Schloss Ribbeck

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das heutige Schloss Ribbeck

Schloss Ribbeck oder auch Herrenhaus Ribbeck ist ein 1893 von Hans Georg Hennig von Ribbeck mit neubarocken Formen errichteter zweigeschossiger Putzbau im Nauener Ortsteil Ribbeck im Landkreis Havelland in Brandenburg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das alte Schloss Ribbeck

Der Vorgängerbau des heutigen Schlosses wurde ca. 1822 – 1826 als ein eingeschossiges Landhaus mit biberschwanzgedecktem Krüppelwalmdach und Fledermausgauben als Ersatz für ein früheres Anwesen an gleicher Stelle errichtet. Dieses Landhaus besaß eine dreiachsige Mittelrisalit und quardergeputzte Eckrisaliten vom 11 Achsen Breite. An diesen Bau erinnert noch heute die Jahreszahl 1822 in römischen Zahlen: MDCCCXXII im Südgiebel des heutigen Schlosses. Dabei soll es sich um das Doppeldachhaus aus dem Gedicht Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland von Theodor Fontane gehandelt haben.

Ob das heutige Schloss ein Erweiterungsbau oder ein Neubau auf Grund eines Brandes ist, kann nicht mehr umfassend geklärt werden. Sicher ist jedoch, dass Hans Georg Henning von Ribbeck (* 19. September 1836; † 26. August 1896) in der Zeit von 1893 bis 1895 das heutige Schloss auf den Grundmauern früher Ribbeckscher Anwesen und Gutshäuser errichten ließ.

Das Schloss war bis zum Jahre 1947 im Besitz der Familie derer von Ribbeck. Das Schloss ging dann in den Besitz des Kreises Nauen über.

Ende der 1950er-Jahre wurde das Schloss mehrmals baulich verändert, so wurde die Fassade stark vereinfacht und die geschwungenen Giebel begradigt. Das Familienwappen wurde ebenso wie das Wandgemälde im Treppenhaus (1954) entfernt. Das Wandgemälde passte nicht ins sozialistische Bild von einem märkischen Junker. Mit dem Anbau eines Aufzugschachtes 1986 endete die sozialistischen Umbauarbeiten am Schloss. Von 1956 bis zum Jahre 2004 wurde das Schloss als Alten-/Pflegeheim genutzt. Nach der Wende stellte die Familie derer von Ribbeck Rückübereignungsansprüche, 1999 einigte sich man mittels Vergleich vor dem Potsdamer Verwaltungsgericht. Das Schloss Ribbeck ist heute Eigentum des Landkreises Havelland und wurde bis Juli 2009 umfassend über mehrere Jahre hinweg denkmalgerecht saniert. Dabei wurde der Aufzugschacht entfernt und die Fassade in ihre ursprüngliche Form zurückgeführt. Die Kosten für die Sanierung betrugen ca. 5,6 Millionen Euro.

Die Familie von Ribbeck bewohnt heute zwei Häuser im Dorf. Zu einem schreibt die Familie: »Das heutige Wohnhaus direkt gegenüber dem Schloss ist dem Doppeldachhaus nachempfunden. Das „Doppeldach“ oder Krüppelwalmdach mit der Anordnung der Gauben und Fenster erinnern an das Schloss, wie es zu Fontanes Lebzeiten existierte.« [1]

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss (2011)

Der Landkreis Havelland als Eigentümer des Schlosses betreibt dieses als kreiseigene Kapitalgesellschaft (Schloss Ribbeck GmbH). Es wurde am 4. Juli 2009 nach jahrelanger Restaurierung als kulturtouristisches Zentrum mit einem Konzert und einem Feuerwerk wiedereröffnet. Es steht als Museum zum Werk und Leben Theodor Fontanes und für Wechselausstellungen ebenso zur Verfügung wie auch als Standesamt, Restaurant und Parkcafé.[2] Die Kosten für die Sanierung betrugen 5,6 Millionen Euro.

Baulichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Architektur des Schlosses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1893 in neubarocker Form errichtete Schloss Ribbeck ist ein zweigeschossiger Putzbau über hohem Sockelgeschoss mit ausgebautem Mansarddach und Schiefereindeckung. Kräftige Gesimsbänder zwischen den Geschossen gliedern das in der Breite dreizehn- und in der Tiefe fünfachsige Gebäude. Putzgequaderte Ecklisenen treten an den Gebäudeecken hervor. Den Mittelrisalit auf der Westseite des Schlosses bilden sechs gequarderte Putzlisenen unterschiedlichster Breite. Aus dem Mittelrisalit tritt ein dreiachsiger Altan mit rundbogigen Fenstern und Eingangsportal heraus. Dorthin führt eine ziegelgepflasterte Kutschauffahrt, die mit Metallgeländer versehen ist.

»Ein geschweifter Dreiecksgiebel von drei Achsen Fensterbreite mit ovalem Fenster, zu den Seiten in spiralförmigen Zierelementen auslaufend und mit Vasen bestanden, krönte diesen Haupteingang.«[3]

Im Keller findet man die Spuren der unterschiedlichsten Bauphasen. Dort gibt es neben einem Tonnengewölbe aus dem 17. Jahrhundert, eine Preußische Kappendecke von 1893 bis zu einer Flachdecke von 1954.

Familienfriedhof derer von Ribbeck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familienfriedhof der Familie von Ribbeck

Direkt am Schloss befindet sich der aus Anlass des Todes (Diphtherie) von drei Kindern 1893 eingerichtete Familienfriedhof der Familie von Ribbeck mit Grabsteinen für:

  • Ernestine von Ribbeck (* 11. Dezember 1888; † 22. Januar 1893)
  • Hans Georg Friedrich Werner von Ribbeck (* 7. Mai 1882; † 1. Februar 1893)
  • Margarethe von Ribbeck (* 1. Mai 1887; † 1. Februar 1893)
  • Wolf Freiherr von Schele (* 15. Mai 1895; † 30. November 1910)
  • Joachim von Ribbeck (* 28. April 1892; † 22. Oktober 1936)
  • Adelheid von Ribbeck (geb. von Krosigk; * 20. Januar 1859; † 28. März 1927)
  • Hans Georg Henning von Ribbeck (* 19. September 1836; † 26. August 1896)
  • Marie-Agnes von Ribbeck (geb. Freiin von Schele; * 15. September 1880; † 15. August 1967)
  • Hans Georg Karl Anton von Ribbeck (Fideikommissherr auf Ribbeck und Bagow; * 5. Juli 1880; verschollen im KZ Sachsenhausen Februar 1945)[4]
  • Alice Irene Renate von Ribbeck (geb. von Bose; * 9. November 1907; † 16. Juni 1979)
  • Hans Georg Friedrich Henning von Ribbeck (* 19. Juli 1907; † 9. Januar 1993)

Im Jahr 1994 wurde zudem ein Gedenkstein für den 1945 ermordeten NS-Widerständler Hans Georg Karl Anton von Ribbeck aufgestellt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die heutigen Wohnhäuser der Familie auf der Website der Familie von Ribbeck.
  2. Webauftritt der Schloss Ribbeck GmbH
  3. Landkreis Havelland – Untere Denkmalschutzbehörde – Tag des offenen Denkmals 2006 – Schloss Ribbeck – Ein kulturhistorisches Denkmal als touristisches Zentrum einer Region, PDF.
  4. Am 11. Juni 2013 soll für Hans Georg Karl Anton von Ribbeck am Schloss ein Stolperstein verlegt werden.

Koordinaten: 52° 37′ 32″ N, 12° 45′ 11″ O