Psychoanalytiker

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Psychoanalytiker ist eine nicht geschützte Berufsbezeichnung von Personen, die Psychoanalyse in verschiedenen Kontexten ausüben.

Selbstbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Psychoanalytiker sehen sich heute mehrheitlich als Humanwissenschaftler. Dabei wird die (moderne) Psychoanalyse als eigenständige und umfassende Humanwissenschaft des (dynamischen) Unbewussten betrachtet: ausgehend von der Auseinandersetzung mit der Geschichte und den Entwicklungslinien des psychoanalytischen Denkens, werden die in der psychoanalytischen Situation gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Situation „exportiert“ und mit Gesellschaft und Kultur konfrontiert, was eine umfassende und konkrete Auseinandersetzung mit der Theorie und damit deren Erweiterung ermöglicht (vgl. z. B. Laplanche, 2011).[1] Zentral sind hierbei die Aspekte der Psychoanalyse als Anthropologie mit einem spezifischen Modell vom (konflikthaften) Menschen, dessen zentrale Antriebskraft für sein Erleben und Verhalten dem Unbewussten entstammt, als Sozialisationstheorie, welche die Dimensionen des Somatischen, Psychischen und Sozialen unter dem „Primat des Anderen“ verbindet, sowie als Methode, die bestimmte Verfahren zur Dekonstruktion von Bedeutungen entwickelt (vgl. z. B. Quindeau, 2008)[2].

Demgegenüber besteht ein Vorwurf, dass die Psychoanalyse und damit das Selbstbild der Psychoanalytiker durch eine Medizinalisierung geprägt sei. Dies drücke sich auch in der beruflichen Tätigkeit aus, bedingt v. a. durch die Organisation der Ausbildung (insbes. in den USA und in Deutschland), da z. B. auch schon durch die Aufnahmekriterien für Ausbildungskandidaten.[3][4][5][6] Durch eine vorwiegend psychotherapeutische und klinische Ausrichtung, sei das (Selbst-) Bild des Psychoanalytikers als das eines umfassenden Humanwissenschaftlers gestört, was so vor allem die (definitorische) kulturwissenschaftliche und -kritische Dimension ausblende, obwohl der Einfluss der Psychoanalyse (und der Psychoanalytiker) auf Gesellschaftspolitik und Kulturwissenschaften als stärker zu bewerten sei, als auf die Psychotherapie.[7][8]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt keine verbindlichen Regelungen für die Ausbildung zum Psychoanalytiker. In der Regel wird heute eine Ausbildung aber durch verschiedene Fachgesellschaften organisiert. Hier erfordert dies zumeist eine curricular organisierte Ausbildung, deren Kernstück die Lehranalyse ist. Die Kriterien werden weltweit von unterschiedlichen Fachgesellschaften festgelegt. Als international richtungsweisend betrachtet sich dabei die Internationale Psychoanalytische Vereinigung (IPA)[9], in Deutschland der Dachverband Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) und ihre Mitgliedsverbände[10]. Es existieren jedoch auch freie bzw. unabhängige Institute und Vereinigungen, die sich aus verschiedenen Gründen keinem psychoanalytischen Fachverband anschließen, wie z. B. die der Lacan'schen Psychoanalyse in Frankreich.

In Deutschland ist die Ausbildung der in der DGPT zusammengeschlossenen Vereinigungen zudem so organisiert, dass ihre Absolventen die Kriterien für die ärztliche Weiterbildung und die Weiterbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten erfüllen. Vereinzelt finden auch in Deutschland Nicht-Ärzte und Nicht-Psychologen Zugang zu einer psychoanalytischen Ausbildung; international ist dies z. T. häufiger zu finden. In der Regel setzt eine Ausbildung in Psychoanalyse jedoch ein abgeschlossenes universitäres Studium der Medizin oder Psychologie voraus.

Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Psychoanalytiker arbeiten (ausbildungsbedingt, s.o.) vorwiegend psychotherapeutisch (Einzel- und Gruppentherapie), sowie im Bereich der Paar- und Familientherapie, aber auch als Berater in verschiedenen Kontexten, als Coach, im Bereich der Mediation, als Supervisoren (z. B. auch in der Team- und Organisationsberatung). Darüber hinaus üben Psychoanalytiker verschiedene Forschungstätigkeiten aus; neben der klinischen Forschung arbeiten Psychoanalytiker auch als Sozial-, Kultur- und Geisteswissenschaftler.

Einige erfahrene und wissenschaftlich qualifizierte Psychoanalytiker werden dann auch für einen Fachverband als Lehr- und Kontrollanalytiker im Rahmen von Ausbildungen tätig.

Arbeitet ein Psychoanalytiker psychotherapeutisch, ist in Deutschland eine Approbation als Arzt, als Psychologischer Psychotherapeut (im Bereich der Kinderanalyse auch als Kinder- und Jugendlichentherapeut) oder eine Erlaubnis zur Ausübung von Heilkunde ohne Approbation als Heilpraktiker (mindestens mit auf das Gebiet der Psychotherapie eingeschränkten Heilerlaubnis) notwendig.

Psychotherapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Psychoanalysen in Deutschland nicht von den Krankenkassen übernommen werden, muss diese privat bezahlt werden. Zur Krankenbehandlung sind in Deutschland allerdings zwei psychoanalytisch begründete psychotherapeutische Verfahren zugelassen und werden nach Antrag und Genehmigung zumindest von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen, nämlich die Analytische Psychotherapie und die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Psychotherapeutisch arbeitende Psychoanalytiker bieten in der Regel beide Therapierichtungen an. Psychotherapeuten, die diese Behandlungsverfahren anbieten, müssen jedoch nicht zwingend eine von einer Fachgesellschaft organisierte Ausbildung zum Psychoanalytiker absolviert haben. Die notwendige Fachkunde für approbierte Psychotherapeuten in Analytischer Psychotherapie (bzw. Zusatzbezeichnung „Psychoanalyse“ für Ärzte) und v. a. in Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie kann auch an Institutionen erworben werden, die nicht Mitglied der psychoanalytischen Fachgesellschaften sind. Gerade bei einer alleinigen Ausbildung in Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie (zum Psychologischen Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichentherapeuten, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, bzw. Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, wie auch der Zusatzbezeichnung „Psychotherapie“ für Ärzte anderer Fachrichtungen) ist eine Ausbildung an einem psychoanalytischen Institut sogar eher selten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Laplanche, J. (2011). Neue Grundlagen für die Psychoanalyse. Gießen: Psychosozial-Verlag.
  2. Quindeau, I. (2008). Psychoanalyse. Paderborn: UTB (W. Fink).
  3. http://www.jungewelt.de/2014/03-12/024.php
  4. Jacoby, R. (1990). Die Verdrängung der Psychoanalyse oder Der Triumph des Konformismus. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag.
  5. Mertens, W. (1997). Psychoanalyse. Geschichte und Methoden. München: C. H. Beck (4. akt. Aufl.)
  6. Jürgen Hardt (Psychoanalytiker und ehem. Präsident der Hessischen Psychotherapeutenkammer) in der Frankfurter Rundschau vom 24. März 2004
  7. List, E. (2009). Psychoanalyse: Geschichte, Theorie, Anwendungen: Geschichte, Theorien, Anwendungen. Stuttgart: UTB (facultas).
  8. List, E. (2013). Psychoanalytische Kulturwissenschaften. Stuttgart: UTB (facultas).
  9. http://www.ipa.org.uk/
  10. http://dgpt.de/fileadmin/download/Aus-_Weiterbildung/DGPT_Aus_und_Weiterbildung_EMail_Version_20130424.pdf