Sappho Frauenwohnstiftung

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SAPPhO Frauenwohnstiftung
Sappho logosvg.svg
Rechtsform Gemeinnützige Stiftung
Gründung August 1997
Sitz Wuppertal
Personen Geschäftsführung: Sibylle Naß; Vorstand: Wienke Zitzlaff, Ruth Balden, Renate Pahnke, Ute Greiling, Ruth Eschmann, Gisela aus Isseborsch[1]
Aktionsraum Deutschland
Schwerpunkt Altenhilfe für Lesben
Freiwillige 10
Angestellte 2
Motto Erbfolge weiblich
Website sappho-stiftung.de

Die Sappho Frauenwohnstiftung (Eigenschreibweise: SAPPhO) wurde mit dem Ziel gegründet, bezahlbaren Wohnraum und eine unabhängige Lesbenwohn- und Lebenskultur zu schaffen, „in der es sich auch gut alt werden lässt“. Die Stiftung mit Sitz in Wuppertal wurde im August 1997 als gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts durch das Land Nordrhein-Westfalen anerkannt und damit als erste gemeinnützige Stiftung von und für Lesben in Europa.[2] Benannt wurde die Stiftung nach der griechischen Dichterin Sappho.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vier Jahre – von 1993 bis 1997 – hat eine Gruppe von sechs Frauen daran gearbeitet, die Stiftung SAPPhO Frauenwohnstift zu gründen.[3] Einige kamen aus dem Verein Safia – Lesben gestalten ihr Alter[4], der das Lesbenwohnprojekt „Hofgut Wüstenbirkach“ in Unterfranken[5] einbrachte. Nach der Gründung kamen zwei Wohnungen aus der SAFIA-Alten-Wohngemeinschaft „Villa Charlotta“ hinzu.[6] Im Laufe der Jahre erfolgten zahlreiche Zustiftungen, so dass das Stiftungsvermögen stetig angewachsen ist und die Stiftung heute über einige Immobilien in Hannover, Lüneburg und Charlottenberg (Rheinland-Pfalz), darunter ein mehrgeschossiges Stadthaus und ein Seminar- und Tagungshaus, verfügt.[7][8][9][10] 2009 gehörte die Stiftung zu den Gründungsmitgliedern des überregionalen Dachverbands „Lesben & Alter“ mit Sitz in Hamburg.[11]

Stiftungszweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel und Zweck der Stiftung ist es, Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich Lesben im Alter neue Lebens- und Wohnformen und Möglichkeiten des Zusammenlebens erarbeiten können. Dazu gehört die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für Lesben. Außerdem unterstützt die Stiftung die Gründung von Wohn- und Hausgemeinschaften zur Selbsthilfe im Alter und die Gründung von Treffpunkten für alte und junge Lesben zum Aufbau und Erhalt sozialer und kultureller Lesben-Netzwerke. Sinn dieser Arbeit ist es, die mögliche Isolierung von Lesben im Alter aufzubrechen.[12][13][14]

In einem Interview auf der Fachtagung Anders sein und älter werden. Lesben und Schwule im Alter 2002 in Berlin sagte eine der Gründerinnen der Stiftung, die Verlegerin Anke Schäfer (1938–2013): „Wir waren sehr stolz, als wir das erreicht hatten. Die Stiftung hat den einzigen Zweck, Wohnraum für ältere Lesben zu schaffen.“ Die Form der Stiftung sei gewählt worden, weil Stiftungen „nicht so angreifbar“ seien wie Vereine. „Alle Stiftungen haben das Dritte Reich irgendwie überstanden.“[15]

Barbara Gissrau Fonds[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 2008 verstorbene Psychoanalytikerin Barbara Gissrau (geb. 1943) vermachte der Stiftung nicht nur Immobilien, sondern auch Wertpapiere und Kapitalvermögen. Damit wurde der Fonds ins Leben gerufen, der sich heute aus Spenden finanziert. Der Fonds unterstützt ältere Lesben, die über wenig Geld verfügen, mit bis zu 500 Euro jährlich.[16]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vorstandsfrauen verpflichten sich in der Regel für mindestens sechs Jahre zur ehrenamtlichen Mitarbeit und treffen sich untereinander und mit der Geschäftsführerin mindestens viermal im Jahr. Unterstützt werden sie von ebenfalls ehrenamtlich tätigen beratenden Fachfrauen, darunter Psychologinnen und Ärztinnen.[17][18] Die erste Generation der Mitfrauen entscheidet, so lange sie lebt, wer die Objekte der Stiftung nutzen darf, erst nach deren Tod entscheidet die Stiftung.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon für die erste Frauenbewegung in Deutschland war die Entwicklung neuer Wohnformen für Frauen ein zentrales Anliegen. Auch für die zweite Frauenbewegung seit den 1970er Jahren war die Schaffung autonomer Frauenräume ein Kernpunkt ihrer Aktivitäten.[19] Die Raumplanerin Ruth Becker zählt das Lesbenwohnprojekt von Sappho zu den autonomen Frauenwohnprojekten, womit sie Projekte bezeichnet, „die von Frauen initiiert und realisiert wurden, die sich explizit auf die autonome Frauenbewegung beziehen und/oder bei denen der „Autonomiegedanke“, also das Ziel, Wohnraum „in Frauenhand“ oder für das Leben in Frauenbezügen zu schaffen, im Vordergrund steht und sich in ihrer Zielsetzung auf Frauen unterschiedlichen Alters und in unterschiedlichen Lebenssituationen beziehen.“[20] SAPPhO sei ein „beeindruckendes Beispiel“ dafür, wie für Frauen, die nur kleinere Vermögen zu vererben haben, die Gründung einer Stiftung interessant sein kann, wenn sie sich zusammenschließen. Gerade für Frauen-Wohnprojekte eigne sich eine Stiftung, wie SAPPhO erfolgreich zeige.[21]

