Rudolf Pannwitz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Rudolf Pannwitz

Rudolf Pannwitz (* 27. Mai 1881 in Crossen/Oder, heute Krosno Odrzańskie; † 23. März 1969 in Astano/Tessin) war ein deutscher Schriftsteller und Philosoph.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pannwitz studierte nach dem Besuch des Gymnasiums Philosophie, Klassische Philologie, Germanistik und Sanskrit in Marburg und Berlin und unterrichtete als Privatlehrer. Erste Gedichte erschienen in Stefan Georges Blätter für die Kunst. Pannwitz schrieb auch politische Beiträge für die Weltbühne. Mit Otto zur Linde gab Pannwitz die Zeitschrift Charon heraus. Bekanntheit erzielte er mit seinem Buch Die Krisis der europäischen Kultur. Seit 1921 lebte er zuerst auf der Insel Koločep und später auf der Nachbarinsel Korcula (Dalmatien) mit mehreren Gleichgesinnten.[1] In einer Erzählung schildert Pannwitz sehr anschaulich das Zusammenleben auf den Inseln.[2] Pannwitz wurde 1933 aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen, nachdem er die vom nationalsozialistischen Regime geforderte Loyalitätserklärung verweigert hatte.[3] 1948 zog Pannwitz in die Schweiz in die Nähe des Luganer Sees (Ciona). Dort kam es zu einer Begegnung mit Hermann Hesse. Durch Vermittlung des Nobelpreisträgers bezog Pannwitz ein Haus in Astano.[4] Es entwickelte sich eine langjährige Freundschaft. Rudolf Pannwitz fertigte ein Essay zum "Steppenwolf" an. Hesse bat um Erlaubnis, das Prosastück zu veröffentlichen. Im Vorwort zur Auflage schreibt er: „Zu meinem 85. Geburtstag hat mich Rudolf Pannwitz mit diesem Aufsatz beschenkt und auf meinem Vorschlag hin den Abdruck an dieser Stelle gestattet.“[5]

Seit 1952 war er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. 1953 wurde in der Bundesrepublik Deutschland die Tradition des Ehrensoldes für Künstler wieder eingeführt. Zwei Jahre später wurde ihm als Wiedergutmachung die materielle Zuwendung durch das Präsidialamt ausgezahlt. In der Folge bekam er das Bundesverdienstkreuz, den Schiller- und den Andreas-Gryphius-Preis.

Werke (in Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Volksschullehrer und die deutsche Sprache, Berlin 1907
  • Der Volksschullehrer und die deutsche Kultur, Berlin 1909
  • Zur Formenkunde der Kirche, Wittenberg 1912
  • Dionysische Tragödien, Nürnberg 1913
  • Die Freiheit des Menschen, Nürnberg 1917
  • Die Krisis der europaeischen Kultur, Nürnberg 1917 (bei archive.org)
  • Deutschland und Europa, Nürnberg 1918
  • Baldurs Tod, Nürnberg 1919
  • Die deutsche Lehre, 1919
  • Faustus und Helena, Nürnberg 1920
  • Aus dem Chaos zur Gemeinschaft, München-Feldafing 1921
  • Orplid, München 1923
  • Das neue Leben, München-Feldafing 1927
  • Die deutsche Idee Europa, München-Feldafing 1931
  • Lebenshilfe, Zürich 1938
  • Das Weltalter und die Politik, Zürich 1948
  • Beiträge zu einer europäischen Kultur, Nürnberg 1954
  • Kommunismus, Faschismus, Demokratie, Zürich 1961
  • Wasser wird sich ballen, Stuttgart 1963
  • Eine Auswahl aus seinem Werk. Hrsg. von Erwin Jaeckle. Wiesbaden 1983, ISBN 3-515-03936-8
  • Undine. Ein nachgelassenes Versepos. Mit einem Essay zu Leben und Werk des Dichters, hrsg. von Gabriella Rovagnati. Nürnberg 1999, ISBN 3-418-00574-8

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alessandro Gamba, Mondo disponibile e mondo prodotto. Rudolf Pannwitz filosofo, Vita e Pensiero, Milano 2007. ISBN 88-343-1624-X
  • Alfred Guth: Rudolf Pannwitz. Un européen, penseur et poète allemand en quête de totalité, 1881 - 1969. Paris 1973. ISBN 2-252-01436-9
  • Stefan Jordan: Pannwitz, Rudolf. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 35 f. (Digitalisat).
  • Gabriella Rovagnati (Hg.), "der geist ist der könig der elemente". Der Dichter und Philosoph Rudolf Pannwitz, Bücken & Sulzer, Overath 2006. (Beiträge der Mailänder Pannwitz-Tagung vom 6. Mai 2004; Beiträge von Ulrich von Bülow, Marco Castellari, Elio Franzini, Hans-Albrecht Koch, Andreas Mauz, Marco Meli, Gabriella Rovagnati, Martin Stern)
  • Udo Rukser: Über den Denker Rudolf Pannwitz. Mit einer Selbstbiographie von Pannwitz und einer Bibliographie. Meisenheim (am Glan) 1970 (Monographien zur philosophischen Forschung 64).
  • Marc-Oliver Schuster, 'Rudolf Pannwitz’ kulturphilosophische Verwendungen des Begriffes postmodern. In: Archiv für Begriffsgeschichte 47 (2005): 193–215.
  • László V. Szabó: Renascimentum europaeum: Studien zu Rudolf Pannwitz. Frank & Timme, Berlin 2015, ISBN 978-3-7329-0185-2.
  • Ferdinand Ruigrok van de Werve: Emmy Gotzmann. Farbige Kraft in schwierigen Zeiten. Verlag Ludwig, Kiel 2015, Seiten 200. ISBN 978-3-86935-256-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rudolf Pannwitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ferdinand Ruigrok van de Werve: Emmy Gotzmann. Farbige Kraft in schwierigen Zeiten. Ludwig Verlag S. 114
  2. Rudolf Pannwitz: Das neue Leben, München 1927
  3. Ausgeschlossen, ausgetreten: 1933 bis 1938. In: Akademie der Künste (Reden von Klaus Staeck und Wolfgang Thierse zur Einweihung der Inschrift am 7. Mai 2008).
  4. László V. Szabó: Renascimentum europaeum: Studien zu Rudolf Pannwitz. Frank & Timme, Berlin 2015, ISBN 978-3-7329-0185-2, S. 200.
  5. Ferdinand Ruigrok van de Werve: Emmy Gotzmann. Farbige Kraft in schwierigen Zeiten. Ludwig Verlag, S. 122