SMS A 20

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SMS A 20
Das Schwesterschiff A 12 als belgische A2 Prince Charles nach 1918
Das Schwesterschiff A 12 als belgische A2 Prince Charles nach 1918
Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge) Deutsches Reich
BelgienBelgien (Handelsflagge) Belgien
Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge) Deutsches Reich
andere Schiffsnamen
  • A 9 PC (1919)
  • A 9 (1927)
  • A 20 (1927)
  • West Diep (1931)
  • Reiher (1942)
  • Warendorp (1943)
Schiffstyp Torpedoboot
Bauwerft A.G. Vulcan, Hamburg; BauNr. 39
Stapellauf 27. August 1915
Verbleib 1948 in Wilhelmshaven abgewrackt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
41,58 m (Lüa)
Breite 4,60 m
Tiefgang max. 1,52 m
Verdrängung 109/137 t
 
Besatzung 28 Mann
Maschinenanlage
Maschine 1 × stehende Dreifach-Expansionsmaschine
Maschinen-
leistung
1,200 PS (1 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
19 kn (35 km/h)
Propeller 1
Bewaffnung

SMS A 20 war ein 1915 gebautes Küstentorpedoboot der Klasse A I der Kaiserlichen Marine. 1919 übernahm die belgische Marine das Schiff zunächst als A 9 PC, später folgten Umbenennungen in A 9, A 20 und West Diep. 1940 übernahm die deutsche Kriegsmarine das Schiff und baute es zum Schnellschlepper Reiher, dann zum E-Meß-Schulboot Warendorp um. 1948 erfolgte die Abwrackung.

Bau und technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

A 20 gehörte zu den 25 Booten der Klasse A I, einem speziell für den Einsatz vor Flandern konzipierten Torpedobootstyp. Das A-Boot sollte zudem als schnelles Minensuchboot und Geleitfahrzeug einsetzbar sein. Das Boot wurde in bei der A.G. Vulcan in Hamburg auf Kiel gelegt und lief am 27. August 1915 vom Stapel. Nur wenige Tage später, am 1. September 1915, erfolgte die Indienststellung.

Anschließend wurde das Boot, wie 14 andere Boote der Klasse auch, wieder zerlegt und per Eisenbahn in das besetzte Belgien transportiert. In Hoboken, heute ein Stadtteil von Antwerpen, wurde das Boot wieder zusammengebaut.[1]

Die Länge betrug 41,58 Meter, es war 4,60 Meter breit und wies einen Tiefgang von 1,52 Metern auf. Die Verdrängung betrug 109 Standardtonnen (137 Tonnen maximal). Der Antrieb bestand aus zwei kohlenbefeuerten Wasserrohrkesseln und einer stehenden dreizylindrigen Dreifachexpansions-Kolbenmaschine, die 1200 PS erzielte und auf eine Schraube wirkte. Damit erreichte das Boot eine Höchstgeschwindigkeit von 19–20 Knoten.

Als Bewaffnung trug A 20 eine 50 mm-Torpedobootskanone L/40 und zwei Torpedorohre 45 cm. Zudem konnte es vier Minen tragen und war mit Minenräumgerät ausgestattet. Die Besatzungsstärke betrug 28 Offiziere und Mannschaften.

Kaiserliche Marine 1915–1918[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zusammenbau wurde das Boot am 1. Mai 1916 erneut in Dienst gestellt. Die gesamte Kriegszeit verbrachte das Boot im Bereich der flandrischen Küste.

Vor Ort stellte sich heraus, dass diese Boote mit nur 20 Knoten Geschwindigkeit kaum eine Möglichkeit besaßen, offensiv als Torpedoboote tätig zu werden. Aus diesem Grund wurden die Boote nicht als Torpedoträger genutzt und die Torpedorohre wurden ausgebaut. Anschließend verwandte man die noch vorhandenen Boot nur noch zu Sicherungs-, Minensuch- und Tenderaufgaben. Die überlebenden Boote in Flandern wurden 1917 zur Minensuchflottille Flandern zusammengefasst.[2] Insgesamt bewährte sich der Bootstyp nicht.[3]

Einer der Kommandanten von A 20 war der spätere Admiral der Kriegsmarine Günther Lütjens.

