Schrotkugel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schrotkugeln aus einer Flintenpatrone

Schrotkugeln sind kleine Kugeln aus Metall, die in Form einer aus zahlreichen Einzelprojektilen bestehenden Garbe aus Flinten verschossen werden.

Material[Bearbeiten]

Traditionell bestehen Schrotkugeln aus mit Arsen und Antimon legiertem Blei,[1] wobei aus Gründen des Umweltschutzes dieses giftige Schwermetall zunehmend durch andere Materialien abgelöst wird. In einigen Ländern existieren mittlerweile Verbote von Bleischrotmunition.[2]

Auch Gründe des Tierschutzes sind für die zunehmende Umstellung wesentlich. So ist bekannt, dass Bleischrot sowohl bei gründelnden Wasservögeln, welche die Schrotkugeln als Grit aufnehmen, sowie bei Greifvögeln, die angeschossene Tiere fressen, zu Vergiftungserscheinungen und zum Tod führt.[3] Wissenschaftler gehen davon aus, dass etwa ein Drittel aller tot aufgefundenen Seeadler direkt (Tod durch Bleivergiftung) oder indirekt (Verhaltensstörungen durch Bleivergiftungen und hieraus resultierende Unfälle mit Zügen oder Windrädern) auf Bleimunition zurückzuführen ist.[4]

Statt Bleikugeln kommen mittlerweile oft preiswerte Weicheisenkugeln zum Einsatz. Es werden aber auch Kugeln aus anderen Metallen wie Wismut, Zinn, Wolfram oder Legierungen dieser Metalle hergestellt. Schädliche Wirkungen von Wismut, Zinn und Wolfram auf die Tierwelt sind noch nicht vollständig geklärt. Für Weicheisen ist bekannt, dass aufgrund der geringeren Dichte dieses Materials bei Entfernungen von über 30 Metern Tiere deutlich öfter nicht getötet, sondern schwer verletzt werden.[5]

Ein weiteres Problem ist die höhere Härte dieser Materialien gegenüber Blei. Läufe, aus denen Schrote aus härterem Material als Blei verschossen werden sollen, müssen dafür ausgelegt sein, da im Choke an der Laufmündung beim Durchgang der Garbe höhere radiale Kraftspitzen auftreten, die den Lauf in diesem Bereich beschädigen können. Vor allem Schrote auf Eisen- und Wolframgrundlage sind härter als Blei. Bei der Beschussprüfung werden geeignete Läufe mit einer Lilie markiert. Einige Hersteller betten Wolframpartikel in eine Polymermatrix, wobei der Wolframanteil so eingestellt werden kann, dass die Dichte des Verbundwerkstoffs der von Blei entspricht. Kugeln aus diesem Material weisen annähernd die mechanischen und ballistischen Eigenschaften von Blei auf.

Teilweise wird auch das aus der höheren Härte dieser Schrote resultierende gefährlichere Abprallverhalten, grade bei Frost und an Gewässern, als Problem beschrieben.[6]

Als Vorform der Schrotkugeln kann das Hagelschrot gelten, das aus Vorderlader-Flinten verschossen wurde und aus gehacktem Blei bestand. Heutige Flinten verschießen Schrote mittels aus Pappe oder Kunststoff bestehender Schrotpatronen. Schrotmunition hat eine große Streuwirkung, woraus sich die Eignung zum Schießen auf kleine und bewegliche Ziele ergibt. Schrotkugeln werden darum vor allem zur Jagd kleineren Wildes und beim Sportschießen in der Disziplin „Wurfscheibenschießen“ eingesetzt.

