Schrotturm
Ein Schrotturm diente der Herstellung von Schrotkugeln für Schrotpatronen im Turmgießverfahren. Einige Schrottürme sind erhalten und wurden Industriedenkmäler.
Turmgießverfahren
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Flüssiges Blei wurde an der Spitze des Turmes durch ein Sieb gegossen. Im freien Fall bildeten sich aufgrund der Kohäsionskraft und Oberflächenspannung des Materials kugelförmige Tropfen. Bei ausreichender Fallhöhe war das Blei bereits erkaltet und erstarrt, wenn es unten in einem Wasserbecken aufgefangen wurde. Hier kühlten die Kugeln weiter ab.
Das Verfahren wurde von dem englischen Klempner William Watts in Bristol erfunden und 1782 patentiert[1]. Im selben Jahr errichtete Watts den ersten Schrotturm bei seinem Haus. Schrottürme ersetzten ältere Herstellungsverfahren, bei denen Blei aufwendig in Formen gegossen wurde. Das Gießen von Blei in Wasser war ebenfalls gebräuchlich, führte aber zu ungleichmäßig geformten Schrotkörnern. Durch die Entwicklung von Windtürmen ab 1848 konnte die Höhe der Türme reduziert werden. Dabei wird das herabtropfende Blei im Gegenluftstrom zusätzlich abgekühlt.[2] Ab 1961 machte das Bliemeister-Verfahren Schrottürme weitgehend überflüssig.
Schrottürme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Der 1908 errichtete Schrotkugelturm in Berlin-Rummelsburg ist das Wahrzeichen des dortigen Kiezes Victoriastadt (D).
- Schrotturm in der Ortschaft Barnkrug, an der Unterelbe, Gemeinde Drochtersen (D)
- Fährenpfortenturm, Hann. Münden, heute Museum der Arbeit (D)
- Zündhütle, Karlsruhe (D)
- Tangermünde, 47 Meter hoch (D)
- Schrotturm in Schweinfurt (D)[3]
- Schrotturm Federaun, Kärnten (A)
- Schrottenturm am Westende von Klagenfurt am Wörthersee, nächst Krumpendorf, 38 m hoh. (A)
- Schrotturm Gailitz in Arnoldstein (A)
- In Wien-Favoriten wurde 1825 ein Schrotturm errichtet, der die notwendige Fallhöhe durch die Kombination eines 25 m hohen Holzturmes mit einem darunterliegenden 35 m tiefen Schacht erzielte.
- In Finnland existiert heute nur noch ein Schrotturm (aus Metall), der sich in Tampere (Stadtteil Pispala) befindet, Finnland
- Schrotturm in Daugavpils, Lettland
- Torre de los Perdigones in Sevilla, Spanien
- Phoenix Shot Tower in Baltimore (USA)
- Der Shot-Tower der Lead Pipe & Shot Factory (engl.: Bleirohr- & Schrotfabrik) in Melbourne, Australien ging erst in den 1960er Jahren außer Betrieb und wurde später als denkmalgeschützte Attraktion in den kuppelartig überdachten Innenhof eines großen Einkaufszentrums integriert.
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Schrotturm im Alten Gewerbeviertel in Schweinfurt (D)
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Fährenpfortenturm, auch Hagelturm genannt, Hann. Münden (D)
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Schrotturm Gailitz in Gailitz (A)
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Schrotturm in Daugavpils, Lettland
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Phoenix Shot Tower in Baltimore (USA)
Ehemalige Schrottürme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- In Kärnten und dem Mießtal (Kärnten–Slowenien) standen Schrottürme, die nicht freistehend errichtet waren, sondern natürliche Abstürze ausnützten, an die sie wie Erker angebaut waren.[4]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Walter Minchinton: The Shot Tower, in: The Shot Peener, Volume 7, Issue 3
- ↑ Lynne Belluscio: Shot Towers Seen and Unseen, 21. Juni 2009 ( vom 30. Januar 2012 im Internet Archive)
- ↑ Der Schrotturm. In: schweinfurtfuehrer.de. Abgerufen am 12. Februar 2024.
- ↑ Reinhold Gasper, Friedrich Hans Ucik: Der ehemalige, in der Fachliteratur bisher unbekannte Schrotturm nahe der Hollenburg (Südkärnten) und die übrigen Schrottürme in Kärnten bzw. Österreich. In: Carinthia II. 196./116. Jahrgang. Klagenfurt 2006, S. 85–91 (zobodat.at [PDF; abgerufen am 30. Dezember 2016]).