Lebendimpfstoff

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Ein Lebendimpfstoff besteht im Gegensatz zum Totimpfstoff aus sehr geringen Mengen funktionsfähiger Keime. Sie sind so abgeschwächt (attenuiert), dass sie sich zwar noch vermehren, die Krankheit aber bei immunkompetenten Impflingen nicht mehr auslösen können (Verlust mancher Virulenzfaktoren). Diese (genetischen) Veränderungen können natürlicherweise erfolgen (spontane Mutationen) oder durch gentechnische Veränderung.[1] Verabreicht wird ein Lebendimpfstoff als Spritzimpfung (Injektion) oder als Schluckimpfung (oral).

Falls es sich bei den Krankheitserregern um Viren handelt, ist die Bezeichnung „Lebendimpfstoff“ streng genommen nicht korrekt, da Viren keine Lebewesen sind. Die Bezeichnung hat sich aber trotzdem wie im angelsächsischen Sprachraum (beispielsweise in „Live attenuated influenza virus vaccine“, LAIV) durchgesetzt.

Vor- und Nachteile gegenüber Totimpfstoffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Vorteil ist, dass bei Lebendimpfungen eine natürliche Infektion imitieren und der Schutz nach einer Grundimmunisierung lange oder auch lebenslang anhält. Die Immunreaktion kann humoral oder zellvermittelt sein.[1] Für immungeschwächte Personen ist er allerdings nicht geeignet, da bei einer Immunschwäche die Impferreger sich zu stark ausbreiten. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Impfung sehr selten ähnliche Beschwerden wie die Krankheit selbst hervorruft. Sie fallen aber meist sehr schwach aus und dauern nur wenige Tage an. Im Vergleich zu früher sind die heutigen Lebendimpfungen sehr gut verträglich. Die in Europa aufgegebene Polio-Schluckimpfung hatte in extremen Einzelfällen gar dauerhafte Lähmungen im Sinne einer Impfpoliomyelitis ausgelöst. Außerdem könnten die Impfviren Rückmutationen erfahren.[1]

Schwangerschaft und Stillzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach aktuellen Empfehlungen des in Deutschland dafür zuständigen Robert-Koch-Instituts sollte eine Schwangerschaft mindestens einen Monat nach Impfung mit Lebendimpfstoffen vermieden werden.[2] Während der gesamten Schwangerschaft sind Lebendimpfstoffe kontraindiziert. Hunderte kurz vor oder während der Schwangerschaft durchgeführten Impfungen haben keine kongenitale Fehlbildungen ergeben. Dagegen können fällige Impfungen mit Totimpfstoffen den werdenden Müttern im zweiten und dritten Drittel der Schwangerschaft bedenkenlos verabreicht werden; im ersten Drittel sollten zum Ausschluss jeglichen Risikos für das Kind dagegen nur diejenigen Totstoff-Impfungen vorgenommen werden, die individuell dringend indiziert sind. In der anschließenden Stillzeit sind Impfungen generell ohne Beschränkungen möglich (außer eine Lebendimpfung gegen Gelbfieber).[2] Bei der Lebendimpfung mit dem Rotavirusimpfstoff sollte eine Stunde nach und vor dem Impfen nicht gestillt werden, um die Wirkung zu optimieren.

Lebendimpfstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterschiedliche Lebendimpfstoffe bzw. Totimpfstoffe können simultan verabreicht werden. Lebendimpfstoffe können aber Interferon induzieren, was eine weitere Infektion unterdrückt. Daher sollten Lebend- und Totimpfstoffe gleichzeitig gegeben werden.[1] Bei nicht gleichzeitiger Impfung soll der Abstand zwischen zwei Lebendimpfungen allerdings mindestens vier Wochen betragen. Totimpfstoffe oder eine Kombination mit ihnen betrifft dies nicht.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Herbert Hof, Rüdiger Dörries: Medizinische Mikrobiologie. 5. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-13-125315-6, S. 729 ff.
  2. a b Kann in der Schwangerschaft und Stillzeit geimpft werden? Robert Koch-Institut, 17. April 2015, abgerufen am 2. Februar 2020.