Ehrenstrafe

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Schand- oder Ehrenstrafen sind Strafen, die den Verurteilten demütigen und bloßstellen. Im Unterschied zu den Leibesstrafen wird der Verurteilte nicht oder nur gering körperlich geschädigt. Allerdings wurden Schandstrafen oft zusammen mit vorangehenden Rutenstrafen und Auspeitschungen verhängt.

Schandstrafen wurden in Europa im späten Mittelalter und in der Frühen Neuzeit durch die Niedere Gerichtsbarkeit verhängt. Zu den Schandstrafen zählten der Pranger, der Schandpfahl, der Schandkorb, der Lästerstein, die Halsgeige sowie der Eselsritt.

Historische Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die verurteilte Person verlor mit dem Urteilsspruch und der Exekution der Strafe ihr gesellschaftliches Ansehen innerhalb einer Stadt völlig, denn sie konnte von da an nicht mehr als ehrbar angesehen werden. Sie ging der bürgerlichen Ehrenrechte (soweit vorhanden) verlustig. Es war ihr nicht mehr möglich, am normalen gesellschaftlichen Leben innerhalb der Stadt teilzunehmen, denn von Seiten der Bürger war man bestrebt, sich möglichst selten im Verkehr mit einer Person sehen zu lassen, deren Leumund ruiniert war. Man befürchtete, sich selbst den eigenen Leumund zu verderben, und strebte danach, diese Gefahr, so gut es ging, zu vermeiden. Die betreffende Person sah sich also Reaktionsweisen gegenüber, die einer Ächtung gleichkamen. Eine Person, die am Pranger stand, konnte durch Passanten verprügelt und misshandelt werden, ohne dass diese eine Strafverfolgung zu befürchten hatten. Neben Rache konnte hierfür auch die eigene Belustigung das Motiv gewesen sein. Auch Ziegenlecken an einer solchen Person ist durch bildliche Darstellung bezeugt.

Darüber hinaus stellten sich in der Regel Beschränkungen in ökonomischer Hinsicht ein, denn verschiedene Gewerbe und Gewerke verhielten sich restriktiv. Wenn ein Fremdgeschriebener oder ein Lehrling, Geselle oder gar Meister der anderen Zünfte eine Ehrenstrafe auferlegt bekam, wurde er aus der betreffenden Zunft ausgestoßen. Der Ehrenkodex sah dies so vor.

Neuzeitliche Ausprägungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Ehrenstrafen im weiteren Sinn gehören auch an einer Person nach außen hin sichtbar gemachte Schandmale, zielgerichtete optische Kennzeichnungen sowie gezielte Entblößungen. So kennzeichnete in bestimmten Zusammenhängen beispielsweise die Barfüßigkeit eine betreffende Person als unfrei oder nicht zur bürgerlichen oder ständemäßigen Gesellschaft zugehörig und in dieser Weise öffentlich vorgeführt zu werden stellte für diese eine schwere Ehrenkränkung dar. In vielen Ländern wird dies auch gegenwärtig in dieser Weise weiterhin praktiziert (vgl. ausführlich Barfüßigkeit:Gefangenschaft). In der heutigen Zeit kann auch der Zwang zum öffentlichen Tragen von (auffälliger) Sträflingskleidung sowie die in vielen Ländern übliche öffentliche Vorführung von Gefangenen in Fesseln (z. B. Handschellen oder Fußfesseln) die faktische Wirkung einer Ehrenstrafe aufweisen. Die vorgenannten Aspekte werden von betroffenen Personen in der Regel auch ohne öffentliche Vorführung als Ehrenkränkung angesehen.

In jüngster Zeit wurden in den Vereinigten Staaten vergleichbare sogenannte Kreativ-Bestrafungen als Alternative zum klassischen Strafvollzug wegen dessen notorischer Überfüllung wiedereingeführt. Verurteilte wurden - teils wahlweise, teils als unmittelbare Bestrafung - z.B. zum Prangerstehen an öffentlichen Orten mit Schildern verurteilt, auf denen ihre Taten, mitunter abwertend kommentiert, verzeichnet waren. Andere wurden verurteilt, in Zeitungsanzeigen oder Fernsehspots ihr Fehlverhalten publik zu machen und sich öffentlich dafür zu entschuldigen. Wieder andere wurden gezwungen, sich Handlungen oder Umständen auszusetzen, die nach Ansicht der urteilenden Richter denen äquivalent waren, welche die Verurteilten ihren Opfern zumuteten. Die Wirkung dieser "kreativen Bestrafung" ist selbst in den USA umstritten.

In Deutschland ist eine derartige Bestrafung unzulässig, weil sie zum einen grundgesetzwidrig wäre (Art. 1 GG), zum anderen untergräbt sie die Rehabilitierung der Täter nach der Verbüßung der Strafe. Lediglich das Jugendstrafrecht sieht die Möglichkeit vor, Straftaten von Jugendlichen thematisch und damit in gewissem Rahmen kreativ zu ahnden. Aber auch bei Auflagen zur Wiedergutmachung gibt es seitens der Gerichte gewisse Spielräume, wobei die Möglichkeiten des Verurteilten hierzu zu berücksichtigen sind. Öffentliche Bloßstellungen sind dagegen verboten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]