Schneidklemme

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Schneidklemme ist eine Verbindungstechnik in der Elektrotechnik für isolierte Kupferdrähte.

Geschichte und Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Kommunikationstechnik wird die Schneidklemmentechnik seit Anfang der 1970er-Jahre bei Hauptverteilern von Vermittlungsstellen, seit Anfang der 1980er-Jahre in der Linientechnik und bei Installationsverteilern eingesetzt.

Patentanmeldungen reichen zumindest zurück bis ins Jahr 1963.[1][2] 1997 hat die Tridonic Bauelemente GmbH, ein Hersteller von elektronischen Vorschaltgeräten für Leuchtstofflampen, ein europäisches Patent für eine Elektrische Anschlussklemme erteilt bekommen. Dabei wird aus einem einzigen Stück Blech durch Stanzen und Biegen eine Klemme geformt, die zwei abisolierte Drähte in Steckklemmen aufnehmen kann und zwei weitere isolierte in Schneidklemmen. Die Schneiden des V-förmigen Schlitzes können sägezahnartig profiliert sein, um guten Kontakt an zwei Punkten am Leiterumfang zu erzielen. Die Schlitze können paarweise in Leiterrichtung versetzt angeordnet sein, um den Leiter an zwei Stellen mechanisch stabil zu halten, ein weiter versetztes Schlitzpaar kann dem Klemmen eines dünneren Drahts dienen. Dieses Patent ist seit 2014 erloschen.[3]

Für die interne Verdrahtung elektronischer Geräte bzw. Baugruppen werden häufig Steckverbinder benutzt, deren Steckerkontaktierung zum Kabel ebenfalls per Schneidklemmen erfolgt. In diesem Fall ist der Ausdruck Schneidklemmtechnik oder die englische Abkürzung IDC (englisch Insulation Displacement Connector ‚Isolierungsverdrängungsverbinder‘) gebräuchlich. Dabei wird ein exakt passendes Flachbandkabel in einen Schlitz des Steckers eingelegt. Anschließend wird der Schlitz mit einem speziellen Presswerkzeug oder Zange mit parallel geführten Backen, ersatzweise auch mit einem Schraubstock zusammengepresst. Hierdurch werden alle Adern des Kabels in einem Arbeitsgang durch Schneidklemmen kontaktiert. Im Gegensatz zur LSA-Technik wird das Kabel nicht automatisch abgelängt, sodass auch nachträglich Stecker mitten im Kabel angebracht werden können.

Gebräuchlich ist die Anwendung mit Steckern nach DIN 41651 in Form der Datenkabel von in PCs eingebauten Festplatten (mit ATA/ATAPI- oder SCSI-Technik) bzw. Diskettenlaufwerken. Aber auch viele andere Steckverbinder, wie D-Sub- oder Centronics-Stecker, sind mit Schneidklemmtechnik erhältlich.

Die IDC-Kontakte sind nicht isoliert und können doppelt belegt werden. Die Packungsdichte ist groß und die Adernführung deutlich besser als bei LSA-Leisten. So sind z. B. Hauptverteiler der Telefonnetzbetreiber mit IDC-Leisten ausgestattet, da die hier verwendeten HVt-71-Anschlussblöcke eine höhere Adernzahl auf einer vergleichbaren Fläche verbinden können. Nachteilig ist bei der IDC-Technik die fehlende Isolation der Anschlusspunkte. In der DDR wurde in den 1980er Jahren mit der „Schlitzklemmtechnik“ (SKT) eine eigene Technik entwickelt, diese kam jedoch nicht nennenswert zum Einsatz. Die Schneidklemmentechnik ist für gelitztes Kabel weniger geeignet.

LSA-Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Telefonverteiler mit LSA-Leisten

Diese Verbindungstechnik funktioniert wie alle Schneidklemmen ohne Löten, Schrauben sowie Abisolieren und wird auch als löt-, schraub- und abisolierfreie Technik, kurz LSA-Technik, bezeichnet. Dabei bezeichnet LSA auch den Quasistandard, der sich neben anderen Schneidklemmtechniken am weitesten verbreitet hat. LSA ist in der Kommunikationstechnik eine übliche Methode, um Kabelverbindungen in verschiedenen Bereichen herzustellen. Beispielsweise können hier die Verbindungen in Rechnernetz von Twisted-Pair-Kabel zu Netzwerkdosen und Rangierfelder sowie von Telefonkabel in APL genannt werden. Der Kontakt wird mit einem sogenannten Anlegewerkzeug hergestellt, welches die Ader eines Kabels mitsamt Isolierung einzeln in eine Schneidklemme presst. Dabei wird durch das Werkzeug in einem Arbeitsgang die Isolierung der Ader durch die scharfen Kontakte der metallenen Schneidklemme durchdrungen, das überschüssige Aderkabel gekürzt und eine gasdichte, elektrische Verbindung hergestellt.

Alternativ werden für Netzwerke auch Keystone-Module verwendet, die auch mit Schneidklemmen ausgestattet sind. Auch TAE-Dosen können mit LSA-Schneidklemmen als Alternative zu Schraubkontakten angeschlossen werden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schneidklemmen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Patent DE1232232A: Für isolierte elektrische Leiter bestimmte Verbindungs-Einrichtung. Angemeldet am 20. Februar 1963, veröffentlicht am 12. Januar 1967, Anmelder: Western Electric Co., Erfinder: William Pferd, Karl-Heinz Pohl, Daniel Wescoat Tyler.
  2. Patent DE2814069A1: Vorrichtung und Verfahren zur Herstellung eines löt-, schraub- und abisolierfreien Kontaktes an einem feststehenden Anschlusselement, insbesondere für die Fernmeldelinientechnik. Angemeldet am 30. März 1978, veröffentlicht am 4. Oktober 1979, Anmelder: Krone AG, Erfinder: Horst Forberg.
  3. Patent EP637098B1: Elektrische Anschlussklemme. Angemeldet am 18. Juli 1994, veröffentlicht am 8. Oktober 1997, Anmelder: Tridonic Bauelemente GmbH, Erfinder: Carsten Ruchholtz.