Süßwasserstechrochen

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Süßwasserstechrochen

Pfauenaugen-Stechrochen (Potamotrygon motoro)

Systematik
Klasse: Knorpelfische (Chondrichthyes)
Unterklasse: Euselachii
Teilklasse: Plattenkiemer (Elasmobranchii)
ohne Rang: Rochen (Batoidea)
Ordnung: Myliobatiformes
Familie: Süßwasserstechrochen
Wissenschaftlicher Name
Potamotrygonidae
Garman, 1877

Die Süßwasserstechrochen (Potamotrygonidae), kurz Süßwasserrochen, sind eine in Südamerika lebende Familie der Rochen, sowie die einzige Familie der Knorpelfische, von denen die meisten Arten im Süßwasser vorkommen. Zu ihnen zählen fünf Gattungen mit derzeit 37 bekannten Arten.[1] Die Familie ist Gegenstand aktueller Forschung, viele Arten wurden erst in den 2010ern beschrieben.

Die Potamotrygonidae sind monophyletisch[1] und eine Entwicklungslinie von Stechrochenartigen, die im Mündungsgebiet des Uramazonas lebten, als dieser noch in den Pazifik floss. Durch die Auffaltung der Anden wurden sie von ihrem bisherigen Lebensraum abgeschnitten. Die Familie entwickelte sich wahrscheinlich am Ende der Kreide oder im frühen Tertiär. Aus dem Eozän sind die Potamotrygonidae fossil überliefert. Sie zeigen durch die Reduzierung der Rektaldrüse und den geringen Harnstoffgehalt im Blut ihre Anpassung an das Süßwasser.

Es gibt auch Stechrochen in südostasiatischen Flüssen, wie den asiatischen Laos-Stechrochen, Makararaja chindwinensis und die drei Arten der Gattung Fluvitrygon. Diese gehören jedoch nicht zu den rein neotropischen Süßwasserstechrochen, sondern zu den Stechrochen (Dasyatidae) und haben sich unabhängig von den Süßwasserstechrochen der Familie Potamotrygonidae entwickelt.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Süßwasserstechrochen sind oft kreisrund, die Gattung Paratrygon etwas länger als breit. Sie haben keine Rückenflossen und keine Schwanzflosse. Der Schwanz ist peitschenförmig, mit einem giftigen, mit Widerhaken versehenen Stachel. Alle 6 bis 12 Monate wächst ein neuer Stachel nach.

Ihre Farbe ist meist braun, grau oder schwarz mit einer Zeichnung von farbigen Punkten, Flecken oder Kringeln. Sie erreichen je nach Art einen Durchmesser von 25 Zentimeter bis knapp über einen Meter (Ausnahme 1,5 bzw. 2 m bei Styracura).

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie die meisten Rochen sind die Süßwasserrochen lebendgebärend (ovovivipar). Sie haben eine innere Befruchtung. Meist werden zwischen zwei und sieben, seltener bis zwölf Jungfische geboren, die noch Reste des Dottersacks haben können.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Süßwasserstechrochen sind ausschließlich in den tropischen Zonen Süd- und Mittelamerikas heimisch. Sie leben jedoch nur in Flüssen, die in den Atlantik oder in die Karibik münden, nicht jedoch im Bassin des Rio São Francisco. Die meisten Arten leben nur in einem Flusssystem, einige endemisch nur in einem bestimmten Fluss (z. B. Potamotrygon leopoldi). Nur wenige Arten, wie Potamotrygon motoro und Potamotrygon orbignyi, haben ein weiteres Verbreitungsgebiet, das mehrere Flusssysteme einschließt.

Gattungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt zwei Unterfamilien, die eigentlichen Süßwasserstechrochen (Potamotrygoninae) und die marinen Styracurinae. Insgesamt umfassen die Potamotrygonidae fünf Gattungen, die über 25 Arten enthaltende Gattung Potamotrygon und vier weitere, zu denen nur zwei bzw. drei Arten gehören.

Das folgende Kladogramm zeigt die Verwandtschaft der Gattungen zueinander:[1]

 Potamotrygonidae 
 Styracurinae 

Styracura


 Potamotrygoninae 


Heliotrygon


   

Paratrygon



   


Potamotrygon brachyura


   

Plesiotrygon



   

Potamotrygon





Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joseph S. Nelson: Fishes of the World, John Wiley & Sons, 4. Auflage, 2006, ISBN 0-471-25031-7
  • Hans Gonella: Ratgeber Süsswasserrochen. Bede, Ruhmannsfelden 1997, ISBN 978-3-931792-39-8.
  • Frank Schäfer: Potamotrygonidae. In: Claus Schaefer, Torsten Schröer (Hrsg.): Das große Lexikon der Aquaristik. 2 Bände. Eugen Ulmer, Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-7497-9, S. 805.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c João Pedro Fontenelle, Nathan R. Lovejoy, Matthew A. Kolmann, Fernando P. L. Marques (2021): Molecular phylogeny for the Neotropical freshwater stingrays (Myliobatiformes: Potamotrygoninae) reveals limitations of traditional taxonomy. Biological Journal of the Linnean Society, 2021 (XX): 1–21. doi: 10.1093/biolinnean/blab090
  2. Loboda, T.S., Lasso, C.A., Rosa, R.S. & Carvalho, M.R.: Two new species of freshwater stingrays of the genus Paratrygon (Chondrichthyes: Potamotrygonidae) from the Orinoco basin, with comments on the taxonomy of Paratrygon aiereba. Neotropical Ichthyology, 19 (02) • 2021 • doi: 10.1590/1982-0224-2020-0083
  3. Carvalho, M.R.d., Loboda, T.S. & Silva, J.P.C.B.d. (2016): A new subfamily, Styracurinae, and new genus, Styracura, for Himantura schmardae (Werner, 1904) and Himantura pacifica (Beebe & Tee-Van, 1941) (Chondrichthyes: Myliobatiformes). Zootaxa, 4075 (3): 201-221. doi: 10.11646/zootaxa.4175.3.1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Süßwasserstechrochen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien