Rotavirusimpfstoff

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Das Rotavirus

Ein Rotavirusimpfstoff ist ein Impfstoff gegen Infektionen mit Rotaviren.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rotavirusaimpfstoff ist ein attenuierter Lebendimpfstoff und besteht heute aus fünf Impfstämmen (RV5, RotaTeq) der am häufigsten zirkulierenden Serotypen oder einem Impfstamm (RV1, Rotarix).[1] RV5 enthält 2 Millionen Pfu jedes Impfstamms.[1]

Der Rotavirusimpfstoff befindet sich auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation.[2]

Der erste Rotavirusimpfstoff wurde 1988 in den USA zugelassen.[1] Die ersten Impfstämme stammten aus Hausrindern und Rhesusaffen, erzeugten jedoch keine zuverlässige Immunität.[1] Im Jahr 1998 wurde in den USA ein weiterer Impfstoff mit vier Impfstämmen (RRV-TV, Rotashield) zugelassen, der nach einem Jahr wegen erhöhtem Risiko für Intussuszeption vom Markt genommen wurde.[1] Ab 2006 wurden die heutigen Stämme zugelassen.[1]

Stillen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stillen kann einen vermindernden Effekt auf die Wirksamkeit der Impfung haben.[3] Die genauen Ursachen sind noch nicht geklärt. Möglicherweise neutralisieren die in der Muttermilch vorkommenden RV-spezifischen IgA-Antikörper die Lebendviren im Impfstoff, was die Schutzwirkung des Impfstoffes reduziert. Zudem wird postuliert, dass das in der Muttermilch befindliche Lactoferrin und zu einem geringeren Grad das Lactadherin eine inhibitorische Aktivität gegenüber RV aufweisen.[3]

Daher wird – wenn geimpft werden soll – empfohlen, auf das Stillen vor und während der RV-Impfung zu verzichten oder zumindest eine Stunde vor oder nach der Impfung nicht zu stillen.[4][3]

Immunologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Impfstoff wird meistens zweimal als Schluckimpfung verabreicht. Nach einer Impfung entwickeln Geimpfte messbare Titer für neutralisierende Antikörper, die vor einer erneuten Infektion mit Rotaviren schützen.[1] Die neutralisierenden Antikörper sind gegen das Kapsidprotein VP7 und den Rezeptor VP4 gerichtet. RV5 enthält vier Impfstämme mit je einem Serotyp von VP7 (G1 bis G4) aus humanen Rotaviren und VP4 (Typ P7) aus einem Rinderrotavirus sowie einen Impfstamm mit VP7 (Serotyp G6) von einem Rinderrotavirus und VP4 (Typ P1A) aus einem humanen Rotavirus.

Circoviren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2010 wurde die US-amerikanische Zulassung für beide Rotavirusimpfstoffe für zwei Monate ausgesetzt, nachdem in beiden Präparaten DNA von porcinen Circoviren der Typen 1 und 2 gefunden worden waren.[5] Da porcine Circoviren keine Erkrankung im Menschen auslösen, wurde die Aussetzung aufgehoben.[5][6]

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handelsnamen für Rotavirusimpfstoffe sind z. B. RotaTeq und Rotarix.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Centers for Disease Control and Prevention: CDC Pink Book: Rotavirus. (PDF-Datei)
  2. WHO Model List of EssentialMedicines. In: World Health Organization. October 2013. Abgerufen am 22. April 2014.
  3. a b c Epidemiologisches Bulletin 39/2013. RKI, 30. September 2013, abgerufen am 7. November 2019.
  4. RKI - Impfthemen A - Z - Hinweise zur Schmerz- und Stressreduktion beim Impfen. August 2018, abgerufen am 7. November 2019.
  5. a b U.S. Food and Drug Administration: Update on Recommendations for the Use of Rotavirus Vaccines. Abgerufen am 13. Juli 2012.
  6. FDA's MedWatch Safety Alerts: May 2010 Rotarix Vaccine Suspension Lifted