Rushton Coulborn

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Arthur Percy Rushton Coulborn (* 14. Juli 1901 in Alderley Edge[1]; † 17. April 1968 in Bradford (Massachusetts)[2]) war ein amerikanischer Historiker englischer Herkunft.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Coulborn studierte in Oxford sowie in Frankreich, Deutschland und Amerika.[1] 1927 oder 1928 wurde er Forschungsassistent von Arnold J. Toynbee.[3] 1931 promovierte Coulborn mit seiner Dissertation The Economic and Political Preliminaries of the Crusade of Henry Despenser, Bishop of Norwich, in 1383.[4] 1939 erhielt er einen Lehrstuhl für Geschichte und Vorgeschichte an der Atlanta University, wo er auch bis 1965 Dekan der Geschichtswissenschaftlichen Fakultät war.[5]

Sein wissenschaftliches Hauptthema war vergleichende Geschichtswissenschaft unter Einbeziehung der Ethnologie. Hierbei ging er von der Grundthese aus, dass eine Beschäftigung mit der Geschichte auf sozial- und kulturgeschichtlicher Basis erfolgen sollte. Eine bloße Geschichtsbetrachtung, die auf das Nacherzählen größerer (vor allem politischer) Ereignisse aufbaut, sei nicht ausreichend.[1] Ein zentrales Werk stellt The Origin of civilized societies (1959) dar, das auch ins Deutsche übersetzt wurde und thematisch an seine Zeit mit Toynbee anknüpft (vgl. dessen Hauptwerk Der Gang der Weltgeschichte).

Coulborns Ehe mit seiner ersten Frau Florence wurde noch in England geschieden, er hatte mit ihr ein Kind.[6] Seit 1937 war er mit Helen McIntosh verheiratet, die als Englisch-Dozentin an der Atlanta University arbeitete und mit der er fünf Kinder hatte, sie starb 1962 bei einem Autounfall.[7] Später war Coulborn mit der deutschstämmigen Soziologin Imogen Seger verheiratet, die 1953 für ihr Studium ins Land gekommen war.[8] Wie aus einer Danksagung Segers in ihrer Abschlussarbeit von 1957 hervorgeht, kannten sie sich bereits zu diesem Zeitpunkt länger.[9] Vermutlich im Anschluss an Coulborns Tod kehrte sie wieder nach Deutschland zurück.[10] Coulborns Nachlass wurde von ihr 1974 der Princeton University übergeben.[11]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • International Security (mit Edvard Beneš und Arthur Feiler, Herausgeber: Walter H. C. Laves), The University of Chicago Press, Chicago 1939
  • The origin of civilized societies, Princeton University Press, Princeton 1959 (dt. Übersetzung Der Ursprung der Hochkulturen. Kohlhammer, Stuttgart 1962 (= Urban Bücher 65))

Als Herausgeber:

  • Feudalism in history, Princeton University Press, Princeton 1956 (mit Vorwort von Alfred Kroeber)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Rushton Coulborn: Der Ursprung der Hochkulturen. Kohlhammer, Stuttgart 1962 (= Urban Bücher 65).
  2. Sterbedatum nach Rushton Coulborn: The Origin of civilized societies. Princeton University Press, Princeton 2015, ISBN 978-0-691-62194-4, S. XIII. Sterbeort nach dem Jahresbericht (Annual Report) der American Historical Association für 1968, S. 34 (als Sterbedatum wird dort der 16. April angegeben, dieser Artikel folgt der aktuelleren Darstellung).
  3. William H. McNeill: Arnold J. Toynbee: A Life. Oxford University Press, New York et al. 1989, ISBN 0-19-505863-1, S. 308.
  4. Eintrag bei WorldCat.
  5. Rushton Coulborn: Der Ursprung der Hochkulturen, Kohlhammer, Stuttgart 1962 u. Wayne M. Bledsoe: The Advent of Civilization. Heath, Lexington (Massachusetts) 1975, ISBN 978-0669947144, S. 48.
  6. Coulborn et al. v. Joseph. 14511. Supreme Court of Giorgia. April 14, 1943. Action on foreign judgment. Before judge Paul. S. Etheridge. Fultron Superior Court. January 13, 1943.
  7. Phylon Profile, XXIV: Helen McIntosh Coulborn, Clark Atlanta University, 1963 (Jg. 24), Ausgabe 1, S. 13–19.
  8. Kurzbiografie von Imogen Seger innerhalb einer Biografie Elisabeth Noelle-Neumanns, Abschnitt Semesterferien: Frauenarbeitsdienst.
  9. Durkheim and his Critics on the Sociology of Religion bei WorldCat.
  10. Die Politische Meinung, 1995 (Jg. 40), S. 296.
  11. Princeton Library – Rushton Coulborn Papers 1939–1970.