Rote Fabrik

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Rote Fabrik
Ansicht vom Zürichsee

Die Rote Fabrik ist ein ehemaliges Fabrikareal in Zürich-Wollishofen, das heute als Kulturzentrum genutzt wird. Sie wird so genannt, weil die Gebäude aus roten Backsteinen bestehen; mitunter aber auch, weil Linksparteien sich für ihre Umnutzung einsetzten.

Geschichte[Bearbeiten]

Gewerbliche Nutzung[Bearbeiten]

Die Rote Fabrik wurde 1892 nach Plänen des Architekten Carl Arnold Séquin für die Seidenfirma Henneberg erbaut; 1899 erfolgte die Übernahme durch die Seidenwebereien Stünzi Söhne aus Horgen. 1940 wurde die Fabrik von der ITT-Tochter Standard Telephon & Radio AG übernommen. 1972 erwarb die Stadt Zürich die Fabrik und plante, das Gebäude abzureissen, um die Seestrasse verbreitern zu können.

Volksinitiative und IG Rote Fabrik[Bearbeiten]

Die Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) lancierte 1974 eine Volksinitiative für den Erhalt der Roten Fabrik und die Umwandlung in ein Kulturzentrum. In der Folge wurden Ateliers für Künstler eingerichtet und es fanden kulturelle Veranstaltungen statt. 1977 entschied sich das Zürcher Stimmvolk für den Erhalt und die Nutzung als Kultur- und Freizeitzentrum.

Da sich die Stadt Zürich nicht an den Auftrag bezüglich der kulturellen Nutzung hielt, wurde 1980 die Interessengemeinschaft Rote Fabrik (IGRF) gegründet. Als am 30. Mai 1980 mit einem Volksfest für einen Kredit in der Höhe von 61 Millionen Franken für das Opernhaus geworben wurde, kam es zu den «Opernhauskrawallen», gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der so genannten Jugendbewegung, der Stadtregierung und der Polizei. Die Jugendbewegung forderte von der Stadt Räume für alternative Jugendkultur, so sollte das Kulturzentrum Rote Fabrik in Wollishofen oder ein anderes Gebäude für ein Autonomes Jugendzentrum von der Stadt zur Verfügung gestellt werden.

Kulturzentrum Rote Fabrik[Bearbeiten]

Am 25. Oktober 1980 wurde (vorerst provisorisch) das Kulturzentrum Rote Fabrik eröffnet. Musik und Theater bildeten das Schwergewicht der Aktivitäten, und allbekannt war das organisierte selbständige Veloflicken (autonome Fahrradreparatur). Manche freie Theatergruppen, die in der Szene zunehmenden Einfluss gewannen, gaben in der Roten Fabrik ihr Debüt. Auch das Taktlos Festival wird dort veranstaltet.

1981 wurde die Rote Fabrik unter Denkmalschutz gestellt und 1985 das Restaurant Ziegel oh Lac (als Anspielung auf das Hotel Baur au Lac) und die Shedhalle eröffnet. In einer Volksabstimmung wurde 1987 darüber entschieden, dass die Rote Fabrik als alternatives Kulturzentrum genutzt und auch subventioniert werden sollte.

Anfangs der 1990er Jahre wurde das Areal saniert. 2002 wurden die Subventionen auf 2.3 Mio. Franken angepasst, womit jährlich mehr als 300 Veranstaltungen durchgeführt wurden. 2010 wurde das 30-jährige Bestehen gefeiert und mit der Veranstaltungsreihe 30 Jahre sind genug selbstkritisch hinterfragt. Die Rote Fabrik wird weiterhin durch eine IG als Kollektiv geführt.

Seit 2008 befindet sich auf dem Areal auch eine Filiale des Raum für Medienkulturen der Welt, „Dock18“.

Im Juni 2012 brach in der Roten Fabrik ein Brand aus. Nach einigen Stunden brachte die Feuerwehr den Schwelbrand unter Kontrolle. Es wurden keine Personen verletzt, jedoch wurde eine grosse Menge an künstlerischer Arbeit zerstört.[1]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rote Fabrik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lucienne-Camille Vaudan, Pia Wertheimer: Rote Fabrik: Feuer nach Stunden unter Kontrolle. In: Tages-Anzeiger. 13. Juni 2012, abgerufen am 22. November 2013.

47.3433333333338.5366666666667Koordinaten: 47° 20′ 36″ N, 8° 32′ 12″ O; CH1903: 682976 / 244189