Schandsäule

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1616 errichtete Schandsäule in der Frankfurter Töngesgasse. Hier stand vordem das Haus Vincent Fettmilchs, des Anführers des Fettmilch-Aufstands

Eine Schandsäule ist ein Denkmal, das nicht an Ruhm und Ehre, sondern an die Schande einer Person erinnert. Man könnte auch von negativem Nachruhm sprechen, den man seit der Antike mit dem Namen des Herostratos in Verbindung bringt, der den Tempel der Artemis in Ephesos anzündete, um berühmt zu werden.

1747 verurteilte die katholische Luzerner Obrigkeit den religiösen Dissidenten Jakob Schmidlin („Sulzigjoggeli“) als Häretiker zum Tode. Sein Hof wurde eingeäschert und an seiner Stelle eine steinerne Schandsäule aufgerichtet. Die Inschrift begründet: „wegen verbottenen Zusammenkünfte und Ketzerischen Lehren“. Inzwischen ist sie durch ein Ehren-Denkmal ersetzt worden.

Eine Schandsäule wurde auch an der Stelle des Hauses des Aufrührers Vinzenz Fettmilch im Fettmilch-Aufstand errichtet.

Ehemalige Schandsäule auf dem Aachener Marktplatz

Bereits 1616 wurde von dem Aachener Stadtrat auf dem Marktplatz der Stadt eine Schandsäule für Johann Kalkberner, den Anführer des protestantischen Aufstandes während den Aachener Religionsunruhen, aufgestellt, die erst 1793 von den Franzosen entfernt wurde[1]. Sie trug die Inschrift:

„Sic pereant / Qui hanc Rempublicama) / Et Sedem Regalem / Spretis Sacraeb) Caesareaec) Maiestatis / edictis / Evertere moliuntur
Ad / damnandam memoriam / Ioannis Kalckbernerd) / In ultimo tumultu Anno MDCXIe) / Hic excitato / Inter perduelles / Antesignani / Columna haec ex decreto / D(ominorum)f) Subdelegatorumg) Sac(rae)h) Caes(areae) Maiest(atis) / Erigi iussa / III. Nonas Decembris anno MDCXVI

Übersetzung: So kommen diejenigen um, die es anstreben, dieses Gemeinwesen und diesen königlichen Sitz umzustürzen, indem sie die Verordnungen der Heiligen Kaiserlichen Majestät verachtet haben. Zur verdammenswerten Erinnerung an Johann Kalckberner, den Anführer im letzten Tumult, der hier im Jahre 1611 zwischen den Feinden heraufbeschworen worden war, wurde angeordnet, diese Säule gemäß dem Erlass der Herren Abgesandten der Heiligen Kaiserlichen Majestät zu errichten am 3. Tag vor den Nonen des Dezembers 1616.“

Die berühmteste literarische Gestaltung der Errichtung einer Schandsäule (italienisch colonna infame) ist die Storia della Colonna Infame von Alessandro Manzoni. Eine Schandsäule errichtete man beispielsweise auch nach der Niederbrennung des Hauses des Räubers Nikol List in Beutha. Das Leben Lists bildet eine Vorlage zu Schillers Drama Die Räuber.

Als Schandsäule (bzw. Schandpfahl) bezeichnet man auch Pranger und andere Vollzugsstätten von Ehrenstrafen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Colonna infame – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Inschriftenkatalog: Aachen (Stadt). DI 32, Stadt Aachen, Nr. 118. Deutsche Inschriften Online, abgerufen am 20. Juni 2019.