Sampo

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Dieser Artikel beschreibt den Sampo aus dem finnischen Epos Kalevala. Für andere Bedeutungen siehe Sampo (Begriffsklärung).
Akseli Gallen-Kallela: Die Verteidigung des Sampo

Der Sampo ist ein Gerät „mit buntem Deckel“ aus dem finnischen Epos Kalevala, das durch seine Zauberkräfte seinem Besitzer Wohlstand verschafft. In der deutschen Übersetzung von Hans Fromm wird es gelegentlich mit „Zaubermühle“ beschrieben.

Der Sampo wurde von dem Schmied Ilmarinen geschaffen, aber im eisigen Nordreich Pohjola von dessen Herrscherin, der zauberkräftigen Louhi, eifersüchtig gehütet, bis er ihr von den Helden des Kalevala entrissen wird. Beim Kampf darum zerbricht er und verbreitet Fruchtbarkeit über Land und Meer.

Deutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von finnischen Autoren wie Eemil Nestor Setälä[1], Uno Harva[2] und Martti Haavio[3] wird der Sampo als Stütze des Himmelsgewölbes bzw. als deren kultische Repräsentation gedeutet: die Himmelsachse, markiert durch den Polarstern, oder der Weltenbaum, um den herum sich der Sternhimmel dreht, wird kultisch (möglicherweise durch eine eiserne Säule) repräsentiert. Deren Raub oder Zerstörung ist ein Motiv in verschiedenen Mythologien sowohl sesshaft-bäuerlicher als nomadischer Kulturen, z. B. im altnordischen Freyr-Mythos oder im Bericht von der Zerstörung der Irminsul. Bei den Samen wurden Weltbäume bis in die Neuzeit hinein errichtet, über die sich das unsichtbare Himmelszelt spannt; die senkrecht in den Boden gerammte Stange ist ein wichtiges Orientierunginstrument aller Nomadenvölker.

Himmelssäule nach E. N. Setälä (1932)

Hans Fromm sieht demgegenüber einen möglichen Ursprung des Liedes in der Faszination durch die seit dem dritten nachchristlichen Jahrhundert auch in Skandinavien verbreitete Drehmühle. Die Vorstellung der „Glücksmühle“, die die landwirtschaftliche Produktivität entscheidend erhöht, stammt ursprünglich wohl aus dem Mittelmeerraum und wanderte vielleicht über Byzanz und Russland nach Karelien. Raub und Zerstörung des Sampo wären dann als Gleichnis für das Zerbrechen eines technischen Monopols und die Dissemination der neuen Technik oder noch allgemeiner: als Symbol des Enkulturationsprozesses anzusehen. Das „Nordland“ Pohjola wäre nicht geographisch zu deuten, sondern als eine außermenschliche Gegenwelt.[4]

Beide Kreisbewegungen – sowohl die des Sternhimmels als auch die der Getreidemühle – sind Symbole für unaufhörliche Bewegung, Erneuerung und Fruchtbarkeit.[5]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine finnische Streichholzmarke ist nach dem Sampo benannt. Auch eines der größten finnischen Banken- und Versicherungsunternehmen sowie ein bekannter Eisbrecher tragen den Namen Sampo.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. E. N. Setälä: Sammon arvoitus. Helsinki 1932.
  2. U. Harva: Sammon ryöstö. In: Suomen tiedettä 3. WSOY, Porvoo Helsinki 1943.
  3. M. Haavio Suomalainen mytologia. WSOY, Porvoo Helsinki 1967.
  4. Hans Fromm, Kommentar zu Kalevala, S. 426 ff.
  5. Gérard de Champeaux, Sébastien Sterckx: Le monde des symboles. Zodiac, 3. Auflage 1980, S. 18 ff.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kalevala. Das finnische Epos des Elias Lönnroth. Übers.: Lore und Hans Fromm, Nachwort u. Kommentar: Hans Fromm. Reclam 1985. Darin: 10. Gesang: Schmiedung des Sampo, 42./43. Gesang: Raub, Verteidigung und Zerstörung des Sampo.
  • Uno Harva: Sammon ryöstö. Suomen tiedettä 3. Werner Söderström OY, Porvoo 1943.
  • Martti Haavio: Sammon arvoitus. Suomalainen Suomi, 1957.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1959: Das gestohlene Glück (Originaltitel: Sampo), Sowjetunion/Finnland, Regie: Aleksandr Ptushko