Zum 10-jährigen Bestehen der Stiftung 2007 lobte die damalige Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen des Landes Rheinland-Pfalz Malu Dreyer die Gründerinnen für „ihre Beharrlichkeit und ihren Weitblick. Sie haben den Grundstein dafür gelegt, dass die Stiftungsidee, Vermögen in Lesben- bzw. Frauenhänden zu bewahren und damit Wohnprojekte für Lesben zu finanzieren, wachsen konnte.“[22]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ruth Becker: Frauenwohnprojekte – keine Utopie! Ein Leitfaden zur Entwicklung autonomer Frauen(wohn)räume mit einer Dokumentation realisierter Projekte in Deutschland. Studien Netzwerk Frauenforschung NRW, Nr. 3, Dortmund 2009, ISBN 978-3-936199-02-4 (Lesbenwohnprojekt der SAPPhO-Stiftung: S. 302f.)[23]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stiftungsverzeichnis des Landes NRW
  2. Sappho-Wohnstift. Dachverband Frauen und Lesben
  3. Sappho-Stiftung (Memento vom 8. März 2005 im Internet Archive), 8. März 2005
  4. Anke Schäfer: SAFIA. Stürmische Alte finden immer Alternativen, in: Gabriele Dennert, Christiane Leidinger, Franziska Rauchut (Hrsg.): 100 Jahre Politik, Kultur und Geschichte von Lesben, Querverlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-89656-148-0, S. 363f.
  5. Frauenwohnprojekte: Landprojekt Wüstenbirkach, Netzwerk Frauenforschung NRW, c/o FG Frauenforschung und Wohnungswesen in der Raumplanung (FWR) Universität Dortmund
  6. Anke Schäfer: Stürmische Alte finden immer Alternativen, in: Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis, Lesbenleben quer gelesen, 22. Jahrgang 1999, Heft 52, Seite 71, Verlag des Vereins Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis e.V., Köln
  7. Kurz-Portrait SAPPhO-Stiftung (PDF), abgerufen am 5. Januar 2014
  8. Porträt: SAPPho Frauenwohnstiftung, in: Stiftungen und Politik: „Frauenstiftungen – wie aus wenig Geld Erfolgsgeschichten werden“, zwd-Stiftungsreport 2011 (Zukunftswerkstatt Düsseldorf)
  9. Gruppen für ältere Lesben und Schwule in Niedersachsen: Sappho Frauenwohnstiftung, Website Immer dabei
  10. Chantal Louis: Die Golden Girls, Emma Juli/August 2003
  11. Broschüre zur Gründung des Dachverbandes Lesben & Alter (PDF)
  12. Ziele und Aufgaben der Stiftung, abgerufen am 5. Januar 2014
  13. Satzung der SAPPhO-Stiftung, abgerufen am 5. Januar 2014
  14. Frauen NRW: Sappho – Frauenwohnstiftung e.V., Website des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen
  15. Anders sein und älter werden. Lesben und Schwule im Alter, Dokumentation der Fachtagung 22./23. November 2002, Berlin, S. 22f. (pdf)
  16. Webseite Barbara Gissrau Fonds, abgerufen am 6. Januar 2014
  17. Satzung der SAPPhO-Stiftung (PDF), abgerufen am 5. Januar 2014
  18. Organigramm der Stiftung, abgerufen am 5. Januar 2014
  19. Ruth Becker: Lebens- und Wohnformen, in: Becker/Kortendiek (Hrsg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung, VS Verlag für Sozialwissenschaften; 3. Aufl. 2010, ISBN 978-3-531-17170-8, S. 468
  20. Ruth Becker: Frauenwohnprojekte – keine Utopie! Ein Leitfaden zur Entwicklung autonomer Frauen(wohn)räume mit einer Dokumentation realisierter Projekte in Deutschland. Studien Netzwerk Frauenforschung NRW, Nr. 3, Dortmund 2009, S. 255 (Auszug online PDF)
  21. Becker, ebd., S. 107–113 (pdf)
  22. Festschrift 10 Jahre SAPPhO-Stiftung, abgerufen am 5. Januar 2014
  23. Buchbesprechung in: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft (ÖZP) 2010/1