Schlussstrichdebatte

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Wahlplakat der FDP zur Bundestagswahl 1949 mit der Forderung nach Beendigung der Entnazifizierung

Schlussstrichdebatte (vgl. die Redewendung „einen Schlussstrich ziehen“) bezeichnet die Diskussion um die Beendigung einer in der Regel sehr kontroversen Auseinandersetzung über ein dauerhaftes Streitthema. Der Begriff wird auch als politisches Schlagwort verwendet.

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Anlass für eine Schlussstrichdebatte ist meist die empfundene Ergebnis- und Aussichtslosigkeit einer weiteren Diskussion zu einem Thema. Dies ist in der Regel gegeben, wenn sich die Diskussionsteilnehmer in polarisierten Gruppen nach häufig wiederholter intensiver Debatte nicht einig werden.

Die Revisionismusdebatte kann als Wiederaufnahme einer solchen Schlussstrichdebatte verstanden werden.

Die Schlussstrichdebatte kann aber auch nur einer Gruppe zweckdienlich erscheinen und von Diskussionspartnern als Ausweichmanöver empfunden werden. So entstehen möglicherweise zugleich zwei verschiedene Konnotationen der Schlussstrichdebatte. Einerseits positiv besetzt als konstruktiver Lösungsversuch, andererseits negativ besetzt als rhetorisches Ausweichmanöver.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, zwischen 1948 und 1949, wurde in der deutschen Bevölkerung die Entnazifizierung als ungerecht empfunden und war geradezu verhasst. Es kam in weiten Kreisen der Wunsch auf, anstelle einer weitergehenden Vergangenheitsbewältigung einen „Schlussstrich“ unter die Vergangenheit zu ziehen. Ein weiteres Beispiel, bei dem der Begriff Schlussstrichdebatte durch Bürgerrechtler verwendet wird, ist der Streit um eine Vergangenheitsbewältigung der Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik. Hierbei werden beispielsweise die juristischen Verfahren zur Begrenzung von persönlichen Vorwürfen an Politiker als "verfrühte Schlussstrichdebatte" kritisiert.

In Argentinien wurde 1986, drei Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur, das sogenannte „Schlussstrichgesetz“ erlassen.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schlussstrichdebatte ist häufig der Versuch einer Vergangenheitsbewältigung bzw. genauer der Appell für die Aufgabe einer weiteren Aufarbeitung (Diskussion) der Vergangenheit.[1][2]

Eine Verwendung als politisches Schlagwort ist auch losgelöst von Debatten als Argument üblich, um eine behauptete oder angenommene Diskontinuität von Zuständen als Verfälschung oder Illusion darzustellen.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Cervik: Kindermord in der Ostmark, S. 108
  2. Helma von Nerée, Erinnern – nie vergessen pdf.
  3. Menschenbild und Volksgesicht, Falk Blask, Thomas Friedrich (S. 174)