SUSE Linux Enterprise Server

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
SUSE Linux Enterprise Server
SUSE EDesktop 12 DBServer.png
SUSE Linux 12 mit YaST
Entwickler SUSE Linux GmbH
Lizenz(en) GPL und andere Lizenzen
Akt. Version 15[1] vom 24. Juli 2018
(vor 2 Jahren und 334 Tagen)
Abstammung GNU/Linux
↳ SLS
↳ Slackware
↳ Jurix
↳ SUSE Linux (4.2ff)
↳ openSUSE
↳ SLES
Architektur(en) AMD64, EM64T, IA-64, IBM Power, IBM System z
SUSE Linux Enterprise Server

SUSE Linux Enterprise Server (SLES) ist eine Linux-Distribution von SUSE, die speziell auf Unternehmenskunden ausgelegt ist.

Das Produkt ist mit einem entsprechenden Supportangebot und langjähriger Wartungsphase ausgestattet. Die für den unternehmenskritischen Einsatz notwendigen Hardware- und Softwarezertifizierungen spielen eine ebenso große Rolle.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SLES wurde im Sommer und Herbst 2000 auf Basis von Suse Linux von einem sehr kleinen Team unter der Leitung von Marcus Kraft, Bernhard Kaindl und Joachim Schröder bei SuSE in Nürnberg entwickelt und wurde erstmals am 31. Oktober 2000 in einer Version für IBM-Großrechner (S/390) verfügbar.[2][3] Eine Vorabversion wurde bereits am 13. Juli 2000 veröffentlicht.[4] Im Dezember 2000 wurde mit dem in Schweden führenden Telekommunikationsanbieter Telia ein erster großer Kunde bekannt.[5] Im April 2001 folgte dann SLES für die x86-Architektur,[6] die im Juli 2001 die notwendige Zertifizierung für den Einsatz von mySAP erlangte.[7]

Im 4. Quartal 2005 verkaufte Novell 65.000 Stand-Alone Subscriptions des Suse Linux Enterprise Server.[8]

Novells SUSE-Linux-Enterprise-Produkte basieren auf den Community-Arbeiten aus openSUSE, die mit Novells Unterstützung weiterentwickelt wurden.[9]

SUSE Linux Enterprise Desktop[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SUSE Linux Enterprise Desktop 15

Mit SUSE Linux Enterprise Desktop (SLED) bekam SLES einen Zwilling im Desktop-Bereich, der parallel mit gleichem Konzept und selber Codebasis vertrieben wird. SLED und SLES werden zusammen auch als Suse Linux Enterprise (SLE) bezeichnet.[10] Parallel zu SLES 10 wechselt Novell auch für den Unternehmensdesktop auf die Verwendung der bekannten Marke SUSE und so heißt der Nachfolger des ehem. Novell Linux Desktop 9 (NLD) Suse Linux Enterprise Desktop (SLED) 10.

Desktop-Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich wurde SLES mit dem auch in SUSE Linux verwendeten und sowohl viel gelobten als auch kritisierten Desktop-Theme Suse Keramik ausgeliefert, das über ein an das KDE-Theme Keramik angepasstes GNOME-Theme ein einheitliches Look & Feel für Gnome und KDE bietet.

Mit der Integration von SUSE in Novell dominiert jedoch nicht mehr KDE. Mit SLED 10 wurde bei der Installation nicht mehr gefragt, ob KDE oder GNOME als Desktop-Umgebung installiert werden soll. KDE konnte nur mehr als Pattern in der Softwareselektion ausgewählt werden. Mit Version SLED 11 konnte zwar wieder zwischen GNOME und KDE gewählt werden, mit Version 12 wurde aber KDE überhaupt aus den Paketquellen der Enterprise Ausgaben entfernt (also sowohl aus SLED, als auch aus SLES) und lässt sich nur über den offiziellen, aber nicht vollständig unterstützten SUSE PackageHub installieren.[11] Die Versionsnummern 13 und 14 wurden übersprungen, um wieder synchron mit openSUSE zu sein. Die aktuelle Version ist daher 15.[12]

Multimedia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu Red Hat Enterprise Linux ist in einigen Programmen die Fähigkeit integriert, MP3-Dateien abzuspielen, jedoch nicht über einen von allen Programmen direkt verwendbaren mp3-Codec, sondern über die Verwendung von RealPlayer als Abspielsoftware im Hintergrund, beispielsweise bei Amarok.[13][14]

Enterprise OS[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SLES ist ein Enterprise OS, also ein Betriebssystem, das auch auf die Bedürfnisse großer Firmen eingeht. Als Enterprise OS ist es folglich auf Stabilität und lange Wartungszyklen ausgelegt. So ermöglicht es SLES, ein System mit uneingeschränktem Herstellersupport für 5 Jahre (oder mehr) nutzen zu können, ohne Pakete bzw. Softwareversionen migrieren zu müssen. Gerade dieser Sachverhalt macht ein Enterprise OS für den kommerziellen Einsatz interessant, denn nur bei langen Supportzeiträumen haben große Softwarehäuser wie Oracle oder SAP ein Interesse, ein Betriebssystem für ihre Anwendungen zu zertifizieren. Gleiches gilt analog für die großen Computer- und Serverhersteller. Enterprise OSes findet man daher meist auf Servern, aber auch dort, wo Rechner extrem stabil laufen sollen (z. B. Börse, Medizin, Raumfahrt).

