Ronny Rieken

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ronny Rieken (* 12. Februar 1968 in Oldenburg)[1] ist ein deutscher Seriensexualstraftäter und Mehrfachmörder. Rieken ist zudem der erste Straftäter, der in Deutschland mit einem DNA-Massentest überführt wurde.[2] Er missbrauchte und tötete nachweislich die 13-jährige Ulrike Everts und die elfjährige Christina Nytsch im Raum Cloppenburg. Für diese Taten wurde Rieken Ende 1998 zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.

Taten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. Juni 1996 entführte Rieken die 13-jährige Ulrike Everts aus Jeddeloh, als sie allein mit ihrer Ponykutsche am Dortmunder Moorweg fuhr. An einem Kanal bei Kampe, in der Nähe einer Tiermehlfabrik, genau an derselben Stelle, wo er sich 5 Monate zuvor an einem elfjährigen Mädchen vergangen hatte, missbrauchte er Ulrike. Nach der Tat gab er ihr die Kleidungsstücke einzeln zum Anziehen zurück, dann erdrosselte er sie mit einer Stoffwindel und brachte die Leiche ins 40 Kilometer entfernte Ipweger Moor.[3]

Am 16. März 1998, kurz nach 17 Uhr, sah Rieken die 11-jährige Christina Nytsch aus Strücklingen aus dem Landkreis Cloppenburg, die sich wenige hundert Meter vor ihrem Elternhaus befand, und zerrte sie vom Fahrrad in den Kofferraum und fuhr an den Kanal bei Kampe, wo er bereits Ulrike vergewaltigt und erdrosselt hatte. Rieken erzählte später vor Gericht, dass er Christina geschlagen habe, weil sie sich nicht entkleiden wollte. Als ein Auto vorbeifuhr, musste Christina wieder in den Kofferraum und sie fuhren in ein anderes, dunkles Waldstück bei Lorup. Christina habe sich dort ausziehen und hinknien müssen und wurde von hinten mit einem Kabel erdrosselt. Anschließend stach er mit einem Messer mehrmals auf die Leiche ein. Sechs Tage nach ihrem Verschwinden fanden Jäger die nur dürftig mit Ästen bedeckte Leiche von Christina, 20 Kilometer von ihrem Elternhaus entfernt. Ihr Körper war von Hämatomen übersät. Sie wurde insgesamt sechs Mal vergewaltigt. Vorangegangen war die bis dahin größte Verbrecherjagd in der deutschen Kriminalgeschichte, bei der mit Hilfe Tausender Freiwilliger 1500 Quadratkilometer abgesucht worden waren. Auch die Bundeswehr hatte die Suche unterstützt, unter anderem mit Wärmebildkameras aus der Luft. Bei Christinas Leiche hinterließ Rieken Spermaspuren. Sie stimmten mit den Spuren überein, die Ermittler Anfang 1996 nach einem weiteren Missbrauch an einer Neunjährigen sichergestellt hatten. Dieses Opfer hatte Rieken damals nach der Tat laufen lassen. Der Ostern 1998 veranlasste DNA-Massentest überführte Rieken schließlich und führte zu seiner Verhaftung. Rieken war zum Speicheltest gegangen, weil ihm Verwandte, die misstrauisch waren, das Mitgehen nahegelegt hatten. Rieken war damit bundesweit der erste Mörder, der sich der Abnahme einer Speichelprobe stellte und dadurch überführt worden ist. Dies trug wesentlich zur öffentlichen und rechtlichen Akzeptanz dieser Methode bei. Bereits im April 1998, als die Suche nach Rieken noch in vollem Gange war, nahm die DNA-Analysedatei, eine Verbundanwendung der Landeskriminalämter und des Bundeskriminalamtes, ihren Betrieb auf.[4][5]

Prozess und Haft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Prozess gegen Rieken vor dem Schwurgericht hieß es, dass er in seiner Kindheit von seinem Vater misshandelt worden sei. An dem von ihm geschilderten sexuellen Missbrauch durch seinen Vater äußerte der Vorsitzende Richter, der Rieken bereits 1989 wegen der Vergewaltigung seiner Schwester verurteilte hatte, Zweifel. Rieken hatte seine erste Vergewaltigung mit 19 Jahren an einem Nachbarsmädchen begangen. Bei der Vergewaltigung seiner zwei Jahre jüngeren Schwester war er 21 Jahre alt. Dabei hatte Rieken sie mit einem Gürtel gedrosselt, bis sie bewusstlos wurde, um sie anschließend ohne Gegenwehr zweimal vergewaltigen zu können.

Bei seinem Gefängnisaufenthalt für die Tat an seiner Schwester wurde er nicht therapiert, sondern nur wegen einer Alkoholkrankheit behandelt. Seine ursprünglich festgelegte Haftstrafe von zehn Jahren war in der Revision auf fünfeinhalb Jahre herabgesetzt worden. Wegen guter Führung gelangte Rieken bereits nach knapp drei Jahren wieder auf freien Fuß. Wenige Wochen danach missbrauchte er die Tochter seines zukünftigen Schwagers.

Die von Rieken gegen sein jüngstes Urteil eingelegte Revision wurde 1999 vom Bundesgerichtshof zurückgewiesen. Das Urteil wurde damit rechtskräftig.

Das Landgericht Oldenburg stellte außerdem eine besondere Schwere der Schuld fest, was eine Mindesthaftdauer von weit über 15 Jahren nach sich zieht. Er verbüßt seine Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Celle. Bei einer Haftprüfung im März 2012 wurde festgestellt, dass Rieken seine Taten nicht aufbereitet hatte und daher frühestens 2021 auf freien Fuß kommen wird.[6] Am 9. Mai 2012 wurde dieser Beschluss vom Oberlandesgericht Celle bestätigt und ist damit rechtskräftig.[7]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rieken ist dreifacher Familienvater und ehemaliger Binnenschiffer. Während seiner ersten Haftstrafe begann er eine Lehre zum Maschinenschlosser, die er kurz nach seiner vorzeitigen Entlassung abschloss. Er hat laut Gutachten einen durchschnittlichen Intelligenzquotienten (IQ) von 105.

Dokumentarfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Thies: Ronny Rieken. Porträt eines Kindermörders; Springe: zu Klampen, 2005; ISBN 3-934920-54-3
  • Thomas Hombert: Der freiwillige genetische Massentest. Verfassungsrechtliche Zulässigkeit und Grenzen unter Darstellung des Falls Christina Nytsch; Göttingen, Univ., Diss., 2003; Göttingen: Cuvillier, 2003; ISBN 3-89873-819-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Spiegel: Der Fall Ronny Rieken, 2. Teil vom 26. Oktober 2007 (abgerufen am 9. Mai 2011)
  2. Immer der Gen-Spur nach, Main-Post vom 4. August 2010, abgerufen am 4. Juli 2014
  3. „Etwas ganz, ganz Schlimmes“. Der Spiegel, 20. Juli 1998, abgerufen am 7. Januar 2017.
  4. Julia Jüttner: Der Fall Ronny Rieken. "Er ist schlicht und einfach nur böse". Der Spiegel, 26. Oktober 2007, abgerufen am 7. Januar 2017.
  5. Hans-Werner Loose: Rieken schildert, wie er Christina ermordete. Die Welt, 20. November 1998, abgerufen am 7. Januar 2017.
  6. Nordwest-Zeitung: Mädchenmörder Ronny Rieken bleibt in Haft. Artikel vom 21. März 2012.
  7. Nordwest-Zeitung: OLG bestätigt: Kindermörder Ronny Rieken bleibt in Haft. Artikel vom 9. Mai 2012.