Wallroth (Schlüchtern)

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Wallroth
Koordinaten: 50° 23′ 42″ N, 9° 29′ 53″ O
Höhe: 395 m ü. NHN
Fläche: 9,48 km²[1]
Einwohner: 958 (31. Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 101 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36381
Vorwahl: 06661

Wallroth ist ein Stadtteil von Schlüchtern im osthessischen Main-Kinzig-Kreis.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wallroth liegt auf einer Höhe von 396 m über NN etwa 5,5 km nordwestlich des Stadtzentrums von Schlüchtern, im Nordosten des Main-Kinzig-Kreises an der Grenze zum Landkreis Fulda auf dem Landrücken, dem verbindenden Höhenzug zwischen Rhön und Vogelsberg.

Wallroth grenzt im Norden an den Ort Stork, im Nordosten an den Ort Höf und Haid, im Osten an den Ort Klosterhöfe, im Südosten an Schlüchtern, im Süden an den Ort Breitenbach, im Südwesten an den Ort Kressenbach und im Nordwesten an den Ort Hintersteinau.

Wallroth hat die Ortsteile Oberdorf, Unterdorf und Mühldorf mit der Möllersch-Mühle. Weitere Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung waren die Annekätchensmühle und die Hermesmühle.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste erhaltene Erwähnung von Wallroth stammt aus dem Jahr 1167 als „Wesilhilderode“. Nach einem Vermerk im Schlüchterner Repertorium ist Wesselrode eine wüstgefallene Vorgängersiedlung, an deren Stelle dann Wallroth entstand. Das Dorf gehörte zum Kloster Schlüchtern und damit im Spätmittelalter zum Einflussbereich der Herrschaft Hanau (ab 1429: Grafschaft Hanau). Das Kloster Schlüchtern begab sich 1457 endgültig in deren Schutzherrschaft (ab 1458: Grafschaft Hanau-Münzenberg). Dort war Wallroth dem Amt Schlüchtern zugeordnet.

1481 wurde erstmals die Kirche von Wallroth erwähnt, die unter dem Patrozinium des Heiligen Antonius stand. Sie gehörte zur Pfarrei Hintersteinau

Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grafschaft Hanau-Münzenberg schloss sich in der Reformation zunächst der lutherischen Konfession an, ab 1597 war sie reformiert. 1719 erhielt die Kirchengemeinde von Wallroth eine selbständige Pfarrei, die zum Dekanat Schlüchtern zählt und Filialen in Breitenbach und Kressenbach hat.

Mit dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., fiel Wallroth 1736 mit der ganzen Grafschaft Hanau-Münzenberg an die Landgrafschaft Hessen-Kassel, aus der 1803 das Kurfürstentum Hessen wurde.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der napoleonischen Zeit stand Wallroth ab 1806 unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807–1810 zum Fürstentum Hanau und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es wieder an das Kurfürstentum Hessen zurück. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, gehörte Wallroth zum Landkreis Schlüchtern. 1866 wurde das Kurfürstentum nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg von Preußen annektiert und ist nach dem Zweiten Weltkrieg Bestandteil des Bundeslandes Hessen geworden. Wallroth wechselte entsprechend die Verwaltungen, denen es zugehörte. Die ehemals selbstständige Gemeinde Wallroth wurde durch die Gebietsreform in Hessen am 31. Dezember 1971 in die Stadt Schlüchtern eingemeindet.[3] Mit der Hessischen Gebietsreform wurde der Landkreis Schlüchtern 1974 aufgelöst und Wallroth liegt seit dem im Main-Kinzig-Kreis.

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Wallroth unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Wesilhilderode (1167)
  • Weselrode
  • Weseldrode (1303)
  • Weselderode (1331)
  • Weselnrode (1387)
  • Walrode (1481)
  • Wesselrode

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1538: 32 Steuernde
• 1587: 34 Schützen, 7 Spießer
• 1633: 58 Haushaltungen und 2 Gefreite
• 1753: 68 Haushaltungen mit 365 Personen
• 1812: 72 Feuerstellen, 561 Seelen
Wallroth: Einwohnerzahlen von 1753 bis 2015
Jahr  Einwohner
1753
  
365
1812
  
561
1834
  
622
1840
  
608
1846
  
644
1852
  
648
1858
  
619
1864
  
616
1871
  
593
1875
  
570
1885
  
551
1895
  
535
1905
  
568
1910
  
632
1925
  
631
1939
  
615
1946
  
869
1950
  
856
1956
  
768
1961
  
775
1967
  
808
1970
  
825
2005
  
1.015
2010
  
985
2015
  
958
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; 2005:[4]; 2010:[5]; 2015:[2]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: 550 evangelische (= 99,82 %), ein katholischer (= 0,18 %) Einwohner
• 1961: 702 evangelische (= 90,58 %), 73 katholische (= 9,42 %) Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ortsbeirat ist nur die Bürgerliste vertreten. Ortsvorsteher ist Maik Basermann (Bürgerliste).[6]

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Wallroth: Die 850 jährige Reise“ Der Componist - Borys Staaf[7]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wallroth gibt es einen evangelischen Kindergarten und eine Grundschule, die Landrückenschule.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Willi Klein: Zur Geschichte des Mühlenwesens im Main-Kinzig-Kreis (= Hanauer Geschichtsblätter. Bd. 40). Selbstverlag des Hanauer Geschichtsvereins und der Wetterauischen Gesellschaft für die Gesamte Naturkunde zu Hanau, Hanau 2003, ISBN 3-935395-02-7, S. 434 f.
  • Matthias Nistahl: Studien zur Geschichte des Klosters Schlüchtern im Mittelalter (= Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte. Bd. 65). Hessische Historische Kommission u. a., Darmstadt u. a. 1986, ISBN 3-88443-154-4, S. 158–159, 175. (Zugleich: Marburg, Universität, Dissertation, 1984).
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck. Bd. 14, ISSN 0342-2291). Elwert, Marburg 1926, S. 492.
  • Literatur über Wallroth in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Wallroth, Main-Kinzig-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 25. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Einwohnerzahel 2015 Ortsteilen. In: Internetauftritt. Stadt Schlüchtern, archiviert vom Original; abgerufen im Mai 2018 (PDF; 83 kB).
  3. Statistisches Bundesamt Wiesbaden (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart u. a. 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 376.
  4. Einwohnerzahel 2005 Ortsteilen. In: Internetauftritt. Stadt Schlüchtern, archiviert vom Original; abgerufen im Mai 2018 (PDF; 83 kB).
  5. Einwohnerzahel 2010 Ortsteilen. In: Internetauftritt. Stadt Schlüchtern, archiviert vom Original; abgerufen im Mai 2018 (PDF; 83 kB).
  6. Stadt Schlüchtern: Wallroth. (Abgerufen am 3. Dezember 2014)
  7. „Wallroth: Die 850 jährige Reise“ auf youtube.