Besondere Werkzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SLES wird wie openSUSE mit dem integrierten grafischen Installations- und Administrationswerkzeug YaST, das auch für Einsteiger leicht bedienbar ist, installiert und administriert. Eine einfache Konfiguration des integrierten Paketfilters ist bereits während der Installation über YaST möglich.

Update-Zyklen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen der Zertifizierung und Konzentration auf bestmögliche Stabilität im Enterprise-Umfeld folgen Neuauflagen von SLES einem eher langsameren Rhythmus und werden auch länger gewartet. Der Kunde bekommt meistens eine Wartungsdauer von mind. 5 Jahren (7 bis max. 9 Jahre für SLES10) zugesichert, so dass er zeitlichen Spielraum hat, ein Update sorgsam zu planen und zu terminieren. Durch die langen Wartungszeiträume kann er auch gut einzelne Neuauflagen überspringen und sein Verhalten bezüglich Aktualisierungen an seine individuellen Bedürfnisse anpassen.

LSB-Zertifizierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Suse Linux Enterprise Server wird immer mit der zum Veröffentlichungszeitpunkt aktuellen Version der Linux Standard Base zertifiziert. Bei SLES 10 ist dies 3.0, bei SLES 9 2.0. Ältere Versionen des SLES sind nach älteren LSB-Standards zertifiziert. Einige Versionen von Suse Linux sind ebenfalls nach dem zum Veröffentlichungszeitpunkt aktuellen LSB-Standards zertifiziert.[15]

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SUSE Linux Enterprise Server
Version Veröffentlichung Unterstützt bis (erweitert)[16] openSUSE-Äquivalent
for S/390[17] 31. Oktober 2000
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 7 24. August 2001
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 8 24. November 2002 30. Dezember 2007
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 8 SP1 ?
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 8 SP2 ?
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 8 SP3 ?
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 9 4. August 2004[18] 31. August 2011 (31. August 2014)
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 9 SP1 13. September 2004
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 9 SP2 7. Juli 2005
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 9 SP3 22. Dezember 2005
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 9 SP4 14. November 2007
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 10 17. Juli 2006 31. Juli 2013 (31. Juli 2016) openSUSE 10.1
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 10 SP1 Juni 2007
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 10 SP2 19. Mai 2008
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 10 SP3 12. Oktober 2009
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 10 SP4 12. April 2011
Ältere Version; noch unterstützt: 11 23. März 2009 31. März 2019 (31. März 2022) openSUSE 11.1
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 11 SP1 2. Juni 2010 openSUSE 11.2
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 11 SP2 15. Februar 2012 openSUSE 11.3
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 11 SP3 2. Juli 2013
Ältere Version; noch unterstützt: 11 SP4 16. Juli 2015
Ältere Version; noch unterstützt: 12 27. Oktober 2014 31. Oktober 2024 (31. Oktober 2027) openSUSE 13.2
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 12 SP1 15. Dezember 2015 openSUSE Leap 42.1
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 12 SP2 8. November 2016 openSUSE Leap 42.2
Ältere Version; noch unterstützt: 12 SP3 7. September 2017 openSUSE Leap 42.3
Ältere Version; noch unterstützt: 12 SP4 12. Dezember 2018
Ältere Version; noch unterstützt: 12 SP5 9. Dezember 2019
Aktuelle Version: 15 15. Juli 2018[19] 31. Juli 2028 (31. Juli 2031) openSUSE Leap 15
Ältere Version; noch unterstützt: 15 SP1 24. Juni 2019[20]
Aktuelle Version: 15 SP2 21. Juli 2020[21]
Legende:
Ältere Version; nicht mehr unterstützt
Ältere Version; noch unterstützt
Aktuelle Version
Aktuelle Vorabversion
Zukünftige Version

Distributionen auf SUSE Linux Enterprise Basis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2014 entschied SUSE, die Quellcodes von SLE der Community zur Verfügung zu stellen, die darauf basierend das frei verfügbare openSUSE Leap erstellte.[22]

