Blau, Zürich 2017, ISBN 978-3-85869-739-4.
- Das Kastanienbankett. Groschenroman. Hg. Narrativistischer Kreis, Olten 2017, ISBN 978-3-95248-811-9.
- Tod in Genua. Roman. Rotpunktverlag, Edition Blau, Zürich 2019, ISBN 978-3-85869-843-8.
- Vent per mia vela. 32 poesias e prosa cuorta. Chasa Paterna, Uniun dals Grischs, Schlarigna 2020, ISBN 978-3-908611-51-6.
- Blackboard. Translated by Hannah Felce. Strangers Press, Norwich (UK) 2022, ISBN 978-1-913861-47-6.
- Magdalenas Sünde. Roman. Telegramme Verlag, Zürich 2021, ISBN 978-3-907198-52-0 und als Taschenbuch bei Diogenes, detebe 24656, Zürich 2022, ISBN 978-3-257-24656-8.
- Der Verlag. Roman. Romana Ganzoni, Samuel Herzog, Lis Künzli, Karin Rey. Rotpunktverlag, Edition Blau, Zürich 2026. ISBN 978-3-03973-082-7.
Theaterstücke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ün tschientmillevel da l’abc feminin. Monolog. Idiom: puter. Uraufgeführt in der Fundaziun Nairs. Schauspielerin: Anny Weiler. Scuol, 29. September 2018.
- Zu nah, um nicht dabei gewesen zu sein. Ausgehend von «Blick und Tat». Entwickelt von der Shakespeare Company, Zuoz. Leitung: Ivo Bärtsch. Uraufgeführt im Zuoz Globe, 4. Dezember 2022.
- Ein Waldstück. Nach einer Idee von Gian Rupf. Mit Gian Rupf, Nicole Knuth, Astrid Alexandre, Christian Zehnder. Uraufführung Naturpark Parc Ela, 21. Juni 2024.
- CirquOpus. Teater musical. Cun chantautur Curdin Nicolay e keyboarder André Gemassmer. Idiom: puter. Schauspielerin: Ursula Filli. Uraufführung anlässlich des Literaturfestivals Favella Bella, Chesa Planta, Samedan, 20. Juli 2024.
- Die Bergführerin. Collage mit bestehenden Texten von Annemarie Schwarzenbach, Nicole Niquille, Henriette d’Angeville und neuen Texte von Romana Ganzoni. Präsentiert von Schauspielerin/Sprecherin Franziska von Fischer und Romana Ganzoni. Uraufführung anlässlich des Festivals zeit:fluss, Sils im Engadin, 16. September 2025.
Verstreute Texte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Zwischentöne in der Höhenluft. Essay zum Festival da Jazz St. Moritz. In: NZZ am Sonntag, Nr. 70, 16. Juni 2019.
- Nicht ohne meine Maske. In: Reparatur der Zukunft. Jahrbuch 14, Literaturhaus Liechtenstein, Triesen 2020.
- Look the Gas Pumps! Essay. Deutsch/English. In: Alpine Signals. Fotoband Thomas Kneubühler. Verlag für moderne Kunst, Wien 2021.
- Das graue Haus. In: die horen. Zeitschrift für Literatur, Kunst, Kritik, Nr. 288, Jg. 67. Hg. Erb/Hamann, Wallstein Verlag, Göttingen 2022.
- Painch e pulenta. In: Litteratura 42. Sex. Uniun per Litteratura Rumantscha, Cuoira 2023.
- Blue. In: Durchatmen. Geschichten über Gelassenheit. Diogenes, Zürich 2023.
- Mein Neni. In: Fragen hätte ich noch. Geschichten von unseren Grosseltern. Hg. W. Schneider-Lastin. Rotpunktverlag, Edition Blau, Zürich 2024.
- La luna e il mondo. In: Amur. Poesias 1648–2025. Chasa editura rumantscha. Chur 2025.
- Soldat, Dame und Buckelpiste. Essay. In: cültür. Zu Kulturschaffen und Kulturleben in der vielsprachigen Schweiz. Redaktion: Bettina Gugger, Bern 2025.
- An Johann Peter Hebel zu «Die Eidechsen». Erzählung. In: Hebel Wirkungen. Anthologie. Hommage an Johann Peter Hebel. Hg. Basler Hebelstiftung. Kuratiert von Andreas Lang. Nimbus Verlag, Kunst und Bücher, Wädenswil 2026.
- Als ich noch eine Riesin war. Erzählung. In: Moorgeflüster. Das Moor in Kunst und Literatur über die Jahrhunderte. Hg. Joana van de Löcht, Niels Penke, Jonas Stuck. oekom München 2026.
