SS-N-33 Zirkon

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SS-N-33 Zirkon
Allgemeine Angaben
Typ: Seezielflugkörper
Heimische Bezeichnung: 3K22 Zirkon, 3M22
NATO-Bezeichnung: SS-N-33
Herkunftsland: RusslandRussland Russland
Hersteller: NPO Maschinostrojenija
Entwicklung: 2000er Jahre
Technische Daten
Länge: 8–11 m[1]
Antrieb:
Erste Stufe:
Zweite Stufe:

Feststoffbooster
Staustrahltriebwerk
Geschwindigkeit: Mach 8
Reichweite: 250–500 km[1]
Ausstattung
Gefechtskopf: 300–400 kg hochexplosiv-panzerbrechend oder Nukleargefechtskopf[1]
Waffenplattformen: Schiffe
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Die Zirkon ist ein schiffsgestützter Hyperschall-Seezielflugkörper aus russischer Produktion.[2] Der GRAU-Index für das Gesamtsystem lautet 3K22 und der Flugkörper wird 3M22 bezeichnet. Der NATO-Codename lautet SS-N-33.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zirkon ist eine Weiterentwicklung des HELA (Hypersonic Experimental Flying Vehicle) von der NPO Maschinostrojenija.[3] Das HELA wurde erstmals an der Luft- und Raumfahrtmesse MAKS 1995 präsentiert.[3] Die eigentliche Zirkon wurde erstmals 2011 erwähnt und verschwand dann wieder aus den Veröffentlichungen. 2012/2013 sollen erste Tests mit einer Hyperschallwaffe erfolgt sein, bei denen die Rakete aber nicht in der Lage war, die hohe Geschwindigkeit für einen längeren Zeitraum zu halten. Im Jahr 2015 wurde die Hyperschallrakete als Waffe für den Kreuzer Admiral Nachimow angekündigt, der bis voraussichtlich 2021 modernisiert wird.[4] Auch der Kreuzer Pjotr Weliki, neben der Nachimow das einzig verbliebene weitere Schiff der Kirow-Klasse, soll nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums mit der Zirkon bewaffnet werden. Weiter wird spekuliert ob die indisch-russische Co-Produktion BrahMos II eine Exportvariante des Zirkon darstellt.[4]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Waffe befindet sich in der Entwicklung und die meisten Details zu Fortschritt und Kosten sind geheim. Auch existiert kein öffentlich zugängliches Bildmaterial und über die Leistungsdaten wird spekuliert. Die Zirkon-Lenkwaffen sollen vorerst primär auf Schiffen stationiert werden. Dazu werden sie in der Senkrechtstartanlage für Flugkörper vom Typ 3R14 (3S14) untergebracht. Aus dieser Senkrechtstartanlage können auch Lenkwaffen vom Typ P-800 Oniks oder Kalibr gestartet werden. Gemäß russischen Angaben handelt es sich beim Zirkon um einen Flugkörper mit zwei Antriebsstufen. Da ein Staustrahltriebwerk keinen Startschub erzeugt, erfolgt der Start die Lenkwaffe zuerst durch einen Feststoffbooster. Ist dieser Booster ausgebrannt und genügend Staudruck vorhanden, wird dieser abgesprengt. Nach dieser Trennung wird das Staustrahltriebwerk-Marschtriebwerk der Lenkwaffe gezündet. Als Flüssigtreibstoff soll ein Synthetischer Kraftstoff mit der Bezeichnung Decilin-M zum Einsatz kommen.[1] Dieser ist vermutlich dem JP-10 ähnlich. Der Marschflug soll in einer Flughöhe von 30–40 km erfolgen.[1] Bei einer Fluggeschwindigkeit von Mach 8 (rund 10.780 km/h) soll Zirkon eine Reichweite von 250–500 km erzielen.[1][5] Die Lenkung erfolgt vermutlich mit einem Inertialen Navigationssystem und für die Zielortung wird vermutlich eine aktive Radarzielsuche verwendet. Bei dem Flug durch die Erdatmosphäre mit Hyperschallgeschwindigkeit entsteht eine sehr hohe Reibungshitze auf der Raketenoberfläche und macht eine Hitzebeschichtung, insbesondere der Raketenspitze und den Tragflächen notwendig. Gemäß russischen Angaben sollen dafür neue Werkstoffe entwickelt worden sein.[1] Obwohl Zirkon primär zur Bekämpfung von Schiffen konzipiert wurde, sollen sich damit aber auch Landziele bekämpfen lassen. Gemäß russischen Medien seien mögliche Ziele küstennahe Kommandostrukturen der USA.[6]

Status[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Entwicklungsstand der Zirkon unterliegt seit dem Projektstart einer ausgeprägten Desinformationskampagne. So berichtete Generaloberst Wiktor Bondarew, der Kommandant der Luft- und Weltraumkräfte bereits im November 2017, dass sich die Zirkon im Bestand der russischen Streitkräfte befinde.[7] Im Februar 2019 verkündete Wladimir Putin, dass die Einführung des Zirkon unmittelbar bevorstehe.[8] Bei TASS und in der Nesawissimaja Gaseta war jedoch auch ende 2019 immer noch von Tests die Rede.[9][10] Im Januar 2020 lies Nikolai Jewmenow, der Oberbefehlshaber der Russischen Marine vermelden, das der Zirkon immer noch an „Kinderkrankheiten“ leide und er mit der Einführung des Systems Mitte 2020er-Jahre rechne.[11][12]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Jill Hruby: Russia’s New Nuclear Weapon Delivery Systems – An Open-Source Technical Review. (PDF) In: nti.org. NTI - The Nuclear Threat Initiative, 1. November 2019, abgerufen am 28. Januar 2020 (englisch).
  2. William A. Perkins: Component integration Challenges presented by advanced layered defence Systems (a2/ad). United States Navy 2018
  3. a b Гиперзвуковая ракета "Циркон" ослабит позиции США. In: nti.org. ОРУЖИЕ РОССИИ, 17. April 2017, abgerufen am 28. Januar 2020 (russisch).
  4. a b Analysis: 3K22 and 3M22 Zircon, the Next Generation Hypersonic Missile of the Russian Navy. navyrecognition.com vom 7. April 2016
  5. Russia and India Test Hypersonic and Supersonic Missiles
  6. Allrussische staatliche Fernseh- und Rundfunksender nannte mögliche Zirkon-Ziele in den USA, RT russisch, 24. Februar 2019
  7. Бондарев: ВС РФ имеют гиперзвуковые ракеты “Циркон” и ракеты донного базирования “Скиф”
  8. Aviation International News: Putin Reveals Zircon Mach 9 Missile Specification
  9. Hyperschallzirkon ist noch nicht kampfbereit, ng.ru, 25. November 2019
  10. Бондарев: ВС РФ имеют гиперзвуковые ракеты “Циркон” и ракеты донного базирования “Скиф”
  11. Гиперзвуковая ракета "Циркон" впервые появится на одном из фрегатов
  12. Russian Navy's Top Officer Says Shadowy Zircon Hypersonic Missile Has "Childhood Diseases"