Schloss Oberlangenstadt

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Schloss Oberlangstadt in Küps-Oberlangstadt

Das Schloss Oberlangenstadt befindet sich im Ortsteil Oberlangenstadt des Marktes Küps im oberfränkischen Landkreis Kronach in Bayern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberlangenstadt liegt mitten in der ausgedehnten Tallandschaft der mittleren Rodach. Die günstige Lage des Ortes an diesem Fluss, der im Mittelalter als Transportweg diente, begründete die Anlage von insgesamt zehn Adelssitzen im Gebiet des Marktes Küps, zu der Oberlangenstadt gehört. Neun der zehn Anwesen bestehen noch, teilweise stark verändert, als Ruine oder Bodendenkmal.[1][2]

Das von einem ausgedehnten Park umgebene Schloss Oberlangenstadt befindet sich am Südrand der Gemeinde in der Poststraße, unmittelbar an der Rodach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberlangenstadt wird 1367 als Dorf im Besitz der Freiherrn von Redwitz erstmals erwähnt. Sie verkauften wie schon um 1625 ihren Besitz in Nagel und Tüschnitz 1691 auch Oberlangenstadt an die Freiherrn von Künsberg. Zu dieser Zeit gab es in Oberlangenstadt nur einen landwirtschaftlichen Hof. Philipp Heinrich von Künsberg baute 1718 den ersten kleinen Adelssitz in der Nähe des heutigen Gärtnerhauses.[3]

Um 1760 begann Carl Dietrich von Künsberg mit der Anlage eines ausgedehnten Parks rund um den abgelegenen Landsitz. Auch ein kleines Freilichttheater wurde im Park eingerichtet. Allerdings beeinträchtigte der feuchte Untergrund der Flussaue auf Dauer die Standfestigkeit des Adelssitzes, sodass er 1805 abgerissen werden musste. 1861 ließ Karl von Künsberg den Schlossgarten im englischen Stil erweitern und 1862 bis 1864 entstand unter dem erst 21 Jahre alten, durch Heirat zu Wohlstand gelangten Freiherrn Otokar August von Künsberg das heutige Schloss im Tudorstil, in Größe und Ausstattung einzigartig in Oberfranken.[4]

Gleichzeitig mit dem Schloss entstanden in seiner Nähe neue Garagen und Stallungen im Stil des Historismus. Im Zweiten Weltkrieg war das ganze Anwesen beschlagnahmt. Unter dem Decknamen „Institut für Treib- und Schmierstoffe“ arbeitete man hier an der Atomwaffenentwicklung. Derzeitiger Schlossherr ist der Jagdexperte Baron Manfred von Künsberg.[5]

Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gartenseite (Ostfront)

Die Pläne zum Bau des Schlosses stammen von Professor Ludwig Volz, Hofbaumeister der bayerischen Könige Maximilian II. und Ludwig II. Der rechteckige Hauptbau mit seinen drei Geschossen ist wegen des feuchten Augrundes auf Pfosten erbaut. Er wird von vier achteckigen Ecktürmen flankiert, die als obere Abschlüsse Attiken mit Ziertürmchen tragen. Aus der Ostfront springt ein wuchtiger dreiachsiger Mittelrisalit vor, der mit einem vierten Geschoss die Ecktürme noch überragt. Der Risalit trägt einen Zinnenkranz mit vier Ecktürmchen und wirkt so wie ein fünfter Turm. In ihm befindet sich der Haupteingang mit drei stichbogigen Arkaden, zu dem eine breite Freitreppe empor führt. Erst später wurde dem Schloss an der nördlichen Schmalseite ein weiterer, 36 Meter hoher Turm angefügt. Dieser achteckige, schlanke „Bergfried“ ist durch eine zweigeschossige Brücke, die eine Durchfahrt zur Gartenseite überspannt, mit dem Hauptgebäude verbunden.[6]

Epitaph von 1739

Die Außengestaltung des Schlosses nutzt fast die gesamte Formensprache der Gotik. So finden sich neben Fensterstürzen aus Vorhang-, Stich- und Kielbögen und als Teilung Maßwerk und Maßwerkblenden. Auf der Gartenseite wird die Mitte durch einen Portikus betont, unter dem sich der Hintereingang verbirgt, zu dem eine zweiläufige Freitreppe führt. Die Pfeiler des Portikus tragen einen Balkon, dessen Brüstungen wie die Fenster mit Maßwerk gefüllt sind. Unter dem Brückenbogen zwischen Hauptgebäude und dem hohen Turm ist an der Turmwand ein Epitaph aus dem Jahr 1739 angebracht. Als Relief ist der Obristen Dietrich Sigmund von Künsberg dargestellt. Diese Grabplatte ist das einzige ältere Stück an dem 1864 vollendeten Neubau.[6]