Herstellungsverfahren[Bearbeiten]

Ursprünglich wurden Schrotkugeln in Kugelformen gegossen; dabei war nachträglich die Entfernung der Gussgrate notwendig. Vorteilhafter ist das Turmgießverfahren, bei dem Schrotkugeln aus flüssigem Blei unter Ausschaltung der Schwerkraft und Nutzung der Kohäsionskraft hergestellt werden. Dieses Verfahren wurde früher auch in sogenannten Gießschächten genutzt, in denen Blei durch ein Sieb in die Tiefe tropfen gelassen wurde, wo es sich im Fallen zu Kugeln formte und erkaltete. Der Engländer William Watts patentierte 1772 ein auf den spezifischen Laufeigenschaften unterschiedlich geformter Schrotkugeln auf ebener Fläche beruhendes Sortierungsverfahren: Die gleichmäßig geformten Kugeln bewegen sich darauf schneller als unregelmäßig geformte Bleikörper. Die ballistischen Eigenschaften des so produzierten und sortierten Schrotes wurden damit erheblich verbessert. Eine moderne Methode der Herstellung von Bleischrot in kleinen Mengen ist das 1961 von Louis W. Bliemeister patentierte Bliemeister-Verfahren.

Schrotstärken- und Größen[Bearbeiten]

In Deutschland wird der Durchmesser der in einer Patrone enthaltenen Schrotkugeln, neben dem Durchmesser in mm, auch mit Hilfe einer sogenannten Schrotgrößen-Nummer von Schrotgrößen-Nr. 1 (4 mm) bis -Nr. 7 (2,5 mm)angegeben. Je niedriger die Zahl ist, desto größer ist der Durchmesser der Schrotkugeln. Diese Bezeichnungen sind vor allem im jagdlichen Bereich gebräuchlich.[7]

Posten[Bearbeiten]

Als Posten (englisch „buckshot“) werden Schrotkugeln ab 4,5 mm Durchmesser bezeichnet. Sie wurden unter anderem für die Jagd auf Schalenwild verwendet (z. B. Sauposten, Rehposten). Englische Bezeichnung sind u.a. 00 für 8,5 mm und 000 für 9 mm. Heute ist ihr Einsatz auf Schalenwild und Seehunde in Deutschland verboten. Das Schießen mit Posten auf diese Wildarten ist Ordnungswidrigkeit und kann mit Geldbuße bis 5000,- Euro geahndet werden.(§§ 19 Abs. 1 Nr. 1, 39 Abs. 1 Nr. 5, Abs. 3 BJagdG)

Vogeldunst[Bearbeiten]

Als Vogeldunst (englisch „birdshot“) bezeichnet man sehr feines Schrot mit einem Durchmesser von 1,5-1,75 mm. Vogeldunst wird hauptsächlich zur Jagd auf Kleintiere verwendet.

Bleischrot[Bearbeiten]

Schrot unterschiedlicher Kugelgröße findet unterschiedlichste Verwendung als Ballast in Flug- und Schiffsmodellen sowie in wasserdurchlässigen Säckchen oder auch in den Taschen von Tauch-Jackets die notfalls unten geöffnet werden können. Sehr weiche und geschlitzte Schrotkugeln werden beim Angeln mit einer Zange auf eine Nylonschnur verpresst, um das Vorfach mit dem Haken zu beschweren.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hartschrot. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 19. April 2014.
  2. Deutsche Jagd Zeitung 10/2002, S. 56.
  3. Kenntner, Norbert und Torsten Langgemach: Gefahr für Seeadler - Hohe Verluste durch Bleivergiftungen beim Seeadler, in: Unsere Jagd 12/2001, S. 30-31.
    • Kenntner, Norbert, Frida Tartaruch und Oliver Krone: Heavy metals in soft tissue of white-tailed eagles found dead or moribund in Germany and Austria from 1993 to 2000, in: Environmental Toxicology and Chemistry 20 (8) 2001, S. 1831-1837.
    • Consiglio, Carlo: Vom Widersinn der Jagd, Frankfurt/Main 2001.
  4. Kenntner, Norbert, Frida Tartaruch und Oliver Krone: Heavy metals in soft tissue of white-tailed eagles found dead or moribund in Germany and Austria from 1993 to 2000, in: Environmental Toxicology and Chemistry 20 (8) 2001, S. 1831-1837.
  5. Streitberger, Joachim: Blei oder nicht Blei?, in: Wild und Hund 19/2001, S. 34-37.
  6. Wild und Hund 21/2001, S. 70.
  7. vgl. Seibt, Siegfried: Grundwissen Jägerprüfung, Kosmos Verlag, Stuttgart 2011; ISBN 978-3-440-12530-4

Quellen[Bearbeiten]