SMS Berlin

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Berlin
Zeichnung der SMS Berlin
Zeichnung der SMS Berlin
Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge) Deutsches Reich
Schiffstyp Kleiner Kreuzer
Klasse Bremen-Klasse
Bauwerft Kaiserliche Werft, Danzig
Baukosten 4.545.000 Mark
Stapellauf 22. September 1903
Indienststellung 4. April 1905
Verbleib Am 31. Mai 1947 versenkt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
111,1 m (Lüa)
110,6 m (KWL)
Breite 13,3 m
Tiefgang max. 5,53 m
Verdrängung Konstruktion: 3.278 t
Maximal: 3.792 t
 
Besatzung 288 bis 349 Mann
Maschinenanlage
Maschine 10 Marinekessel
2 3-Zyl.-Verbundmaschinen
Maschinen-
leistung
12.140 PS (8.929 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
23,3 kn (43 km/h)
Propeller 2 vierflügelig ⌀ 3,9 m
Bewaffnung
  • 10 × Sk 10,5 cm L/40 (1.500 Schuss)
  • 10 × Sk 5,3 cm L/55
  • 2 × Torpedorohr ⌀ 45,0 cm (5 Schuss)
Panzerung
  • Deck: 20–80 mm
  • Sülle: 100 mm
  • Kommandoturm: 20–100 mm
  • Schilde: 50 mm

Der Kleine Kreuzer SMS Berlin war ein Kriegsschiff der Kaiserlichen Marine, das im Ersten Weltkrieg eingesetzt wurde.
Sie diente noch in der Reichsmarine und führte als Schulkreuzer mehrere große Auslandsfahrten durch.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schiff wurde ab 1902 auf der Kaiserlichen Werft in Danzig für die Kaiserliche Marine gebaut. Stapellauf war am 22. September 1903 und die Indienststellung erfolgte am 4. April 1905.

Die Inneneinrichtung von Offiziersmesse und Kommandantensalon wurden nach dem Entwurf des Jugendstilkünstlers Richard Riemerschmid von den Dresdener Werkstätten für Handwerkskunst hergestellt.

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleiner Kreuzer Berlin. Feldpostkarte vom 28. Mai 1915

Der Kleine Kreuzer Berlin war zunächst als Begleitschiff für die kaiserliche Yacht Hohenzollern eingesetzt. Ab August 1905 war das Schiff den Aufklärungsschiffen zugeordnet und tat Flottendienst in der Nordsee und Ostsee. Es ersetzte hierbei den Kleinen Kreuzer Amazone, von dem auch die Besatzung für die Berlin stammte. Ferner unternahm die Berlin Auslandsfahrten in den Atlantik.

Vor Agadir[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. Juni 1911 verließ der Kreuzer Berlin Kiel,[1] um in Agadir das Kanonenboot Panther („Panthersprung nach Agadir“) abzulösen. Der Kreuzer war dort bis November 1911 zusammen mit dem Kanonenboot Eber stationiert. Es galt die deutschen Interessen zu wahren. Am 14. Dezember 1911 lief die Berlin wieder in Kiel ein.

Anschließend wurde der Kreuzer wiederum bei den Aufklärungskräften eingesetzt. Am 27. September 1912 stieg der größte Teil der Besatzung auf den neuen Kreuzer Straßburg über. Mit der übrigen Besatzung verlegte die Berlin nach Wilhelmshaven, wo sie am 29. Oktober 1912 außer Dienst gestellt wurde.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Berlin reaktiviert und als Führerschiff der Hafenflottille in Wilhelmshaven wieder in Dienst gestellt. Bald danach kam das Schiff, zusammen mit der IV. Aufklärungsgruppe, für kurze Zeit als Sperrbewacher im Großen Belt zum Einsatz. Ab Oktober 1914 versah die Berlin wieder Vorposten- und Sicherungsdienste in der Deutschen Bucht. Am 24. Oktober 1915 schied sie aus der IV. Aufklärungsgruppe aus und verlegte wieder in die Ostsee. Die Berlin wurde zusammen mit dem Kleinen Kreuzer Stuttgart und der V. T-Flottille nach Libau und von dort nach Windau verlegt. Dort löste sie den Kleinen Kreuzer Bremen ab. Im Januar 1916 kam die Berlin wieder zur IV. Aufklärungsgruppe und kehrte in die Nordsee zurück. Dort wurde sie wiederum als Vorpostendienst eingesetzt. Wegen einer zweimonatigen Werftliegezeit war das Schiff bei der Skagerrakschlacht nicht dabei. Als die München am 19. Oktober 1916 torpediert wurde, schleppte die Berlin ihr Schwesterschiff ein.

Am 14. Januar 1917 verlegte die Berlin nach Danzig, wo sie am 11. Februar 1917 wieder außer Dienst gestellt wurde. Im letzten Kriegsjahr wurde das Schiff als Tender in Kiel und Swinemünde verwendet.

Zwischenkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die modernisierte Berlin

Im Dezember 1919 wurde der Kreuzer wieder fahrbereit gemacht und nach Kiel verlegt, wo er als Schulschiff für Heizer diente. Von 1921 bis 1922 erfolgte auf der Reichsmarinewerft Wilhelmshaven der Umbau zum Schulkreuzer, verbunden mit einer Generalüberholung. Hierbei wurde der alte Rammbug durch einen modernen Kreuzerbug ersetzt. Am 2. Juli 1922 stellte man die Berlin als Schulkreuzer der Inspektion des Bildungswesens unter Kapitän zur See Wilfried von Loewenfeld erneut in Dienst. In den folgenden Jahren machte sie zahlreiche Ausbildungsfahrten zu europäischen Häfen, ins Mittelmeer und nach Südamerika. Mit der Indienststellung des neuen Schulkreuzers Emden im Oktober 1925 wurde der Kreuzer Berlin wieder der Flotte im Bereich des Befehlshabers Ostsee zugeteilt.

1927 folgte eine Auslandsfahrt mit der Flotte nach Spanien und Portugal.

Am 1. Oktober 1927 kam der Kreuzer erneut zur Inspektion des Bildungswesens in Hamburg. Es folgte eine Weltreise vom 1. Dezember 1927 bis zum 7. März 1929, welche die Berlin nach Ostasien und als erstes deutsches Kriegsschiff zehn Jahre nach dem Kriegsende bis Australien führte[2]. Kommandant auf dieser letzten Reise war mit dem Kapitän zur See Hans Kolbe ein ehemaliger Bataillonskommandeur der Marine-Brigade von Loewenfeld[3].

Nach der Rückkehr von dieser Fahrt wurde sie am 27. März 1929 in Kiel außer Dienst gestellt und der Reserveflotte zugeführt. Große Teile der Besatzung wechselten auf den in Ausrüstung befindlichen Leichten Kreuzer Karlsruhe.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1936 bis 1945 wurde sie als Wohnschiff für die Kriegsmarine in Kiel genutzt.

Verbleib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Kleine Kreuzer Berlin von der britischen Besatzungsmacht beschlagnahmt und schließlich 1947, mit Gasmunition beladen, im Skagerrak versenkt.

Kommandanten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

4. April bis September 1905 Fregattenkapitän Wilhelm Schäfer
September 1905 bis 30. September 1907 Korvettenkapitän / Fregattenkapitän Hugo Kraft
1. Oktober 1907 bis September 1908 Fregattenkapitän / Kapitän zur See Arthur Tapken
September 1908 bis 30. September 1909 Fregattenkapitän / Kapitän zur See Walter Herrklotsch
1. Oktober 1909 bis September 1910 Fregattenkapitän Eduard Engels
September 1910 bis November 1911 Korvettenkapitän / Fregattenkapitän Heinrich Löhlein
November 1911 bis September 1912 Fregattenkapitän Wilhelm Tägert
September bis 29. Oktober 1912 Korvettenkapitän Egon von Wolf[4] (in Vertretung)
17. August 1914 bis 31. Dezember 1915 Fregattenkapitän / Kapitän zur See Friedrich Freiherr von Bülow
1. Januar 1916 bis 11. Februar 1917 Fregattenkapitän Walter Hildebrand
2. Juli 1922 bis 30. September 1923 Kapitän zur See Wilfried von Loewenfeld
1. Oktober 1923 bis Juli 1925 Kapitän zur See Paul Wülfing von Ditten
Juli 1925 bis April 1926 Kapitän zur See Ernst Junkermann
April bis 25. September 1926 Korvettenkapitän Friedrich von Arnauld de la Perière (1888–1969)
25. September 1926 bis 27. März 1929 Fregattenkapitän / Kapitän zur See Hans Kolbe (1882–1957)

Bekannte Besatzungsangehörige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hildebrand, Hans H. / Albert Röhr / Hans-Otto Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe: Biographien – ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart. Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: SMS Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Britische Filmaufnahmen vom Auslaufen der Berlin aus Kiel zu ihrer Weltreise 1927 britishpathe.com

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Telegramm der Admiralität vom 28. Juni 1911
  2. GERMAN CRUISER TO VISIT FREMANTLE 8. August–11. September 1928 in The Sydney Morning Herald 7. August 1928
  3. Kolbe schied 1934 aus dem Dienst der Reichsmarine mit dem Charakter eines Vizeadmirals, wie sein früher Brigadechef, der schon 1928 ausgeschieden war, wurde er von den Nazis nicht in einer Kommandofunktion wieder verwendet. Kolbe trat allerdings nach seinem Abschied im Oktober 1934 der NSDAP bei und wurde im Dezember 1934 erst stellvertretend, am 1. September 1936 endgültig zum Landrat des Kreises Schleswig ernannt. 1938 wurde er Gauamtsleiter des Reichskolonialbundes, 1941 „ehrenhalber“ Standartenführer des Sicherheitsdienstes der SS ernannt. Außerdem gehörte er seit 1935 der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt und der Deutschen Jägerschaft an und war bis 1945 Kreisführer des Deutschen Roten Kreuzes. Kolbe übernahm von August 1941 bis März 1943 und nochmals ab Januar 1944 für ein weiteres Jahr die Kriegsvertretung der einberufenen Eckernförder Landräte.
  4. Sohn des sächsischen Generalmajors Ernst Hugo von Wolf