Dabei werden openSUSE Leap und SUSE Linux Enterprise parallel weiterentwickelt. Dies ist vergleichbar mit der Red Hat Enterprise Linux (RHEL) Distribution mit ihren frei verfügbaren Varianten wie z. B. CentOS. Außerdem können SLES und SLED in einer kostenlosen Testversion heruntergeladen werden. Diese enthält auf 60 Tage begrenzte Upgrade-Berechtigung. Danach kann die Testversion unbeschränkt ohne Support und Upgrades weiter verwendet werden.[23]

Als Alternative existiert die Rolling Release Distribution openSUSE Tumbleweed, auf deren Basis neue Hauptversionen von SLES und SLED entwickelt werden. OpenSUSE Tumbleweed ist in dieser Hinsicht vergleichbar mit Fedora Rawhide bei Red Hat Enterprise Linux. Neue Versionen von openSUSE werden intensiv von SUSE getestet und auf verschiedene Plattformen wie die IBM zSeries portiert. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse gehen zurück an die Community. Für den Produktivbetrieb nicht als geeignet angesehene Pakete der openSUSE-Distribution werden entfernt, weitere frei verfügbare „closed source“-Produkte von anderen Herstellern, mit denen entsprechende Lizenzvereinbarungen bestehen, werden hinzugefügt (z. B. ibm-java).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. SUSE Linux Enterprise 15 is Generally Available. (englisch, abgerufen am 26. Juli 2018).
  2. SuSE: SuSE Linux für S/390 ist ab sofort verfügbar (Memento vom 2. Juni 2001 im Internet Archive)
  3. Christian Rabanus: SuSE Linux für S/390 ist fertig. In: Heise online. 2. November 2000. Abgerufen am 13. März 2016.
  4. Vorab-Version von SuSE Linux für IBM S/390 (Memento vom 17. Februar 2001 im Internet Archive) (SuSE-Pressemitteilung)
  5. silicon.com: Linux mainframe ousts Sun servers at Telia (Memento vom 15. Mai 2009 im Internet Archive) (englisch).
  6. SuSE Linux jetzt auch als optimierte Server-Version (Memento vom 27. November 2001 im Internet Archive) (SuSE-Pressemitteilung)
  7. SuSE Linux Enterprise Server wird zertifizierte Plattform für mySAP.com (Memento vom 27. November 2001 im Internet Archive) (SuSE)
  8. Novell Presseservice: Novell gibt Ergebnisse für das vierte Quartal und das Geschäftsjahr 2005 bekannt (Memento vom 7. September 2006 im Internet Archive) – Pressemitteilung auf vibrio.de, 2. Dezember 2005, abgerufen am 3. Oktober 2015.
  9. Beziehung zwischen openSUSE und Novell SUSE Linux Enterprise Server. Abgerufen am 11. September 2009.
  10. Alexandra Kleijn: Suse Linux Enterprise 11 ist fertig. In: Heise online. 27. Oktober 2014. Abgerufen am 27. Oktober 2014.
  11. Plasma Desktop, KDE Frameworks 5 and KDE Applications available for SLE12
  12. Udo Seidel: SUSE Linux Enterprise 15 wird hochmodular
  13. Julius Stiebert: Real Player für Suse Linux Enterprise. In: golem.de. 16. August 2006, abgerufen am 9. März 2021.
  14. Realnetworks in SUSE Linux Enterprise Desktop. In: pro-linux.de. Pro-Linux, 16. August 2006, abgerufen am 9. März 2021.
  15. LSB Certification Register (Memento vom 16. Juni 2004 im Internet Archive) der opengroup, 15. Dezember 2005
  16. Susan Kim: Product Support Lifecycle | SUSE. Abgerufen am 22. Dezember 2018 (englisch).
  17. SuSE Linux for S/390 Available Today (Memento vom 5. Juni 2001 im Internet Archive). Abgerufen am 16. August 2011.
  18. Neuer SUSE Linux Enterprise Server 9 markiert bedeutenden Schritt im Bereich Enterprise Linux. Novell, abgerufen am 10. März 2021.
  19. Raj Meel: SUSE Linux Enterprise 15 is Generally Available. SUSE, 24. Juli 2018, abgerufen am 26. Juli 2018 (englisch).
  20. Ulrich Bantle: Suse Linux Enterprise 15 Service Pack 1 ist fertig. In: Linux-Magazin. 24. Juni 2019, abgerufen am 18. September 2019 (deutsch).
  21. Raj Meel: SUSE Linux Enterprise 15 Service Pack 2 is Generally Available. SUSE, 21. Juli 2020, abgerufen am 22. Juli 2020 (englisch).
  22. Ulrich Bantle: OpenSuse Leap verschmilzt mehr mit SLE. In: linux-magazin.de. 22. Januar 2021, abgerufen am 10. März 2021 (deutsch).
  23. Was kostet SUSE Linux Enterprise Server? SUSE, abgerufen am 13. März 2016.