Eingangsseite

Diese Jahreszahl steht groß über dem Hauptportal der Ostseite, durch das man in die Vorhalle im Erdgeschoss gelangt. Gestaltung und Einrichtung der Gemächer führen zurück in eine bereits beim Bau des Schlosses längst vergangene Zeit. So erinnert die Ausstattung des Salons im ersten Obergeschoss an den Stil Napoleons III., andere Räume, wenn auch nicht so prunkvoll, an die Schlösser Ludwigs II. Besonders originell präsentiert sich das maurische Esszimmer im nordwestlichen Eckturm, das Dekorationen der Alhambra in Granada bis ins Kleinste nachahmt. Bemerkenswert sind auch die aus verschiedensten Hölzern kunstvoll gestalteten Parkettböden.[5]

Park[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Dietrich von Künsberg stand als Gartenplaner in Diensten des Hochstifts Bamberg. Er leitete bereits die Anlage des Gartens von Schloss Seehof, als er 1760 begann, den Oberlangenstadter Schlosspark im Stil des französischen Barocks anzulegen. Hierzu bezog er eine durch die Rodach angeschwemmte große Kiesbank mit ein. Am Rande des Parks ließ er das heute noch bestehende kleine Freilichttheater bauen, in dem Komödien aufgeführt wurden. Die Umwandlung des Barockparks in einen Englischen Landschaftsgarten 1861 gelang besonders durch die Umleitung eines alten Mühlgrabens, der dann in Windungen durch das Gelände führte und auch einen Schlossteich speiste. Einbezogen in die Umgestaltung wurden auch viele der alten Bäume aus der ursprünglichen Flussaue der Rodach. Der Mühlbach ist heute versiegt und der Teich vor dem Schloss ausgetrocknet.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tilmann Breuer: Bayerische Kunstdenkmale, Landkreis Kronach. Band XIX, Deutscher Kunstverlag, München 1964, DNB 450619354.
  • Albert Elstner: Die von Künsberg: die Geschichte eines fränkischen. Adelsgeschlechtes. In: Heimat und Geschichte. Jubiläumsgabe d. Frankenwaldvereins. Verlag Heim, Darmstadt 1972, OCLC 631937932, S. 247–334.
  • Fritz Mahnke: Schlösser und Burgen im Umkreis der Fränkischen Krone, 2. Band. Druck- und Verlagsanstalt Neue Presse GmbH, Coburg 1978, DNB 780410505, S. 147–150.
  • Heinrich Pöhlmann: Geschichte des Marktfleckens Küps. H. O. Schulze, Lichtenfels etwa 1908, DNB 573875308.
  • Hans Schleicher: Die Geschichte des Marktes Küps. De la Porte, Küps 1996, ISBN 3-932416-00-7.
  • Albrecht von und zu Egloffstein: Schlösser und Burgen in Oberfranken: ein Handbuch. 1. Auflage. Verlag Wolfgang Weidlich, Frankfurt am Main 1972, ISBN 3-426-04406-4, S. 27–31.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Oberlangenstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fritz Mahnke: Schlösser und Burgen im Umkreis der Fränkischen Krone. Band 2, Druck- und Verlagsanstalt Neue PRESSE, Coburg 1978, S. 141–145.
  2. Bayerisches Amt für Denkmalpflege: Bau- und Bodendenkmäler in Küps (PDF; 145 kB)
  3. Fritz Mahnke: Schlösser und Burgen im Umkreis der Fränkischen Krone. Band 2, Druck- und Verlagsanstalt Neue PRESSE, Coburg 1978, S. 147.
  4. a b Fritz Mahnke: Schlösser und Burgen im Umkreis der Fränkischen Krone. Band 2, Druck- und Verlagsanstalt Neue PRESSE, Coburg 1978, S. 148.
  5. a b Fritz Mahnke: Schlösser und Burgen im Umkreis der Fränkischen Krone. Band 2, Druck- und Verlagsanstalt Neue PRESSE, Coburg 1978, S. 150.
  6. a b Fritz Mahnke: Schlösser und Burgen im Umkreis der Fränkischen Krone. Band 2, Druck- und Verlagsanstalt Neue PRESSE, Coburg 1978, S. 149.

Koordinaten: 50° 11′ 11,2″ N, 11° 16′ 27,5″ O