Kinder- und Jugendbücher
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Die Torte. Jugendroman. da bux Verlag, Werdenberg 2020, ISBN 978-3-906876-19-1.
- Die Bienenkönigin. Nach dem Märchen der Brüder Grimm. Illustriert von Ekaterina Chernetskaya. Baeschlin, Glarus 2021, ISBN 978-3-03893-032-7.
- Lost in Zambail. Jugendroman. da bux Verlag, Werdenberg 2024. ISBN 978-3-906876-39-9.
Schulhausromane
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Terror in Engiadina. Roman da scoula. Schulhausroman. Die Provinz, Zürich 2018, ISBN 978-3-905725-07-0.
- So fern, so nah. Heimat und Hoffnungen von jungen Geflüchteten. Gedichte mit und von Jugendlichen aus Afghanistan, Syrien, Somalia, Eritrea, Sri Lanka, dem Iran und dem Irak. Hg. Verein IG offenes Davos, 2019, ISBN 978-3-033-07616-7.
- Capricorns e cocaìn. Roman da scoula. Schulhausroman. Mit deutscher Übersetzung von Romana Ganzoni. Die Provinz, Zürich 2020, ISBN 978-3-907217-16-0.
Lyrics und Film
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Duos chanzuns. Zwei Lieder. La negla cotschna e Blablabla Blablabli. Disc compact „La vita“ dal cantautore Angelo Andina. Arrandschamaint cun Andi Schnoz, Rolf Caflisch, Luca Schwarz, Chiara Jacomet. Aquarium Studios Zürich 2018.
- L’üert alpin. Imna dal parc naziunal svizzer. Nationalparkhymne. Melodia: Flavio Bundi. Prümaaudiziun: 3 gün. Coros virils da l’Engiadina Bassa e Val Müstair. Zernez 2023.
- Wie ein Segen. In: Rest in Poetry. Film von Tina-Maria Feyrer und Michael Stavaric. Mit Mireille Zindel, Martina Caluori, Anna Stern, Romana Ganzoni. Uraufführung Paulus Akademie Zürich/Friedhof Forum Zürich, 12. März 2024.
Auszeichnungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2014: Finalistin Ingeborg-Bachmann-Preis, Klagenfurt[5]
- 2015: Erster Preis Essay-Wettbewerb, Berner Bund[6]
- 2020: Bündner Literaturpreis[7]
- 2022: Kulturpreis der Stiftung Georg Aliesch-Davaz[8]
- 2023/24: Mentorat, DoubleLiteratur, Migros-Kulturprozent[9]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Thomas Barfuss: «Rauchzeichen. Alltägliche Gesten und Dinge im Werk von Romana Ganzoni». In: Bündner Jahrbuch (Tardis Verlag Chur) 2025.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Website Romana Ganzoni
- Literatur von und über Romana Ganzoni im Katalog Helveticat der Schweizerischen Nationalbibliothek
- Literatur von und über Romana Ganzoni im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Romana Ganzoni bei Diogenes
- Romana Ganzoni bei Rotpunktverlag
- Interview mit Andrea Keller
- Podcast mit Rebekka Haefeli
- Filmisches Portrait von Lara Marty
- Film zum Schreibprozess von Bertilla Giossi
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Romana Ganzoni - Autorenlexikon. In: literaturport.de. Abgerufen am 1. Januar 2021.
- ↑ Esther Krättli: «Ganzoni ist eine Art Gedankenvulkan». SRF, 12. Februar 2020, abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Romana Ganzoni: Werkliste. Romana Ganzoni, abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Die Bühne kommt zu Dir. Abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Graubünden - Autorin Ganzoni steckt Kritik einigermassen locker weg. SRF, abgerufen am 9. September 2019.
- ↑ Mit "der achten Plage" zum Sieg am Essay-Wettbewerb. persoenlich.com, abgerufen am 9. September 2019.
- ↑ Bündner Literaturpreis 2020 für Romana Ganzoni. suedostschweiz.ch, 17. Januar 2020, abgerufen am 17. Januar 2020.
- ↑ Romana Ganzoni: Erst wenn ich schreibe, fühle ich mich wirklich zu Hause. In: thephilanthropist.ch. Abgerufen am 31. Oktober 2022.
- ↑ Romana Ganzoni und Janic Maskos. Abgerufen am 25. November 2024.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ganzoni, Romana |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Schriftstellerin |
| GEBURTSDATUM | 18. April 1967 |
| GEBURTSORT | Scuol |