Rudolf Doernach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Rudolf Doernach, 1975
Rudolf Doernach, 2000

Rudolf Doernach (* 17. August 1929 in Stuttgart;[1]15. Mai 2016 in Wildberg) war ein deutscher Architekt, Bioarchitekt und Landwirt in Wildberg (Schwarzwald).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Architekturstudium an der Technischen Hochschule in Stuttgart, studierte er als Fulbright-Stipendiat in den USA Biotektur. Danach war er in den USA tätig, mit leichten Schalenkonstruktionen und schwimmenden Kunststoffhäusern auch als Projektpartner von Buckminster Fuller. Es folgten zwanzig Jahre freiberuflicher Tätigkeit, spezialisiert auf Forschungs- und Entwicklungsarbeiten an Baustoffen und Bausystemen.[2] Er unterrichtete 1960 bis 1963 an der Ulmer Hochschule für Gestaltung.

Zurückgekehrt nach Deutschland war er seit 1974 in Forschungskontakt mit Frei Otto und dem Institut für Leichte Flächentragwerke IL in Stuttgart, dort speziell bei dem Forschungsprojekt SFB 230 „Natürliche Konstruktionen“ seit 1988. Parallel dazu gründete er als Biotekt die Bioversität als Forschungsinstitut und Volkshochschule in Wildberg/Schwarzwald. Seitdem plant er die Gebäude nicht mehr, sondern er „lässt sie wachsen“. Sowohl im übertragenen Sinne, dass sie aufgrund neuer Ideen und Bedürfnisse regelmäßig an- und umgebaut werden, als auch indem er die Gebäude beispielsweise aus Weiden wachsen lässt oder sie mit Kletterpflanzen als lebendigem Mauerschutz oder durch Grasdächer begrünt. Dort wurden seit 1975 mehrere Prototypen von Geodätischen Kuppeln und Gitterschalen mit Pflanzenhaut errichtet.

Er hatte zahlreiche Vorträge und Seminare auch gemeinsam mit Hans A. Pestalozzi und Friedensreich Hundertwasser. Doernach arbeitete mehrere Jahre im Beirat für Bauforschung in Bonn.[3]

Leistung, Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bioversität in Gültlingen

Er schuf den bisher nicht ins Fachvokabular eingegangenen Begriff der Biotektur als Bauen mit lebenden Baustoffen, Pflanzen als Traggerüste und bioklimatische Haut, zugleich als Wand, Dach, Energieerzeugung und Dämmung. In seinem Forschungsinstitut Bioversität wurden seit 1975 mehrere Prototypen von Geodätischen Kuppeln und Gitterschalen mit Pflanzenhaut realisiert. Bei dem interdisziplinären Forschungsprojekt SFB 230 Natürliche Konstruktionen [4] wurde angeblich der Begriff Bionik entwickelt.

Mit dem Doppelband „Handbuch für bessere Zeiten“ wurde Dörnach 1983 einem breiten Publikum aus der Öko-Szene bekannt. Die praktischen Beschreibungen und Anleitungen zu alten handwerklichen Techniken aus den Bereichen Bauen und Wohnen, Kleidung, Heimwerk, Wasser, Nahrung, Tiere und Energie wurden in vielen alternativen Wohnprojekten in der Stadt und auf dem Land umgesetzt. Weitere Themen sind Lehmbau, Permakultur, Pflanzenkläranlage, Haus- und Dachbegrünung.

Zur Landesgartenschau in Freiburg, Baden-Württemberg, schuf er 1986 eine große selbsttragende immergrüne „Stadtlaube“, die gemeinsam mit Naturgarten, Feuchtbiotop, Naturhaus, Gartenhaus zur Ökostation zusammen wuchs. [5]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Doernach: Pflanzenfassaden Pflanzenklima Biotektur. In: Ökojournal. Nr. 4, Bächli Verlag, Hemberg/Schweiz 1978.
  • Rudolf Doernach: Bauklimatologie Biotektur. In: db. Nr. 12 1974, Deutsche Bauzeitung Verlag, Leinfelden 1974, ISSN 0721-1902.
  • Rudolf Doernach: Biohaus für Dorf und Stadt. Wohngemeinschaft zwischen Pflanzen, Tier u. Mensch. Fischer Verlag, Frankfurt 1981, ISBN 3-596-24055-7. (Reihe fischer alternativ)
  • Rudolf Doernach: Süddeutsche Bauernhäuser. Umschau Verlag, Frankfurt 1986, ISBN 3-524-63038-3.
  • Rudolf Doernach: Handbuch für bessere Zeiten. Klett Verlag, Stuttgart 1983.
  • Rudolf Doernach: Archi-Bio: Biosophie-Archaitektur. C. F. Müller Verlag, Karlsruhe 1985, ISBN 3-7880-7282-2.
  • Rudolf Doernach: Naturwerkstatt. Wolfgang Krüger Verlag, Frankfurt 1985, ISBN 3-8105-0421-1.
  • Rudolf Doernach: Biotektur Naturbau. In: Subjective Standpoints. Mitteilungen des Institut für Leichte Flächentragwerke IL Nr. 36, Karl Krämer Verlag, Stuttgart 1984, ISBN 3-7828-2036-3.
  • Rudolf Doernach: Green is Beautiful Biotecture. Biohaus Verlag, Wildberg 1979.
  • Rudolf Doernach: Entwurfsprozesse in Natur und Architektur. In: Natürliche Konstruktionen. Konzepthefte Nr. 10 des SFB 230, Universität Stuttgart, 1988.
  • Rudolf Doernach, Vortragsreihe bei den Goldegger Dialogen, Goldegg 1985.
  • Rudolf Doernach, Aufsatz in Natürliche Konstruktionen Mitteilungen des SFB 230, Universität Stuttgart, 1988, ISBN 3-927078-00-X.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rudolf Doernach. In: archINFORM.
  2. Ehrung durch den Fachverband Schaumkunststoffe und Polyurethane e.V. (1975)
  3. Ehrung durch den Fachverband Schaumkunststoffe und Polyurethane e.V. (1975)
  4. Beiträge zum 1. Internationalen Symposium des SFB 230. Natürliche Konstruktionen - Leichtbau in Architektur und Natur. Tl.2
  5. Ökostation Freiburg, anlässlich der Landesgartenschau 1986. Archplus: Ausgabe 92, Seite 77-83