Am Kriegsende stellte die Marine das Boot am 15. November 1918 bei der Räumung Belgiens außer Dienst. An diesem Tag wurde A 20 zusammen mit zwölf anderen Booten der Flandern-Flottille im niederländischen Hellevoetsluis interniert.[4]

Belgische Marine und Marineschule 1919–1940[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer 1919 musste es gemäß Versailler Vertrag zusammen mit weiteren 10 Torpedobooten und 26 Minensuchbooten an Belgien abgetreten werden. Das „Corps des Torpilleurs et Marins“ der neugegründeten belgischen Marine übernahm das Boot am 25. Juni 1919 und gab ihm zunächst die Bezeichnung A 9 PC. 1927 wurde diese in A 9 geändert. Nachdem im Mai 1927 die Marine aufgrund starken innenpolitischen Drucks und mangelnder Finanzierung aufgelöst worden war, führte das Fahrzeug wieder seine alte Bezeichnung A 20.

1931 wurde es der Staatsmarineschule in Ostende mit dem Namen West Diep übergeben.[5] Neben der Ausbildung unterstützte es die ebenfalls der Marineschule zugeordneten Wielingen und Zinnia. Zu den Aufgaben der inzwischen unbewaffneten und mit einer Zivilmannschaft besetzten West Diep gehörten hoheitsrechtliche Tätigkeiten wie die Überwachung der Schifffahrt und die Sicherung der Küste.

Kriegsmarine 1940–1945 und Verbleib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Belgien beschlagnahmten die Deutschen das Boot. In welche Form es zunächst genutzt wurde, ist unklar, möglicherweise analog der Wielingen im Küsten- und Hafenschutz. Ab 21. November 1941 erfolgte auf der Werft Beliard Crighton in Ostende der Umbau zum Schnellschlepper. Der Umbau zog sich bis 1943 in die Länge. Anschließend wurde das Boot am 2. März 1943 bei der Flakschule I in Swinemünde in Dienst gestellt. Dort diente es als Flakschulboot Reiher, ausgerüstet mit vier 37-mm-Flak. Bis Oktober 1943 wurde es dann zum E-Meß-Schulboot Warendorp[6] umgebaut und als solches innerhalb des Schulverbandes der Marineflakschule I bis Kriegsende genutzt. Die Bewaffnung bestand nun aus einer 20-mm-Flak und einem Maschinengewehr, die Stammbesatzung aus 18 Mann, dazu kamen 10 Schüler.[7]

Nach Kriegsende wurde das Boot im Mai 1945 amerikanische Kriegsbeute. Im April 1946 wurde es auf der Marinewerft Wilhelmshaven noch einmal instand gesetzt und 1948 dann ebenfalls in Wilhelmshaven endgültig abgebrochen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harald Fock: Z-vor! Band 1: Internationale Entwicklung und Kriegseinsätze von Zerstörern und Torpedobooten 1914 bis 1939. Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford 1998, ISBN 3-7822-0207-4.
  • Robert Gardiner, Roger Chesneau: Conway’s All the world’s fighting ships 1922–1946. Conway Maritime Press, London 1980, ISBN 0-8317-0303-2.
  • Erich Gröner, Dieter Jung, Martin Maass: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945. Band 2: Torpedoboote, Zerstörer, Schnellboote, Minensuchboote, Minenräumboote. Bernard & Graefe Verlag, Koblenz 1983, ISBN 3-7637-4801-6.
  • Erich Gröner, Dieter Jung, Martin Maass: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945. Band 5: Hilfsschiffe II: Lazarettschiffe, Wohnschiffe, Schulschiffe, Forschungsfahrzeuge, Hafenbetriebsfahrzeuge. Bernard & Graefe Verlag, Koblenz 1988, ISBN 3-7637-4804-0.
  • Hans H. Hildebrand, Albert Röhr, Hans-Otto Steinmetz: Die Deutschen Kriegsschiffe. Band 9: Geschichtlicher Überblick, Sammelkapitel Landungsboote, Minenschiffe, Minensuchboote, Schnellboote, Schulschiffe, Spezialschiffe, Tender und Begleitschiffe, Torpedoboote, Trossschiffe. Mundus Verlag 1999

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gröner Band 2, S. 36, Hildebrand, S. 159
  2. Fock: Z-Vor! Bd. 2 S. 348
  3. Gröner Bd. 2, S. 36
  4. Gröner Bd. 5, S. 112f.
  5. Gardiner, S. 385, Gröner Bd. 5, S. 112f., Hildebrand, S. 159
  6. Benannt nach Brun Warendorp, einem Lübecker Bürgermeister und Führer der hansischen Streitmacht im Kampf mit Dänemark 1361–1369.
  7. Gröner, Bd. 5, S. 112f., Hildebrand, S. 159