Süßwasserstechrochen

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Süßwasserstechrochen
Pfauenaugen-Stechrochen (Potamotrygon motoro)

Pfauenaugen-Stechrochen (Potamotrygon motoro)

Systematik
Klasse: Knorpelfische (Chondrichthyes)
Unterklasse: Euselachii
Teilklasse: Plattenkiemer (Elasmobranchii)
ohne Rang: Rochen (Batoidea)
Ordnung: Myliobatiformes
Familie: Süßwasserstechrochen
Wissenschaftlicher Name
Potamotrygonidae
Garman, 1877

Die Süßwasserstechrochen (Potamotrygonidae), kurz Süßwasserrochen, sind eine in Südamerika lebende Familie der Rochen, sowie die einzige Familie der Knorpelfische, von denen die meisten Arten im Süßwasser vorkommen. Zu ihnen zählen fünf Gattungen mit über 30 Arten; mehrere davon wurden erst in den 2010ern beschrieben.

Die Potamotrygonidae sind wahrscheinlich monophyletisch und eine Entwicklungslinie von Stechrochenartigen, die im Mündungsgebiet des Uramazonas lebten, als dieser noch in den Pazifik floss. Durch die Auffaltung der Anden wurden sie von ihrem bisherigen Lebensraum abgeschnitten. Die Familie entwickelte sich wahrscheinlich am Ende der Kreide oder im frühen Tertiär. Aus dem Eozän sind die Potamotrygonidae fossil überliefert. Sie zeigen durch die Reduzierung der Rektaldrüse und den geringen Harnstoffgehalt im Blut ihre Anpassung an das Süßwasser.

Im weiteren Sinne inkludiert der Begriff Süßwasserrochen auch einige in Flüssen lebende Arten aus der verwandten Familie der Stechrochen (Dasyatidae), wie den asiatischen Laos-Stechrochen und die drei Arten der Gattung Fluvitrygon.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Süßwasserstechrochen sind oft kreisrund, die Gattung Paratrygon etwas länger als breit. Sie haben keine Rückenflossen und keine Schwanzflosse. Der Schwanz ist peitschenförmig, mit einem giftigen, mit Widerhaken versehenen Stachel. Alle 6 bis 12 Monate wächst ein neuer Stachel nach.

Ihre Farbe ist meist braun, grau oder schwarz mit einer Zeichnung von farbigen Punkten, Flecken oder Kringeln. Sie erreichen je nach Art einen Durchmesser von 25 Zentimeter bis knapp über einen Meter.

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie die meisten Rochen sind die Süßwasserrochen lebendgebärend (ovovivipar). Sie haben eine innere Befruchtung. Meist werden zwischen zwei und sieben, seltener bis zwölf Jungfische geboren, die noch Reste des Dottersacks haben können.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Süßwasserstechrochen sind ausschließlich in den tropischen Zonen Süd- und Mittelamerikas heimisch. Sie leben jedoch nur in Flüssen, die in den Atlantik oder in die Karibik münden, nicht jedoch im Bassin des Rio São Francisco. Die meisten Arten leben nur in einem Flusssystem, einige endemisch nur in einem bestimmten Fluss (z. B. Potamotrygon leopoldi). Nur wenige Arten, wie Potamotrygon motoro und Potamotrygon orbignyi, haben ein weiteres Verbreitungsgebiet, das mehrere Flusssysteme einschließt.

Gattungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt zwei Unterfamilien, die eigentlichen Süßwasserstechrochen (Potamotrygoninae) und die marinen Styracurinae. Insgesamt umfassen die Potamotrygonidae fünf Gattungen, die über 25 Arten enthaltende Gattung Potamotrygon und vier weitere, zu denen nur zwei bzw. eine Art gehören.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joseph S. Nelson: Fishes of the World, John Wiley & Sons, 4. Auflage, 2006, ISBN 0-471-25031-7
  • Hans Gonella: Ratgeber Süsswasserrochen. Bede, Ruhmannsfelden 1997, ISBN 978-3-931792-39-8.
  • Claus Schaefer, Torsten Schröer (Hrsg.): Das große Lexikon der Aquaristik. Ulmer, Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-7497-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carvalho, M.R.d., Loboda, T.S. & Silva, J.P.C.B.d. (2016): A new subfamily, Styracurinae, and new genus, Styracura, for Himantura schmardae (Werner, 1904) and Himantura pacifica (Beebe & Tee-Van, 1941) (Chondrichthyes: Myliobatiformes). Zootaxa, 4075 (3): 201-221. doi: 10.11646/zootaxa.4175.3.1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Süßwasserstechrochen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien